Freudenstadt/Horb

Steht das MVZ vor der Schließung?

von Jürgen Lück

Freudenstadt/Horb - Steht das medizinische Versorgungszentrum (MVZ) in Horb vor der Schließung? Trotz deutlicher Worte im Geschäftsbericht dementiert der Geschäftsführer der Krankenhäuser Landkreis Freudenstadt (KLF), Ralf Heimbach.

Der Kreistag am Montagabend. Thema: Der Geschäftsbericht der Krankenhäuser Landkreis Freudenstadt. Fakt ist, so KLF-Geschäftsführer Heimbach: Das Ergebnis der MVZ Freudenstadt, zu der auch Horb gehört, hat sein Defizit um 40 000 Euro erhöht. Von minus 195.000 Euro auf 237.000 Euro im Jahr 2016.

Auf Seite 14 dann der Hammersatz: "Der Aufsichtsrat hat die Geschäftsführung im Februar 2017 beauftragt, eine Sanierungsprüfung für das MVZ vorzunehmen. Als Ergebnis der Prüfung ist vorwegzunehmen, dass ein unveränderte Fortführung der Aktivitäten am Standort Horb so nicht erfolgen wird. Die vertragliche Situation der dort eingesetzten Ärzte würde – sofern dies vom Aufsichtsrat so entscheiden wird – eine Umsetzung in andere Beschäftigungsverhältnisse und oder die Abwicklung erlauben."

Klartext: Wenn der Aufsichtsrat den Daumen senkt, könnte das MVZ Horb geschlossen werden.

Auf Seite 21 im Geschäftsbericht gibt es auch keine Entwarnung. Hier heißt es: "Der Aufsichtsrat hat ein Sanierungsprogramm für das MVZ Horb eingefordert. In der Folge wurde der wirtschaftlich für das MVZ ungünstige Vertrag mit dem Leiter der chirurgischen Praxis ordnungsgemäß gekündigt." Gemeint ist Peter-Paul Olinczuk (wir berichteten).

Weiter heißt es: "Es wird ergebnisoffen über eine zeitlich begrenzte Weiterbeschäftigung zu deutlich abgesenkten Bezügen verhandelt. Gleichzeitig ist unstrittig, dass bei einer ungünstigen Entwicklungsprognose für den Standort Horb an der geordneten Beendigung der Aktivitäten dort kein Weg vorbeiführen wird, um das Überleben der Gesellschaft insgesamt zu sichern."

Klartext: Wenn Horb für die KLF keine besseren Zahlen liefert, wird das medizinische Versorgungszentrum dicht gemacht!

Kein Wunder, dass Horbs Oberbürgermeister Peter Rosenberger gleich nachfragt: "Warum steht im Geschäftsbericht etwas über die Abwicklung des MVZs in Horb drin? Was müssen die Bürger in Horb befürchten?" KLF-Geschäftsführer Heimbach: "Es ist nicht vorgesehen, das medizinische Versorgungszentrum in Horb abzuwickeln. Wir werden es ergänzen – und zwar durch eine Beendigung der Aktivitäten der Unfallchirurgie unter dem Dach der MVZ. In Horb läuft es massiv in den Trend der Überschuldung hinein. Aber: Wir werden alles mögliche tun, um dafür zu sorgen, einen D-Arzt und einen Unfallchirurg in Horb zu erhalten. Wir führen Gespräche mit mehreren Ärzten für den Fall, dass wir den Sitz neu ausschreiben. Gleichzeitig führen wir Gespräche mit Olinczuk, den Sitz auszugliedern. Wir sind zuversichtlich, dass wir das Problem zum 1. Januar 2018 im Interesse der Horber Bürger umgestalten können."

Vorher hatte Heimbach gesagt, dass man im MVZ Horb Geld mit der Kardiologie und der Unfallchirurgie verdient. Allerdings, so Heimbach zum Schwarzwälder Boten, sei der aktuelle Vertrag mit dem Horber D-Arzt Olinczuk ungünstig für die KLF. "Der Wechsel in der Gynäkologie und der neue Anästhesist Stefan Schanz haben sich schon positiv ausgewirkt. Insofern dürfte sich das Ergebnis des MVZ Horb verbessern."

Wie die wirtschaftliche Lage des MVZ Horb konkret ist, das wollte Heimbach gegenüber dem Schwarzwälder Boten nicht sagen.

Horbs Oberbürgermeister Peter Rosenberger sagte gestern: "Ich habe ganz bewusst diese Frage gestellt, weil ich weiß, dass sie für die Horber eine extrem große Relevanz hat. Einmal, weil die Horber die Leistung und Arbeit von Olinczuk schätzen und lieben gelernt haben. Die zweite Ebene ist: Bleibt die Unfallchirurgie und der D-Arzt Sitz in Horb? Landrat Rückert steht dazu, wie er mir in den letzten Wochen ebenso wie in der Kreistagssitzung bestätigt hat, dass Horb eine Unfallchirurgie und den D-Arzt-Sitz behalten muss. Trotzdem weiß ich, dass man hinter den Kulissen bestrebt ist, mit Olinczuk eine Lösung zu finden. Ich gehe davon aus, dass man sich einigen kann."

Und was macht das Krankenhaus in Horb? Hier konnte die KLF ordentlich zulegen. Mit einem Plus von 12,1 Prozent der abgerechneten Pflegetage auf 16 180 ist die Lage hier erfreulich, so Heimbach: "Wir haben die Kapazität im Jahr 2016 deutlich anheben können."