Freudenstadt

BVB-Anschlag: Weitere Details der Anklage

von Volker Rath

Freudenstadt/Dortmund - Das Landgericht Dortmund hat am Freitag weitere Details aus der Anklage gegen den mutmaßlichen BVB-Attentäter veröffentlicht. Ob und wann der Prozess kommt, ist  bislang noch nicht entschieden.

Die für das Verfahren zuständige 39. Große Strafkammer am Landgericht Dortmund werde die Anklage nun prüfen und entscheiden, ob das Hauptverfahren eröffnet und eine Hauptverhandlung anberaumt wird.

Wie berichtet, hatte die Staatsanwaltschaft am Dienstag Anklage gegen den 28-jährigen Elektrotechniker aus Freudenstadt erhoben. Er soll den Anschlag mit drei Splitterbomben auf den Spielerbus von Borussia Dortmund am 11. April verübt haben, beim dem der Spieler Marc Bartra und ein Polizist der Motorad-Eskorte verletzt wurden.  

Sie wirft ihm unter anderem versuchten Mord in 28 Fällen und zweifache gefährliche Körperverletzung vor. Motiv sei Habgier gewesen. Sergej W. sei "heimtückisch" vorgegangen, was im Falle einer Verurteilung als zweites "Mordmerkmal" im juristischen Sinne gilt und im Prozess zentrales  Kriterium werden könnte.

Weitere Details des Anschlags, die die  Kriminalbeamten rekonstruiert haben: Die Bomben waren auf einer Strecke von zwölf Metern in einer Hecke versteckt, mit einem Abstand von fünf bis sechs Metern zur Fahrbahn. Die  ferngezündeten Sprengsätze sollen jeweils mit rund einem Kilo Wasserstoffperoxid-Brennstoff-Gemisch bestückt gewesen sein, ferner  mit Splittern: mindestens 65, in Epoxidharz eingeschlossene  Metallbolzen, sechs Millimeter stark,  knapp 7,5 Zentimeter lang und jeweils 16 Gramm schwer.

Im Bus, der auf dem Weg zum Dortmunder Stadion war, saßen außer dem Fahrer 18 Spieler sowie acht Mitglieder des Trainer- und Betreuerstabs. Weil eine  Bombe zu hoch platziert war, war deren Wirkung nicht durchschlagend. Bartra, der im hintern Teil des Busses saß, erlitt durch die Wucht der Explosion einen offenen Bruch am rechten Unterarm. Außerdem  mussten Splitter aus dem Arm  entfernt werden. Der Polizist musste mit einem Knalltrauma behandelt werden. Ein Metallstift schlug in eine Kopfstütze ein. Der Sachschaden an Bus, drei weiteren Fahrzeugen und einem Haus  –  Metallstifte durchschlugen die Glasfront –  beziffert die Staatsanwaltschaft mit mehreren zehntausend Euro.

Mit Optionsscheinen soll der 28-Jährige auf fallende Aktienkurse des BVB gewettet haben. Sergej W. soll  44.300 Euro investiert und die "hochrisiko behafteten" Scheine über Kredite finanziert haben. Die Staatsanwaltschaft geht von einem maximal möglichen Gewinn von rund 500.000 Euro aus, den er hätte machen können. Mehrere Tage nach dem Anschlag soll er die Optionen mit einem Gewinn von 5872,02 Euro verkauft haben.

"Sollte Sergej W. den ihm von der Staatsanwaltschaft Dortmund vorgeworfenen Taten schuldig sein, droht im eine lebenslange Freiheitsstrafe", so Thomas Jungkamp, Pressesprecher des Landgerichts.