Freudenstadt

Musik entfaltet festliche Strahlkraft

von Schwarzwälder-Bote

Von Gabriele Adrian

Freudenstadt. In der voll besetzten Freudenstädter Stadtkirche eröffnete die Stadtkapelle Freudenstadt mit einem Festkonzert die Feiern zu ihrem 160-jährigen Bestehen. Unter der Leitung von Rainer Neher wurden geistliche Werke aus verschiedenen Epochen dargeboten.

Feierlich in rote Blazer gekleidet, zogen rund 50 Bläser, begleitet vom Dirigenten, vom Organisten und vom Schlagzeuger, in den Kirchenraum ein und eröffneten das Konzert mit dem zeitgenössischen Stück "Eventide Fall" von Alfred Bösendorfer, das auch als Zugabe nach lang anhaltendem Schlussapplaus noch einmal zu hören war.

Zunächst erklang ein einziger, lang gezogenen Ton. Dann folgte ganz vorsichtig das Motiv, bevor das komplette Blasorchester hinzukam. Feierlich-getragen, in vollem Gesamtklang ertönte die musikalische Einleitung.

Die Begrüßung der Konzertbesucher hatten Christine Schwarz und Tina Eberhardt übernommen, die an die wechselvolle Geschichte der Stadtkapelle erinnerten: Nach zwei Auflösungen – eine nach dem Zweiten Weltkrieg, die zweite im Jahr 2008, als die Stadtkapelle den Wechsel vom Eigenbetrieb der Stadt zum eingetragenen Verein verkraften musste – sehe man wieder voll Zuversicht und Enthusiasmus in die Zukunft. Und man freue sich, dass die Kapelle einen großen Zulauf erfahren habe und heute zusammen mit vielen jungen Bläsern tatkräftig und mit einer Unmenge an Energie aufspiele.

Das stellte die Stadtkapelle zur Freude der Besucher in einem abwechslungsreichen Programm klangvoll unter Beweis: Es erklangen Kompositionen des Barocks, wie das berühmte Halleluja aus dem Messias von Georg Friedrich Händel, das Ave Maria von Bach/Gounod und eine Vertonung des XIX. Psalms von Benedetto Marcello, in der Organist Thomas Müller einen eindrucksvollen Part spielte und zusammen mit den Bläsern festlich strahlende Klänge, fast durchgängig im Forte, erschallen ließ.

Auch romantische Kompositionen wie der Abendsegen aus der Oper "Hänsel und Gretel" waren zu hören. Bis zum "Halleluja" von Leonhard Cohen, das der Popmusik zugerechnet wird, reichte das musikalische Spektrum. Anrührend erklang "Dona nobis pacem" (lateinisch für: gib uns Frieden) nach einer Bearbeitung von Thomas Doss, gleichzeitig fordernd, bittend und klagend. Ein Text, der nie an Aktualität verliere, wie Moderator Dieter Schulz mit Blick auf viele aktuelle weltpolitische Ereignisse hervorhob.

Ein kleines Ensemble, bestehend aus Oboe, Horn, Klarinette, Querflöte und Saxofon, ließ das "ägyptische Ballett" erklingen. Das Ensemble spielte gefühlvoll und leicht, bevor wieder das ganze Orchester mit einer ganzen Reihe von begabten Instrumental- und Gesangssolisten zu hören war. Bewegend und mit großer Stimme sang Yvonne Berg das Lobpreislied "Wo ich auch stehe" von Albert Frey, bevor sie ihr Talent auch als Solistin an der Oboe demonstrierte und "Giudita" von Alfred Bösendorfer spielte, eine Romanze, die dem kleinen Mädchen Judith gewidmet ist. Gefühlvoll und zart begleitete sie das Orchester.

Auch weitere Orchestermitglieder waren als Solisten zu hören, wie etwa der Hornist Elias Kowalski, der eine wunderbare Kadenz zum Rondo von Wolfgang Amadeus Mozart präsentierte. Mit Leonhard Cohens "Halleluja" gelang vier Gesangssolisten aus dem Orchester, wie vom Moderator angekündigt, ein wahres "Gänsehaut-Erlebnis". Das innige "Abends, wenn ich schlafen gehe" bildete den eindrucksvollen Schluss des Konzerterlebnisses. Gerade hier, bei der Komposition von Engelbert Humperdinck, war zu spüren, wie sehr die Musiker nicht nur mit ihrer Spielkunst, sondern auch mit dem Herzen dabei waren.

Nach verdientem Applaus wurde das vom Dirigenten schwungvoll geleitete Orchester nicht ohne Zugabe entlassen. Danach feierte das Publikum bei einem kleinen Sektempfang das Jubiläum mit.

Das Konzert wird am Freitag, 24. April, um 19 Uhr, in der Bartholomäuskirche in Schopfloch wiederholt.