Eishockey

Wild Wings: Thompson traut Team "Wunder" zu

von Gunter Wiedemann und Michael Bundesmann

Schaffen die Wild Wings in der DEL die Wende und greifen noch nach der (Pre) Play-off-Teilnahme – oder werden sie in der Crunchtime der Saison ab März 2019 nur Zuschauer sein? 13 richtungsweisende Spiele liegen vor den Schwenningern in den kommenden vier Wochen. Coach Paul Thompson traut seinem Team dieses "Wunder" zu, sieht aber auch noch einige "Baustellen".

Herr Thompson, wie lief der erste Arbeitstag nach Ihrem ersten Null-Punkte-Wochenende in Schwenningen?

Wir haben am Dienstagvormittag zunächst in einem großen Meeting eine Zwischenbilanz meiner ersten sieben Spiele gezogen. In diesem ging es um die Fragen: Wo stehen wir? Wo wollen wir hin? Wir haben zunächst über das Positive gesprochen, das wir uns erarbeitet haben. Ob im Powerplay oder in der Bully-Statistik – wir sind überall um einige Prozentpunkte besser geworden. Wir bewegen uns in die richtige Richtung, aber wir brauchen jetzt auch einen großen Push. Ich habe den Spielern gesagt, dass sie weiter lernen müssen. Es passieren Fehler, aber sie müssen daraus Konsequenzen ziehen. Bis zum vergangenen Wochenende sind wir in der Defensive sehr gut gestanden. Gegen Iserlohn und Ingolstadt haben wir neun Gegentore bekommen. Aber dies lag nicht daran, dass wir zu offensiv waren, sondern viel mehr an der Tatsache, dass wir zum Beispiel im letzten Drittel gegen Ingolstadt falsche Entscheidungen getroffen haben. Ich war sehr enttäuscht nach diesem Spiel, weil wir die Chancen hatten, zu gewinnen. Aber wir haben leichtfertig die entscheidenden Gegentore bekommen. Nach dem Meeting haben wir all die Dinge, die wir angesprochen hatten, dann in der Praxis auf dem Eis durchgearbeitet.

Sie haben mit Vili Sopanen einen neuen Stürmer bekommen. Was erwarten Sie von ihm?

Ich bin von seiner Qualität überzeugt und ich hoffe, dass wir sehr von ihm profitieren. Er kann uns mit seiner Erfahrung – gerade im Überzahlspiel – weiterhelfen. Vili hat eine gute Spielübersicht vor dem gegnerischen Tor. Ich freue mich sehr, dass dieser Transfer geklappt hat. Aber ich hoffe auch, dass unsere verletzten Spieler bald zurückkehren. Bei Dominik Bohac könnte dies am Sonntag schon der Fall sein. Mit Kalle Kaijomaa, der auch sehr wichtig für die Mannschaft ist, rechne ich in zwei Wochen – mit Markus Poukkula Ende diesen Monats. Wenn diese Spieler zurückkommen, wird der interne Konkurrenzdruck auch bei unseren Kontingentspielern größer, was insgesamt wichtig wäre. Derzeit stellen sich diese ja aufgrund der Verletzten automatisch auf. Dies ist bei den deutschen Spielern anders. Ein großes Vorbild ist übrigens Simon Danner. Jetzt verteidigt er und gibt immer alles. Er zeigt, dass er ein echter Kapitän und Führungsspieler ist. Er stellt sich absolut in den Dienst der Mannschaft und geht voran. Mit Boaz Bassen haben wir einen talentierten Spieler bekommen, der sehr hart arbeitet. Er hat eine gute Zukunft, aber wir müssen bei ihm Schritt für Schritt denken. Es zählt nicht, jeden Spieler bei uns glücklich zu machen, sondern ganz allein im Sinne der Mannschaft die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Es gibt aber auch Spieler – wie Philip McRae – die bisher nicht die Erwartungen erfüllen konnten. Oder?

Ich werde öffentlich aus Respekt nie einen einzelnen Spieler kritisieren, aber intern spreche ich die Dinge zu 100 Prozent klar an. Bei Philip glaube ich, dass er einfach auch einmal ein persönliches Erfolgserlebnis braucht, um mehr Schwung zu bekommen. Aber ich habe allen Spielern gesagt, dass sich jeder weiter deutlich steigern muss, wenn wir unsere Ziele erreichen wollen.

Vor Ihrer Mannschaft liegen vier richtungsweisende Wochen mit 13 Spielen. Wir groß sind noch die Chancen, die Play-offs zu erreichen?

Wir alle wollen in die Play-offs, aber es ist natürlich eine schwierige Aufgabe. Wir können in den kommenden vier Wochen viel gewinnen – aber auch viel verlieren. Jedes Spiel ist ein Endspiel für uns. Wir brauchen sicherlich ein Wunder, aber ich glaube an dieses Wunder. Die Jungs müssen in jedem Spiel viel Verantwortung übernehmen. Auf ihnen lastet immer ein großer Druck. Wir dürfen uns auch nicht darum kümmern, was die Mannschaften, die um uns herum in der Tabelle stehen, machen, sondern wir müssen uns ganz allein auf uns fokussieren.

Wie gefällt Ihnen Ihre neue Umgebung privat?

Leider habe ich noch nicht so viel gesehen, weil meine Tage vollgepackt sind. Aber es ist wunderschön hier, die Menschen sind sehr nett. Ich habe mir am Montag einmal die Villinger Innenstadt angeschaut und bin begeistert.

Sehen Sie Ihre Familie zum Weihnachtsfest wieder?

Ja, sie besucht mich dann in Bad Dürrheim, wo ich wohne. Allerdings werden wir das Fest – nicht wie traditionell in England am ersten Weihnachtsfeiertag – mit einem deutschen Essen bereits am 24. Dezember feiern, weil es dann am 25. Dezember mit dem Training wieder weitergeht. (lacht) Meine Familie ist über diese Änderung ganz schön überrascht.

Und Ihre drei sportlichen Weihnachtswünsche?

Am besten in jedem Spiel drei Punkte für uns und natürlich viel Glück und Gesundheit für alle Menschen.