Freudenstadt

Dealer entgeht seiner Haftstrafe nicht

von Anja Schmidt

Freudenstadt/Rottweil - "Es ist nicht schön in der Haft". 23 Stunden müsse er in seinem Zimmer bleiben und er könne kaum schlafen, berichtete der 48-Jährige, der eine Haftstrafe wegen Drogenhandels verbüßt.

Zur Milderung der Haftstrafe trug diese Schilderung ebenso wenig bei wie seine Lebensgeschichte. Der 48-Jährige aus Gambia war vor dem Landgericht in Berufung wegen seiner Verurteilung vor dem Amtsgericht Freudenstadt gegangen. Das Amtsgericht Freudenstadt hatte ihn im April zu zwei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Das Landgericht Rottweil bestätigte nun die Strafhöhe.

Der Mann wurde beim Handel in zwei Fällen mit je 21 Gramm Marihuana im Wert von 200 Euro überführt. Eine Vertrauensperson der Polizei hatte im Flüchtlingsheim den Kontakt zu ihm aufgenommen und in dessen Zimmer die Käufe mit ihm abgeschlossen.

Im dritten Anlauf forderte die Vertrauensperson zwei Kilogramm Marihuana im Wert von 12 .000 Euro. Der Mann versprach, dem Ansinnen zu entsprechen, lieferte dann aber nur ein Kilogramm im Wert von 6000 Euro. Tags darauf wurde er in Untersuchungshaft genommen, und das Amtsgericht Freudenstadt sah den gewerblichen Handel mit Betäubungsmitteln als erwiesen an.

Wie schon im Hauptverfahren räumte der Angeklagte auch im Berufungsverfahren die Straftaten ein. Zu diesem Zeitpunkt lebte der 48-Jährige bereits drei Jahre in Deutschland als Asylbewerber. Gambia verließ er bereits 2002. Zur Flucht hätten ihn keine politischen Gründe gezwungen, sondern religiöse Ausein­andersetzungen mit seiner Mutter, berichtete er.

Zwei Kilogramm Marihuana gefunden

Elf Jahre verbrachte er mit Gelegenheitsjobs in Lybien, bis ihn der Bürgerkrieg im Jahr 2013 von Lybien über Italien nach Deutschland geführt habe. Mit Drogen sei er erstmals in Lybien in Kontakt gekommen. Er sei gekidnappt worden und habe bei Wasser und Brot hart arbeiten müssen. Für seine Leistungsfähigkeit hätten die Entführer ihm Haschisch gegeben. Um schlafen zu können, brauche er seither Drogen.

Das Gericht gab zu diesen Erzählungen keine Stellung ab. Aufgrund des gewerblichen Handels mit Marihuana – im Zimmer des Angeklagten wurden fast zwei Kilogramm der Droge und 660 Euro gefunden – sei die besondere Schwere der Tat gegeben. Die Strafe, die vom Amtsgericht Freudenstadt verhängt worden sei, befinde sich bereits im unteren Bereich des Strafmaßes. Sie nun, wie beantragt, zur Bewährung auszusetzen, wäre nur dann möglich gewesen, wenn die besondere Schwere der Tat entfallen wäre.

Der Anwalt zog daraufhin die Berufung zurück.