Empfingen

Schilder führen Verkehr in die Irre

von Daniel Begemann

Kaum sind in Empfingen die B 463 und die Autobahnanschlussstelle wegen Sanierungsarbeiten gesperrt, bricht im Ort ein mittleres Verkehrschaos aus. Doch das beherzte Eingreifen eines Sulzers verhindert weitere Irrfahrten. Derweilen sieht sich das Rathaus mit etlichen Beschwerden konfrontiert.

Empfingen. Eigentlich wollte Hilmar Götze aus dem Sulzer Teilort Renfrizhausen nur nach Empfingen zum Einkaufen fahren. Doch dabei begegneten ihm im wahrsten Sinne des Wortes Hindernisse. Er hatte sich für seine Fahrt nach Empfingen die Mittagszeit am Dienstag ausgesucht. Die Straßensperren für die Sanierung der B 463, der L 410 und des Autobahnanschlusses waren gerade aufstellt worden. Im Gespräch mit unserer Zeitung erzählt er: "Das Chaos ging gleich los." Was Auto- und Lkw-Fahrer verwirrte: Mindestens ein Schild soll falsch aufgestellt gewesen sein und schickte die Verkehrsteilnehmer in die Irre. Das wollte Götze so nicht stehen lassen. Er habe gleich versucht, mit Baumitarbeitern zu sprechen und sie auf das Problem hinzuweisen, zunächst ohne Erfolg. Dann habe er mit dem Bauhof gesprochen. Doch auch das hilft nicht weiter. Denn für die Sanierung ist nicht die Gemeinde, sondern das Regierungspräsidium zuständig. Schließlich hat er Erfolg mit seinem Bemühen. Wie er erzählt, habe er schließlich Mitarbeiter der mit der Beschilderung beauftragten Firma dazu überreden können, sich das falsch aufgestellte Schild vor der Metzgerei einmal anzusehen. Daraufhin hätten sie das Schild umgestellt.

Am Tag Zwei der Baustelle ist das Chaos zwar nicht mehr ganz so groß, doch immer wieder bleiben Autofahrer vor der großen Absperrung auf Höhe von Reichenhalden ratlos stehen. Ist die Beschriftung der Straßensperren uneindeutig? Auf den Schildern in der Ortsmitte ist zu lesen: "L 410 ab Einmündung Robert-Bosch-Straße bis AS Empfingen gesperrt. Frei bis Gewerbegebiete Alte Kaserne, Tälesee-Halle, Hotel Empfinger Hof". In der Ankündigung des Regierungspräsidiums hatte es wesentlich deutlicher geheißen: "Es wird zunächst die B 463 zwischen der Einmündung ›Im Auchert‹ und der Einmündung Preußenstraße für den Verkehr gesperrt." Möglich, dass mancher Autofahrer auch nur vom Rechtschreibfehler und fehlender Kommasetzung auf der Tafel verwirrt genug war, um zu denken, bis in die Robert-Bosch-Straße fahren zu können.

Außerdem fragwürdig: An den Einfahrten in das Wohngebiet Reichenhalden und in das Industriegebiet Auchtert stehen nun mehrere Baustellenampeln, die den kaum vorhandenen Verkehr regeln sollen. "Viele Autofahrer ignorieren diese Ampeln aber einfach", sagt ein Anwohner unserer Zeitung.

Die Großbaustelle versetzt das gesamte Gebiet um das Autobahnkreuz in einen frühsommerlichen Tiefschlaf. Da die Einfahrt in die Robert-Bosch-Straße von der Ortsmitte her kommend nicht mehr möglich ist, ist nun auch an der Shell-Tankstelle auf dem Lkw-Parkplatz genügend Freiraum. Die Tankstelle hat weiterhin geöffnet, das anliegende Fast-Food-Restaurant schließt für vier Wochen. Möglicherweise bekommt auch der Einzelhandel die Großbaustelle zu spüren. Auf den Parkplätzen der Supermärkte im Gebiet Autobahnkreuz sind auffällig wenige Autos zu sehen.

Während rund um das stillgelegte Autobahnkreuz Ruhe herrscht, scheint Empfingens Bürgermeister keine Ruhe mehr vor Anfragen seitens der Bürger zum Schilderwahnsinn im Ort zu haben. Auf dem Facebook-Auftritt der Gemeinde schreibt Truffner: "Die Gemeinde Empfingen ist ein wenig irritiert: Nach nur einem Tag der Sperrung kommen schon kritische Mails bezüglich Umleitung und Sperrungen zur Autobahnauffahrt zu uns ins Rathaus. Deshalb eine kurze Klarstellung: Bauherr ist das Regierungspräsidium Karlsruhe, nicht die Gemeinde Empfingen. Wir leiten etwaige Beschwerden umgehend weiter, können diese aber nicht abschließend bearbeiten. Wir erhalten ständig Beschwerden über den Straßenzustand rund um Empfingen. Wird nichts getan, beschwert man sich. Wird gebaut, beschwert man sich über die Umleitungen. Wir bitten um Verständnis, dass es bei Baustellen auch zu Behinderungen kommt. Es wird versucht, die Baumaßnahme schnellstmöglich abzuarbeiten. Wir danken den Anwohnern und bitten alle Verkehrsteilnehmer um Rücksicht. Wir werden an mehreren Stellen der Umleitung mobile Blitzer einsetzen – also Fuß vom Gas!"