Empfingen

Kantinengespräch als Theaterstück

von Schwarzwälder Bote

Eine riesige Brezel, eine große weiße Stoffbahn, neue Lieder, ein Theaterstück, eine Themenpredigt und ein Mittagessen waren Bausteine des "Gemeinsam-feiern"-Gottesdienstes. Gut 100 Gottesdienstbesucher feierten im evangelischen Gemeindehaus in Empfingen mit.

Empfingen. Seit vorigem Jahr gibt es in den drei evangelischen Kirchengemeinden Empfingen, Mühlheim und Renfrizhausen solche Gottesdienste, die man ganz bewusst gemeinsam feiert. Dass es dabei die Ortsgrenzen zu überwinden gilt, war am Sonntag scheinbar kein Thema. Besucher aus allen Gemeinden waren dabei. Und machten mit – gleich am Anfang. "Wenn das Motto ›Mehr reden‹ heißt, dann lassen Sie uns das tun", begrüße Pfarrer Christoph Gruber. Er fragte: "Wer hat dich auf deinem Lebens- und Glaubensweg begleitet? Wo wurde da von Gott und Glauben gesprochen?" Die Gottesdienstbesucher drehten sich einander zu und erzählten. Von Lehrern, den Großeltern und manch anderen wichtigen Personen. Das Eis war gebrochen.

Neue Lieder

Die neueren, allesamt zum Thema passenden Lieder waren kein Problem, denn die Vitamin-C-Band begleitete und unterstützte das Singen. Das Team, das die Gottesdienste vorbereitet, hatte sich extra für den Gottesdienst ein Theaterstück schreiben lassen, ein Kantinengespräch beim Mittagessen. Darin waren knapp 20 Schlagworte untergebracht, die in Glaubensgesprächen oft zu hören sind, wie: "Wir glauben alle doch an den selben Gott, ich brauche keine Kirche, Hauptsache gesund, ich glaube nur was ich sehe."

Daran knüpfte Pfarrer Gruber in seiner Predigt an. Jeder Satz, den Menschen sagen, stünde im Interesse eines Anliegens. Er verglich diese Schlagworte mit einem Zipfel. Zupfte sinnbildlich einen solchen aus dem Ärmel. Wenn man hinter die Oberfläche blicke und an diesen Zipfeln ziehen könnte, "wer weiß, was alles zum Vorschein kommt". Die erstaunten Besucher sahen, wie der Pfarrer ein riesiges Stoffbanner aus dem Ärmel zog. "Es könnte sein, dass sich hinter solchen Zipfelworten ganze Lebensgeschichten verstecken", so Gruber. Der zog Parallelen zur Geschichte des Zöllners Zachäus aus der Bibel. Jesus sei nie lange an der Oberfläche geblieben. "Oberflächliche gibt es in unserer Zeit schon genug, da braucht es uns Christen nicht auch noch", spitzte der Pfarrer zu. Für das Gespräch über den Glauben müsse man nur zwei Geschichten kennen. "Meine und seine", so Gruber, der sich zum Kreuz wandte und darauf zeigte.

Drei Tipps

Drei Tipps, abgeleitet aus dem Verhalten der ersten Christen aus dem neuen Testament gab Gruber weiter: "Persönlich reden, ehrlich reden und liebevoll reden", das seien Grundlagen und die angemessene Form für Glaubensgespräche.

Um das Thema "vom Glauben reden" geht es in den drei Kirchengemeinden im Moment bei einem Kursangebot, in das sich auch dieser Gottesdienst einreihte.

Viele waren wieder an der Gottesdienstgestaltung beteiligt, so entspricht das der Grundidee. Erstmals gab es einen besonderen Raum für Familien mit kleineren Kindern. Parallel zum Gottesdienst wurde das Mittagessen vorbereitet. Zum einfachen, aber leckeren Spaghetti-mit-Tomatensoße-Essen blieben 65 Personen. Das Mittagessen wie der Stehkaffee vor dem Gottesdienst ist Konzept. Überraschungen sind aber nicht ausgeschlossen, wie die passend zum Thema "mehr reden" gebackene Riesenbrezel. Bäckermeister Reinhard Ganter von der Bäckerei Walz hatte sie spontan mitgebracht. "So gefallen mir die Gottesdienste", sagte er bei der Übergabe. Übrigens nicht nur seine Meinung. Beim Mittagessen umgehört, war das oft zu hören.