Eishockey

Wild Wings verlieren 3:5 in Berlin

von Gunter Wiedemann

Eisbären Berlin – Schwenninger Wild Wings 5:3 (2:3, 1:0, 2:0). DEL-Schlusslicht Schwenningen kann auch mit Interimscoach Jürgen Rumrich nicht gewinnen. In Berlin setzte es am Sonntag eine 3:5-Niederlage – und dies trotz einer guten Leistung. Es war im neunten Auswärtsspiel die neunte Pleite.

Verbessertes Zweikampfverhalten, zwei Powerplay-Tore und ein Chancenplus, doch am Ende jubelten die Eisbären. "Das bringt alles nichts, wenn wir nicht punkten. Wir brauchen Erfolgserlebnisse, egal wie", ärgerte sich Rumrich nach der Partie bei dezimierten Eisbären. Dieser verzichtete auf Kyle Sonnenburg. Nicht im Kader standen zudem Markus Poukkula und Kai Herpich.

Als ein sichtlich unzufriedener Rumrich nach dem 0:2-Rückstand – Florian Kettemer (8.) und Daniel Fischbuch (9.) hatten getroffen – eine frühe Auszeit nahm ("Ich wollte den Lauf der Eisbären unterbinden"), sprach wenig für den Tabellenletzten aus Schwenningen. Doch ausgerechnet in Überzahl – bisher eine große Schwäche – kamen die Wild Wings zurück. Innerhalb von 27 Sekunden sorgten Istvan Bartalis und Marcel Kurth in der zwölften Minute für den Ausgleich. Als dann Anthony Rech (18.) die Scheibe unter die Latte schlenzte, hatten die defensivstarken Schwenninger, die nur sechs Torschüsse der Eisbären in den ersten 20 Minuten zuließen und selbst 15-mal auf das Gehäuse zielten, das Spiel erst einmal gedreht.

Auch nach dem zweiten Drittel lagen die weiter konzentrierten, engagierten und disziplinierten Wild Wings nach Torschüssen (24:19) vorne, doch ein Versuch der Berliner war im Netz gelandet. Brendan Ranford (31.) hatte Dustin Strahlmeier überwunden. Auf der anderen Seite vergaben Mirko Höfflin (39.) und Co. gute Chancen.

Vor dem Schlussabschnitt machte Verteidiger Benedikt Brückner "Aufbruchstimmung" aus. Und der Verteidiger ging voran, hämmerte den Puck (42.) in die Maschen. Doch Stefano Giliati hatte zuvor angeblich Eisbären-Goalie Kevin Poulin behindert. Die Pechsträhne setzte sich fort: Fischbuch (44.) brachte Berlin mit 4:3 in Führung, zuletzt war wohl ein Schwenninger Schlittschuh an der Scheibe.

Bringen Scherben den Wild Wings Glück? Dies hoffte Rumrich, als Frank Hördler eine Scheibe mit einem "Mörder-Blueliner" zertrümmert hatte. Schwenningen versuchte in der Schlussphase auf jeden Fall noch einmal alles, erspielte sich durch Jussi Timonen (53.) und Mirko Sacher (54.) gute Möglichkeiten, doch trotz 43 Torschüssen und einer guten Leistung war der Traum von den ersten Auswärtspunkten vorbei, als Louis-Marc Aubry (59.) für Berlin zum 5:3 traf.

Und wie geht es weiter? "Wir versuchen natürlich, bis zum nächsten Spiel nach der Deutschland-Cup-Pause einen neuen Trainer zu präsentieren. Garantieren kann ich dies aber nicht", wird sich Jürgen Rumrich nach einer "intensiven Woche" nun ganz auf die zahlreichen Bewerbungen konzentrieren.

Tore: 1:0 Kettemer (7:35), 2:0 Fischbuch (8:37), 2:1 Bartalis (11:03, 3:5), 2:2 Kurth (11:30, 4:5), 2:3 Rech (17:16), 3:3 Ranford (30:07), 4:3 Fischbuch (43:24), 5:3 Aubry (58:28).

Strafminuten: Eisbären 4 – Wild Wings 6.

Schiedsrichter: Kristian Vikman (Finnland), Daniel Piechaczek (Landsberg).

Zuschauer: 11 969.

Wild Wings Geflüster

Große Proteststimmung

Der Trainerwechsel brachte bei den Wild Wings im Spiel 1 nach Pat Cortina nicht den von den Verantwortlichen gewünschten neuen Impuls. Die Heimpartie gegen Straubing ging am Freitag nach einer erneut schwachen Leistung mit 2:5 verloren. Das Spiel wurde dazu von einer großen Proteststimmung der Schwenninger Fans begleitet, die sich mit Cortinas Entlassung und der Personal-Politik rund um die Mannschaft nicht einverstanden zeigen. Rund 150 Anhänger waren in den ersten acht Minuten erst einmal draußen geblieben – viele Fans verweigerten weiter zunächst den Support – unterstützten das Team erst in der Schlussphase.

"Einfache Gegentore"

Schwenningens Interimstrainer und Manager Jürgen Rumrich hatte für die 14. Saisonniederlage des Teams zwei Begründungen: "Wir haben im ersten Drittel nervös agiert und insgesamt zu einfache Gegentore bekommen." Klar war, dass Rumrich und Petteri Väkiparta – dem zweiten Interimscoach – nach Cortinas Demission auch bis zum Freitag-Spiel die Zeit fehlte, um gravierende spieltaktische Änderungen vorzunehmen. Das erste Ziel – schneller als bisher von Defensive auf Offensive umzuschalten – war zumindest in Ansätzen leicht zu erkennen.

Der letzte Tropfen

Für Verteidiger Dominik Bittner war die Entlassung von Pat Cortina "für uns der letzte Tropfen auf den heißen Stein, um endlich zu erkennen, wie ernst die Lage ist". Ob dies zuvor noch nicht alle aus dem Team begriffen hätten? Bittner, der am Freitag seinen ersten Treffer für die Wild Wings erzielte, wollte diese Frage nicht verneinen. "Jeder muss wieder hundertprozentig seinen Job erfolgreich machen."