Freiburg

Mordprozess: Wie betrunken war Hussein K?

von Ralf Deckert

Freiburg - Nach dem Geständnis von Hussein K. im Prozess um den Mord an einer Studentin haben Zeugen das Wort. Es geht um die Frage, ob Alkohol getrunken wurde. Für das Urteil kann dies entscheidend sein.

Hussein K. hat in den Stunden vor dem Mord an der Medizinstudentin Maria L. (19) in einer Freiburger Schwulenbar eine 29-Jährige belästigt. K. sei "wahnsinnig aufdringlich" gewesen, sagte die Frau, die mit einer Freundin in der Gaststätte war, am Mittwoch vor Gericht. Der Mann habe sie "mit glasigen Blick, wie auf Drogen" angestarrt, immer wieder mit ihr reden und tanzen wollen und sei ihr dabei immer wieder viel zu nahe gekommen. Einmal habe sie das Gefühl gehabt, er habe sie begrapscht. Immer wieder habe sie den Mann abgewiesen, doch K. habe nicht aufgeben wollen: "Das war nicht normal."

Die 31-jährige Freundin der Zeugin bestätigte diese Aussage allerdings nur bedingt: Sie fand Hussein K. nicht über die Maßen auffällig. Er sei möglicherweise unter Drogeneinfluss gestanden, habe aber definitiv nicht volltrunken gewirkt, wie der Angeklagte selbst am Montag behauptet hatte. Sie habe sich in der Schwulenbar zwischen ihre Freundin und den Mann gestellt, da sie gemerkt habe, wie unangenehm er ihrer Freundin gewesen sei. "Aber das erlebt man ja oft."

Auch dem Inhaber und den beiden Barmännern der Bar fiel Hussein K. in den Stunden vor dem Mord an Maria L. unangenehm auf. Man habe junge arabisch aussehende Männer stets im Blick, sagte der Barbesitzer, da es in der Vergangenheit mit dieser Klientel verstärkt Ärger wegen Taschendiebstählen gegeben habe. Hussein K. habe "wie der Prototyp" eines Taschendiebs auf ihn gewirkt. Er habe den Eindruck gehabt, dass der junge Afghane nur so tue, als sei er betrunken.

Auch die beiden Barmänner berichteten, dass K. nicht betrunken gewesen sei, als er sich in der Tatnacht etwa zwei Stunden in der Schwulenbar aufhielt. Wie "ein Schmetterling von Blüte zu Blüte" sei der Angeklagte unterwegs gewesen, sagte einer der Zeugen. Als aggressiv habe er ihn nicht wahrgenommen, erklärte der durchtrainierte Türsteher und Barmann: "Sonst hätte ich ihn entsorgt."

Überwachungsvideo lässt an Darstellung des jungen Mannes Zweifel aufkommen

Hussein K. habe vielmehr auf ihn gewirkt, als wolle er sich von anderen Gästen einladen lassen, berichtete der Zeuge weiter. Dafür sei er auch mit Männern "auf Tuchfühlung" gegangen. Einem 54-jährigen Gast wollte K. offenbar für 50 Euro Sex in der Toilette der Kneipe anbieten. Dazu kam es aber nicht. Der Mann sagte aus, dass Hussein K. durchaus betrunken gewesen sein könnte, er selbst sei aber auch nicht nüchtern gewesen.

Eine weitere Frau aus der Schwulenbar berichtete dagegen, dass sie K. als nüchtern wahrgenommen und ihn nett gefunden habe. Angemacht habe er sie nicht, so die 32-jährige.

Für Staatsanwalt Eckart Berger legt zudem ein Überwachungsvideo aus der Bar eindeutig dar, dass Hussein K. weder betrunken durch die Gegend getorkelt noch zu Boden gefallen sei, als er tanzte. Dies hatte der Angeklagte in seiner Aussage am Montag behauptet.

Hussein K. wird vorgeworfen, in der Nacht zum 16. Oktober vergangenen Jahres in Freiburg die 19-jährige Studentin Maria L. vergewaltigt und ermordet zu haben. In seinem Geständnis am Montag sagte er, dass er bei der Tat bekifft und sehr betrunken gewesen sei. Außerdem behauptete er mehrfach, erst 19 Jahre alt zu sein. Altersgutachten zufolge ist der bereits mehrfach schwer straffällig gewordene Afghane jedoch mindestens 22 Jahre alt.

Der Prozess wird am 28. September fortgesetzt.