Eutingen

Todesfall bei "Mobile Legenden": Keine Kritik am Sicherheitskonzept

von Florian Ganswind und Alexandra Feinler

Eutingen - Viele Eutinger zeigten sich einen Tag nach dem tödlichen Absturz eines Fallschirmspringers betroffen. Der Veranstalter von "Mobile Legenden" betont, dass es keine Probleme beim Sicherheitskonzept gegeben habe.

Die Veranstaltung "Mobile Legenden" hat sich in den vergangenen Jahren einen Namen in der Region und weit darüber hinaus gemacht. Oldtimer-Freunde aus ganz Baden-Württemberg kommen voller Begeisterung nach Eutingen. Für den Abbruch Der Veranstaltung nach dem tödlichen Absturz des 64-jährigen Fallschirmspringers aus Oberndorf-Hochmössingen (siehe auch Seite "Hintergrund") am Sonntagnachmittag zeigten allerdings die allermeisten Verständnis. "Wir waren dort, als es geschah. Alle waren schockiert und traurig. Es war richtig, die Veranstaltung zu beenden", schreibt eine Besucherin auf der Facebook-Seite "Schwarzwälder Bote Horb".

Obwohl das Ende der Veranstaltung größtenteils in ruhigen Bahnen verlief, zeigten sich einige Besucher verängstigt und beeilten sich, vom Gelände zu kommen. "Panikartige Szenen hat es aber nicht gegeben", erklärt Jürgen Wünsche, Geschäftsführer des Veranstalters MPS. Er sei sehr betroffen von dem schrecklichen Absturz des Fallschirmspringers. Das Unglück habe aber nichts mit der Organisation der Veranstaltung zu tun. "So ein schlimmes Ereignis kann leider immer wieder passieren", so Wünsche.

Das Sicherheitskonzept stehe und folge den strengen Vorgaben, die sich nach dem Loveparade-Unglück in Duisburg noch verschärft hätten.

Oldtimer-Eigentümer, die das Gelände nach dem Unglück verlassen haben, berichten von langen Warteschlangen. Auch wenn einige Fahrzeuge verbotener Weise an der Bundesstraße und in Feldern geparkt haben, war die Sicherheit zu keiner Zeit gefährdet, erklären die Organisatoren schon am Sonntag. Wünsche bestätigt das noch einmal: "Es ist klar, dass es zu einem Stau kommt, wenn alle gleichzeitig das Gelände verlassen wollen. Aber es gibt natürlich seperate Rettungswege, die nichts mit den Besucherwegen zu tun haben. Und bei einer Veranstaltung dieser Größenordnung muss beispielsweise die Feuerwehr mit einer gewissen Stärke vor Ort sein."

Im Vorfeld hatte Eutingens Bürgermeister Armin Jöchle nochmals alle Autofahrer aufgerufen, nicht entlang der Bundesstraße zu parken, sondern die ausgeschilderte Parkfläche aufzusuchen. Doch das half nichts. Ein Besucher aus Stuttgart erklärte: „"Ich hätte ja auf den Parkplätzen geparkt, aber ich hab die Ausschilderung nicht gesehen. Da blieb mir nichts anderes übrig, als auf einem Feldweg zu parken." Ein anderer Feldwegparker erklärte, dass er den Anfahrtsplan auf der Internetseite der Mobilen Legenden nicht verstanden habe und vor Ort die Parkplätze nicht gefunden habe. Trotzdem gelte das Verbot an der Bundesstraße zu parken, hatte Bürgermeister Jöchle immer wieder betont.

Hätte es ein größeres Unglück, beispielsweise auf dem Fluggelände gegeben, wären die Rettungskräfte auch trotz Falschparker durchgekommen, sagte Stefan Platz Bereitschaftsleiter des DRK Ortsvereins Eutingen. "Wir sind gut zum Unglücksort durchgekommen. Die Rettungswege wurden alle freigehalten, und nachdem das Unglück passiert war, sind wir über die Landebahn." Szenarien eines größeren Unglücks würden im Vorfeld "durchgespielt", so Wünsche. Es sei klar, dass bei so einer Veranstaltung dieser Größenordnung ein Restrisiko bestehe. "Aber das haben sie auch bei den Ritterspielen oder beim Konstanzer Seenachtsfest."

Auch sei es nicht nachteilig gewesen, dass die Veranstaltung auf den Sonntag reduziert worden sei, so Wünsche. Einige Besucher hatten dadurch den Eindruck, dass aufgrund der Streichung des Samstags zu viele Besucher gebündelt an einem Tag erschienen seien. "Die Besucherzahlen sind wohl ähnlich wie am Sonntag vor einem Jahr. Diese Vermutung bestätigt sich nicht", so Wünsche. Der Samstag habe sich nicht gerechnet, obwohl viele Menschen auf dem Gelände gewesen seien. Allerdings seien das hauptsächlich die Besitzer der Oldtimer gewesen, die freien Einlass haben.

Nur wenige haben laut Wünsche Unverständnis für den Abbruch gezeigt und Geld zurückgefordert. Man habe um Verständnis gebeten, dass man sich um dieses Thema aufgrund des Unglücks nicht kümmern könne. "Wir werden jetzt sehen, wie wir damit umgehen, wenn noch jemand kommt. Allerdings ist das bei solchen Veranstaltungen höhere Gewalt. Da gibt es keinen Anspruch auf Rückerstattung", so Wünsche.

Und wie sieht die Zukunft der Veranstaltung aus? Hat der tödliche Absturz negative Auswirkung auf die Entscheidung? MPS-Chef Jürgen Wünsche will so kurz nach diesen Geschehnissen noch nicht über dieses Thema sprechen. Klar ist, so Bürgermeister Armin Jöchle: Es gibt einen Vertrag über drei Jahre mit MPS, der noch ein weiteres Jahr gültig ist. Gerüchte, die auch schon vor dem Unglück auf dem Festivalgelände aufgetaucht sind, dass es die letzte Veranstaltung "Mobile Legenden" ist, entbehren deshalb bisher jeglicher Grundlage.

Kommentar: Ständiges Risiko

Von Florian Ganswind

So schrecklich der tödliche Absturz des Fallschirmspringers ist: Kritik an der Veranstaltung "Mobile Legenden" ist nach jetzigem Stand unangebracht. Für die Veranstaltung liegt ein umfangreiches Rettungskonzept vor. Ängstliche Reaktionen von Besuchern lassen sich wohl kaum verhindern. Und dass aufgrund des dramatischen Ereignisses die Eintrittsgeld-Thematik in den Hintergrund rückt, ist wohl selbstverständlich. Trotz jährlicher Stau- und Parkproblematik ist das Oldtimer-Festival ein Erfolgsprojekt, an dem viele Menschen der Gemeinde und Oldtimer-Freunde aus der Region mit viel Herzblut mitarbeiten. Besucher, besonders die Jüngeren, kommen mit Begeisterung auf das Gelände. Großveranstaltungen wie "Mobile Legenden" sind immer in gewisser Weise risikobehaftet. Es wäre bedauerlich, wenn wir auf solche Veranstaltungen deshalb verzichten müssten.