Freiburg

Missbrauch: Erzbischof Burger erneuert Vorwürfe gegen Zollitsch

von Ral Deckert

Freiburg - Der Vorwurf ist nicht neu: Der ehemalige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) und frühere Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch (80) soll in seiner einstigen Tätigkeit als Personalreferent des Erzbistums Freiburg Mitwisser in einem jahrzehntelangen Missbrauchsskandal in der Ortenau gewesen sein. Nun hat Zollitschs Nachfolger, Erzbischof Stephan Burger (56) den Vorwurf gegenüber dem SWR erneuert: er könne heute als Erzbischof nicht rechtfertigen, was damals geschehen sei, so Burger gegenüber dem Sender. „Da wurden Dinge vertuscht“.

Im konkreten Fall geht es um einen Geistlichen, der in seiner Gemeinde Oberharmersbach  zwischen Ende 1968 und 1991 mindestens 60 Kinder und Jugendliche sexuell missbraucht haben soll.  Zollitsch hatte den Mann damals in seiner Rolle als Personalreferent des Bistums in den Ruhestand versetzt, nicht aber die Staatsanwaltschaft informiert. Zollitsch hatte in einem Interview mit der Frankfurter allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) bereits 2010 nach Bekanntwerden der Missbrauchsfälle in der Katholischen Kirche Fehler eingestanden und gesagt, dass die Kirche hätte „konsequenter vorgehen und mit größerem Nachdruck nach weiteren Opfern suchen und suchen lassen müssen.“ Es sei zudem falsch gewesen, aus Gründen des Opferschutzes nicht die Staatsanwaltschaft einzuschalten, so der Erzbischof damals. Außerdem habe man den suizidgefährdeten Pfarrer „nicht in den Tod treiben“ wollen.

Der Pfarrer beging 1995 dennoch Selbstmord, und der Fall wurde bis zuletzt nicht mehr weiter aufgearbeitet: Erst vor einigen Wochen hat Zollitschs Nachfolger Stephan Burger in Oberharmersbach in einer Predigt die Opfer um Verzeihung gebeten und seither das Gespräch mit ihnen gesucht. Dem SWR sagte Burger nun, dass dieses Angebot „dankbar aufgenommen“ worden sei von den Gläubigen in der Gemeinde.

Der heutige Pfarrer der Seelsorgeeinheit Zell am Harmersbach, Bonaventura Gerner, hat Zollitsch ebenfalls scharf kritisiert: im fraglichen Missbrauchsfall habe dieser sich „nicht gut verhalten“. Man müsse über Konsequenzen für Zollitsch nachdenken und sich fragen, ob dieser das Bistum noch immer nach außen vertreten dürfe.