Freudenstadt

Ärger über Bürokraten und Launen der Natur

von Schwarzwälder Bote

Kreis Freudenstadt. Ärger über Bürokratismus und Schäden durch Borkenkäfer, Trockenheit sowie Schnee und Frost: Einen Forstrundgang unternahm jetzt der FDP-Landtagsabgeordnete Timm Kern. Die Erwartung an die Politik: Für eine nachhaltige Waldnutzung braucht es gesunden Pragmatismus.

"Bürokratische Daumenschrauben bringen nicht mehr, sondern weniger Waldpflege", so Kern in einer Pressemitteilung. Auch seine Gesprächspartner fordern gesunden Pragmatismus, der auf drei Jahrhunderte Erfahrung mit gelebter Nachhaltigkeit im Schwarzwald setze. "Durch zwei sehr trockene Jahre 2017 und 2018 stehen unsere Wälder unter Stress. Wir hoffen auf viel Niederschlag, damit sich die dritte Generation des Borkenkäfers nicht ausbreiten kann", sagte Jochen Bier, Forstdiplomingenieur und Vorsitzender des Waldbesitzervereins Nordschwarzwald, beim aktuellen Waldrundgang mit Kern. Dabei waren auch der ehemalige Rektor der Forsthochschule Rottenburg, Wolfgang Tzschupke, sowie der forstpolitische Berater der FDP-Landtagsfraktion, Lukas Braun.

In Seewald besichtigte die Gruppe Waldflächen, die durch Frost und Schneebruch erhebliche Schäden davongetragen haben. Angesichts der Umstrukturierungen der staatlichen Forstverwaltung bedauerte Jochen Bier, dass im Zuge der Reform nicht gezielt regionale Holzverkaufsstellen für den Kommunal- und Privatwald entwickelt werden sollen. "Die Ampel-Koalition in Rheinland-Pfalz hat mit dem Aufbau von fünf flächig über das Land verteilten kommunalen Gesellschaften gezeigt, wie die Vermarktung von Holzmengen aus dem Kommunal- und Kleinprivatwald wirtschaftlich sinnvoll und gleichzeitig kartellrechtskonform geregelt werden könnte", sagte Bier. Zumindest müsse Baden-Württemberg jetzt den Aufbau privater Holzvermarktungsstrukturen gezielt fördern. Denn wer bei der Holzvermarktung vernünftige Preise erzielen wolle, der müsse in allen Sortimenten und Qualitäten nennenswerte Mengen anbieten können. Kern wies darauf hin, dass Baden-Württemberg ein Land der Kleinprivatwaldbesitzer ist. "Die allermeisten der 240 000 Waldbesitzer in Baden-Württemberg besitzen kleine Stücke mit weniger als zwei Hektar Fläche. Wenn die grün-schwarze Landesregierung, wie jetzt bei der Änderung des Landeswaldgesetzes, die bürokratischen Daumenschrauben überdreht, führt dies nicht zu einer besseren Waldpflege und mehr Nachhaltigkeit, sondern im Zweifelsfalle zu unnötiger Frustration bei den Waldbauern und zu einer zurückgehenden Holzmobilisierung auf Kosten des Klimaschutzes und der Wertschöpfung im ländlichen Raum", sagte Kern.

Für Jochen Bier und Timm Kern sei auch klar gewesen, dass auch weiterhin ausreichend Ausbildungsplätze verfügbar sein müssen. Solange nicht sicher geklärt sei, wie viele Lehrlinge in den kommenden Jahren im Kommunalwald in die Ausbildung gehen könnten, dürfe der Staatsforst nicht einfach pauschal Stellen kürzen.

Klarheit für Lehrlinge

Zum Thema Schäden durch Wildschweine stellte Jochen Bier fest, dass sich die Situation entspannt habe. Punktuell gebe es noch Probleme. Bei der Jagd auf Wildschweine gibt es keine Schonzeit mehr. Mehrere Parteien, auch die FDP, haben sich dafür eingesetzt. Für die Gesprächspartner sei ein gesunder Pragmatismus notwendig, der die Erfahrungen der vielen Forstwirte und Waldbesitzer einbezieht. Kern: "Sie sorgen seit Jahrhunderten dafür, dass der Schwarzwald eine weltweite Marke für nachhaltige Waldnutzung ist."