Fastnacht

Wildpinkler und Alkoholexzesse ade?

von Dunja Smaoui

Oberndorf - Die Fasnet ist ein ganz besonderes Highlight, das viele ausgiebig und vor allem sorgenfrei genießen wollen. Nachrichten der vergangenen Wochen über Gewalt und Übergriffe bei Großveranstaltungen überschatten manche Feierlichkeit jedoch und hinterlassen Spuren. In unserer Region gehen die Veranstalter und Verantwortlichen unterschiedlich mit dem Thema Sicherheit um.

Verstärkte Polizeipräsenz, strenge Sicherheitskontrollen, ein Alkoholverbot: Das ist kein großes Thema in Horb. Denn gesonderte Enschränkungen gibt es in der Fasnetshochburg nicht. "Grundsätzlich muss jede Zunft ein Sicherheitskonzept vorlegen", sagt Christian Volk, Referent des Bürgermeisters der Stadt. "Doch das ist schon seit Jahren so." Verstärkte Sicherheitsmaßnahmen gäbe es für die Fasnet demnach nicht. "Wir machen immer einen gemeinsamen Termin mit dem DRK, der Polizei, Feuerwehr und Zünften", erklärt Volk. "Da weiß dann jeder, worauf er sich an den Tagen einstellen kann."

Um gegen die allseits bekannten "Wildpinkler" vorzugehen, gibt es in Horb keine konkreten Maßnahmen: "Die Narrenzünfte sorgen natürlich für ausreichende Toilettenwagen", sagt Volk. "Aber wie das eben ist: Es gibt immer Menschen, die sich nicht daran halten."

Stattdessen spielt das Thema Alkohol eine entscheidende Rolle. So hat die Stadt die Rottweiler Maßnahme zum Alkoholverbot aufgegriffen: In der ältesten Stadt Baden-Württembergs gilt an der Fasnet: Kein Alkohol für Menschen unter 25. Horb orientiert sich an diesem Modell, sodass einige Betriebe zustimmten, keine „harten alkoholischen Getränke an Personen unter 25 Jahre“ zu verkaufen. Das habe man bereits vor zwei Jahren schon eingeführt und sei erfolgreich, so Volk. Vier Betriebe werden daher auch an der diesjährigen Fasnet durch das freiwillige Alkoholverkaufs- und Alkoholausschankverbot am „Schmotzigen Donnerstag“ und am Fasnetsmontag keine harten alkoholischen Getränke – insbesondere keine Spirituosen und branntweinhaltigen Getränke – an Personen unter 25 Jahre verkaufen.

Gesunder Menschenverstand und Zivilcourage

Was man in Horb aufgegriffen hat, wird in der Gemeinde Schönwald belächelt: "Das hab ich ja noch nie gehört", sagt Christian Wörpel. Der Bürgermeister setzt auf den altbewährten "gesunden Menschenverstand" und Zivilcourage. "Wir machen das so wie immer", meint er und freut sich auf die die große Hexenparty am Freitag. "Klar bekommt man das mit, was in anderen Städten passiert", sagt der Bürgermeister. "Aber für unsere Gemeinde spielt das kein Thema." Im Gegenteil: Vereine, Feuerwehr und Polzei seien ein eingespieltes Team. Probleme habe es an der Fasnet nie gegeben. "Natürlich geht auch mal was kaputt", räumt er ein. "Oder zwei streiten sich mal um eine Frau. Aber Komplikationen sind mir nie zu Ohren gekommen." Wörpel verlasse sich auf die Bürger. "Jeder ist natürlich auch verantwortlich, dass man sich an Regeln hält und auf sich achtet", sagt er. Bei Handgreiflichkeiten schätze er besonders Zivilcourage. Aber in puncto Übergriffe mache sich der Bürgermeister keine Sorgen. "In Schönwald haben wir weder Flüchtlinge noch radikale Gruppen", sagt er.

Auch Rolf Buckenmaier vom Ordnungsamt in Hechingen sieht der Fasnet entspannt entgegen. "Wir stehen im ständigen Kontakt mit den Vereinen", sagt er. "Die bekommen dann die Richtlinien, insbesondere auch für die Wagen und daran halten sie sich." Die Übergriffe aus der Silvesternacht seien nie ein Thema bei den Fasnetsvorbereitungen gewesen. Im Gegenteil: In Hechingen halte man es wie gehabt.

