Freiburg

Mord an Joggerin: Täter war äußerst brutal

von Ralf Deckert

Freiburg - Ein Gerichtsmediziner bringt im Prozess gegen den mutmaßlichen Vergewaltiger einer Joggerin aus Endingen grausame Erkenntnisse ans Tageslicht. Auch der Arbeitgeber des Angeklagten sagte aus.

Im Mordprozess gegen den rumänischen Lkw-Fahrer Catalin C. (40) vor dem Freiburger Landgericht hat ein Gerichtsmediziner grausame Details der Tat anhand der Obduktionsergebnisse des Mordopfers rekonstruiert. Demnach wurde die 27 Jahre alte Carolin G. aus Endingen (Kreis Emmendingen) am 6. November 2016 durch mindestens sechs schwere Schläge auf den Kopf getötet: Tatwerkzeug war entweder ein Rohr, eine Stange oder eine Flasche.  Sie erlitt massive Kopfverletzungen und erstickte schließlich an ihrem Blut.

Außerdem fügte der geständige Angeklagte, der sich aber nur an einen einzigen, angeblich sofort tödlichen Schlag erinnern will, seinem Opfer Würgeverletzungen im Halsbereich und zahlreiche Blutergüsse am ganzen Körper zu. Den Zuhörern stockte bei den Schilderungen des Sachverständigen der Atem. Als eine Person aus dem Publikum im Gerichtssaal "perverses Dreckschwein" in Richtung des Angeklagten rief, wurde er nicht wie sonst in solchen Fällen üblich von der Richterin zur Ruhe ermahnt.

Klar ist: Laut Obduktionsergebnis war Carolin G. noch am Leben, als ihr Peiniger sie mit äußerster Brutalität  vergewaltigte. Ob sie während der Tat noch einmal das Bewusstsein erlangte, ist hingegen unklar. Der Todeskampf dauerte bis zu zehn Minuten. Zumindest zu Beginn des Verbrechens könnte sich die junge Frau noch gewehrt haben, so der Gerichtsmediziner.

Die Polizei lehnt den Massengentest ab

Der Vater der Toten, der als Nebenkläger im Gerichtssaal saß, konnte den Bericht über das Martyrium seiner Tochter nur mit Mühe und unter Tränen ertragen.
Auch der Arbeitgeber des Angeklagten sagte am Freitag vor Gericht aus: Er schilderte C. als überaus zuverlässigen Mitarbeiter, der immer pünktlich zur Arbeit erschienen sei.  C. sei auch im Kollegenkreis gut integriert gewesen. Dass er familiäre Probleme hatte und im Prinzip in seinem Lkw lebte habe man nicht gewusst.

Von den möglichen Alkoholproblemen des Mannes habe man ebenfalls nie etwas mitbekommen: Bei der Arbeit sei er immer nüchtern gewesen.  Auch vor und bei der Festnahme im Büro der Endinger Spedition habe der Rumäne sich ruhig verhalten. Man habe früh der Polizei angeboten, einen Massengentest im Betrieb durchführen zu lassen, das habe die Polizei aber abgelehnt mit der Begründung, dass dies zu der Zeit rechtlich nicht möglich gewesen sei.  Bis heute leide der Arbeitgeber unter den Folgen des Mordes, sein Unternehmen bekomme immer noch Drohbriefe: "Ich würde mir wünschen, dass das aufhört, wir können ja nichts dafür", erzählte der Mann.

Bekannt wurde im Prozess am Freitag zudem, dass mittlerweile ein Video aufgetaucht ist, auf welchem der Lkw zu sehen ist, mit dem C. im Januar 2014 unterwegs war: Damals soll er in Kufstein (Tirol) die 20 Jahre alte Studentin Lucile K. aus Frankreich ermordet haben. Das Video soll beweisen, dass er oder zumindest sein Lkw zur Tatzeit ganz in der Nähe des Tatorts waren.