Eishockey

Wild Wings: "Rom wurde nicht an einem Tag gebaut"

von Gunter Wiedemann und Michael Bundesmann

"Eigentlich bin ich diese Temperaturen und den vielen Regen ja aus England gewöhnt. Doch bei uns in Birmingham war zuletzt das Wetter echt gut", ist der kalte Mai aber nicht der Grund, weshalb sich Paul Thompson am Mittwochabend wieder von Schwenningen zurück auf die Insel aufmachte. Klar, dort wartet auch die Garage, die unbedingt gestrichen werden muss. "Ich muss noch viele Punkte abhaken, die mir meine Frau auf die Liste gesetzt hat", sagt der Coach der Wild Wings in seinem Büro in den Katakomben der Helios-Arena und lacht. Doch auch beim Anstreichen und Co. wird der Brite nur einen Gedanken haben. "Hockey, Hockey, Hockey!"

Herr Thompson, gleich stehen für Sie noch Gespräche mit einigen Neuzugängen an, dann geht es zum Stuttgarter Flughafen.

So ist es. Für mich ist es sehr wichtig, dass ich zu diesem Zeitpunkt mit den neuen Spielern, die schon in Schwenningen sind, Einzelgespräche führe. Es sind ja fast alle deutschen Neuen hier. Diese trainieren schon hart, machen für mich in Sachen Fitness einen sehr guten Eindruck. Da haben Athletiktrainer Hendrik Kolbert und Co. bisher echt einen hervorragenden Job gemacht.

Was stand noch in den vergangenen Tagen auf Ihrem Programm?

Natürlich haben Jürgen (Manager Jürgen Rumrich, Anm. d. Red.) und ich intensiv die neue Saison vorbereitet, vor allem ging es dabei um die Vorbereitung.

Es wird Ihre erste mit den Wild Wings sein. Was haben Sie vor?

Ich kann den Spielern jetzt schon versprechen, dass die Vorbereitung hart und intensiv wird. Es wird in der Regel zwei Eiseinheiten pro Tag geben. Wichtig wird natürlich sein, dass sich die vielen neuen Spieler schnell integrieren, sich an die Spielsysteme gewöhnen.

Sie sprechen den Umbruch an. Was für Wild Wings dürfen die Fans in der DEL-Saison 2019/20 erwarten?

(lacht) Hoffentlich sehr erfolgreiche. Wir wollen die Fans wieder begeistern, was uns in der vergangenen Runde viel zu selten gelungen ist. Wir sind durch die Neuzugänge im Vergleich zur Vorsaison sicherlich physisch stärker geworden, auch etwas erfahrener. Wichtig ist aber, dass wir nichts von unserem Tempo, also den läuferischen Fähigkeiten, verlieren. Das war ja eine unserer Stärken. Von großer Bedeutung ist, dass sich die neuen Spieler schnell mit dem Eishockey-Standort Schwenningen identifizieren. Aber da bin ich zuversichtlich, da wir die Neuzugänge auch in dieser Hinsicht ausgesucht haben. Sie wollen mit den Wild Wings Erfolge feiern, sind heiß auf Schwenningen. Die Anhänger dürfen also Härte, Tempo und Leidenschaft für die Wild Wings erwarten.

Wobei sich das Team erst einmal finden muss.

Natürlich. Dies ist ein Prozess. Wir wissen natürlich, dass wir etwas Geduld mit dem neuen Kader brauchen. Ein guter Saisonstart wäre sehr wünschenswert. Aber es kann schon noch etwas dauern, bis alle Rädchen ineinandergreifen. Rom wurde bekanntlich auch nicht an einem Tag gebaut.

Dies gilt auch für die neue Hierarchie.

Ja. Ich denke aber, dass wir viele Spieler mit Führungsqualitäten im Kader für die neue Runde haben. Und dabei denke ich nicht nur an unsere ausländischen Cracks.

Was macht für Sie denn einen Führungsspieler aus?

Dafür gibt es sicherlich mehrere Faktoren. Ein solcher Spieler muss auf und neben dem Eis vorangehen können. Es gibt Spieler, die stellen ihre Führungsqualität bei jedem Training und bei jeder Athletikeinheit unter Beweis. Diese sind also in Sachen Einstellung echte Vorbilder. Andere sind echte Identifikationsfiguren. Und dies sind nur zwei Beispiele. Wichtig ist, dass in Sachen Fähigkeiten die Balance stimmt. Klar ist aber, dass sich auch in Sachen Führungsspieler bei uns alles entwickeln muss. Aber von den Typen her haben wir viele, welche diese Rolle ausüben können. Und darunter sind eben auch deutsche Spieler.

Apropos Spieler. Ein Stürmer wird ja noch gesucht.

Ja. Ich wünsche mir, dass wir noch einen echten Spielmacher finden, der also sehr kreativ ist. Dies wäre sehr wichtig. Ich bin da aber sehr optimistisch. Jürgen macht da einen sehr guten Job.

Und was war bisher aus Ihrer Sicht der "Königstransfer"?

Natürlich sind alle Verpflichtungen wichtig. Aber ich freue mich riesig, dass es uns gelungen ist, Mark Fraser von den Wild Wings zu überzeugen. So ein Verteidigungstyp hat uns noch gefehlt. Und dazu bringt Mark die Erfahrung von mehr als 200 NHL-Spielen mit. In der Offensive haben wir auch Spieler geholt, die sehr torgefährlich sind. So zum Beispiel Jamie MacQueen. Ich bin also sehr zufrieden mit unserer Kaderzusammenstellung.

Apropos zufrieden. Wie haben Sie denn den Klassenerhalt Großbritanniens bei der Eishockey-WM gefeiert?

Da ich seit vier Wochen keinen Alkohol getrunken habe und das deutsche Bier im Vergleich zum englischen einfach besser ist, mit einem Bier in Schwenningen. Und dieses hat sehr gut geschmeckt.

Mit Peter Russel hat nun auch Freiburg einen englischen Trainer. Startet nun die "englische Eishockey-Invasion" in der DEL und in der DEL2?

(lacht) Peter ist ein sehr guter Freund von mir, aber er ist Schotte! Dazu kommt noch Corey Neilson, der die Lausitzer Füchse trainiert. Dies zeigt auf jeden Fall, dass das britische Eishockey auf einem guten Weg ist, wie nun ja auch die WM zeigt.

Wann kommen Sie denn zurück nach Schwenningen?

Wohl erst im Juli wieder.

Und ab wann brauchen Sie ein Visa für die Einreise von Großbritannien nach Deutschland?

Ich hoffe nie, ein Brexit würde viele Dinge verkomplizieren. Aber natürlich weiß ich nicht, was in dieser Hinsicht passieren wird.  

Die Fragen stellten Gunter Wiedemann und Michael Bundesmann