Diskussionsbedarf beim Thema "Wildpinkler"

Strenger geht's in Rottweil zu: "Wir haben seit einigen Jahren die Aktion 'Alkohol erst ab 25 Jahre' gemeinsam mit dem Einzelhandel", erklärt Tobias Hermann, Pressesprecher der Stadt. "Das Alkoholverbot machen wir auch dieses Jahr wieder." Denn: Die Aktion habe sich bewährt. Involviert ist zudem das Kinder- und Jugendreferat, das sogar einen alkoholfreien Besen im Kapuziner anbietet. Diskussionsbedarf besteht in Rottweil stattdessen beim Thema "Wildpinkler". Neuraligische Stellen seien vor allem in der Waldtorstraße. "Wir machen immer Erfahrungen mit den sogenannten Wildpinklern", erklärt Hermann. Deswegen die Maßnahme: Zwei Toilettenwagen extra. Ob das etwas bringt? "Ordnungsamt und Polizei zeigen dieses Mal sowieso mehr Präsenz", so der Pressesprecher. Am Dienstagabend gibt es nochmal eine Besprechung zwischen Stadt und Polizei, in der aktuelle Fragen aufgegriffen werden. Hermann betont, dass die verstärkte Präsenz der Polizei weniger mit "den Übergriffen aus der Silvesternacht" zusammenhängt. "Das spielt zwar mit rein, aber unsere lokal diskutierten Themen sind andere."  Verschmutzung, Lärm, Traditions-Fasnet versus Party-Kultur. "Wir haben eine große Feierkultur, die natürlich eher auf 'remmidemmi' aus ist", sagt Hermann und lacht. Daneben stünden jedoch die alten, ehrwürdigen Wirtschaften, in der die tradtionelle Fasnet gefeiert werde. "Die Fasnet ist turbulent, das ist klar. Aber man muss versuchen beides unter einen Hut zu bekommen."

Eltern und die Süßigkeiten

Ein mulmiges Gefühl hat man derweil in Villingen-Schwenningen, weshalb die Stadt einen externen Berater für ein Sicherheitskonzept hinzugezogen hat. Geprüft werden sollen in diesem Jahr vor allem die Absperrgitter an den Straßen, sagt Pressesprecher Nicolas Lutterbach. Zudem schauen sich Mitarbeiter des örtlichen TÜV die Umzugswagen genau an und überprüfen deren Verkehrssicherheit. "Die meisten Narrenvereine ziehen mit, nur wenige betrachten die Abnahme als eine Schikane", sagt der Münchner TÜV-Sachverständige Philipp Schreiber. Die Überprüfung finde im Normalfall jedes Jahr statt.

Die ein oder andere Zunft macht sich indes über ein ganz anderes Thema Gedanken: Eltern und die Süßigkeiten. Zunftmeister Joachim Wöhrle von der Historischen Narrozunft in Villingen beobachte seit Jahren Szenen an den Straßenrändern, in denen Eltern ihre Kinder über die Absperrgitter heben, damit diese schneller an die Bonbons gelangen. "Für die Zugbegleiter ist das Stress pur", weiß auch Glonkivatter Günther Reichenberger.

Alkohol spielt oft eine Rolle

Hochkonjunktur in puncto Sicherheit herrscht auch in Donaueschingen. Vor allem Security-Firmen seien vermehrt im Einsatz. Das zentrale Thema ist dabei vor allem das Jugendschutzgesetz, an das sich alle Veranstalter halten müssen. Kadir Engin, Geschäftsleiter eines Hüfinger Security-Unternehmens, kennt viele Tricks der Jugendlichen, die nicht schon um Mitternacht nach Hause wollen. Laut Engin können viele Minderjährige ihr Maß nicht abschätzen, weshalb es auch beim Thema Alkohol immer wieder zu Einsätzen käme. Doch die jungen Narren seien nicht die einzigen, die zu tief ins Glas schauten: An der Fasnet trinke jeder gerne etwas mehr, so Engin.

Die Behörden anderer Städte in unserer Region waren bisher nicht zu erreichen. Doch wir bleiben dran!