Eishockey

"Höchste Zeit, dass es wieder aufs Eis geht"

von Gunter Wiedemann und Michael Bundesmann

Wild-Wings-Verteidiger Mirko Sacher (27) wird in der kommenden DEL-Runde der dienstälteste Spieler bei den Schwenningern sein. Er geht für die Neckarstädter in seine siebte Saison. Von 2011 bis 2015 spielte er erstmals für Schwenningen. Dann folgte ein zweijähriges Gastspiel in Dresden, ehe er 2017 an den Neckarursprung zurückkehrte. "Ich möchte noch mehr Verantwortung übernehmen", blickt Mirko Sacher voraus. Wir besuchten ihn nach einer schweißtreibenden Vormittagseinheit mit der "Schwenninger Sommergruppe" im Kraftraum der Helios-Arena.

Herr Sacher, seit Mitte April bereiten Sie sich intensiv auf die neue Saison vor. Wie fühlen Sie sich gerade?

(lacht). Gut, aber manchmal auch müde. Die täglichen Trainingseinheiten hauen natürlich rein. Wir alle freuen uns, dass das Sommertraining mit den Leistungstests bei unserem Athletik-Coach Hendrik Kolbert in der kommenden Woche abgeschlossen wird. Es wird höchste Zeit, dass es wieder aufs Eis geht. Hervorragend war der Zusammenhalt in unserer Gruppe. Jeder hat den anderen motiviert, denn jeder von uns machte auch einmal mentale Tiefs durch.

Ist Ihre in der Endphase der vergangenen Saison zugezogene Handverletzung wieder vollständig auskuriert?

Ja, es ist alles wieder in Ordnung. Im sechstletzten Saisonspiel hatte ich mir eine Mittelhandfraktur zugezogen, die operiert wurde. Ich konnte bis Anfang April konditionsmäßig nicht so viel machen. Dann lief das Training aber für mich ohne Probleme. Eine tolle Unterbrechung war mein Urlaub auf Mauritius. Ich habe schon einiges von der Welt gesehen, aber Mauritius war mit seinen tollen Stränden und seiner Natur schon sehr eindrucksvoll.

Hat sich im Ablauf des Vorbereitungstrainings – im Vergleich zu den Vorjahren – etwas verändert?

Unterteilt wird ja unser Programm in vier Phasen. Bei der Phase drei haben wir in Sachen Schnelligkeitsausdauer und Schnellkraft mehr als in den vergangenen Jahren gemacht. Es war richtig knackig. An den jeweiligen Nachmittagen danach war man einfach nur froh, die Füße hochlegen zu können.

Was ist es für ein Gefühl, in der neuen Saison der dienstälteste Spieler im Schwenninger Kader zu sein?

Es ist komisch. Vor wenigen Tagen ist mir dies erst eingefallen. Natürlich möchte ich noch mehr Verantwortung in der Mannschaft übernehmen und auch den jungen Spielern helfen.

Was bedeutet Ihnen Schwenningen als gebürtigem Freiburger?

Sehr viel, weil ich mich sportlich wie privat hier sehr wohlfühle. Es passt alles für mich. In einer Großstadt zu leben, wäre sicherlich um einiges hektischer.

Wie haben Sie die zuletzt sehr enttäuschende Saison der Wild Wings persönlich erlebt?

Ich bleibe dabei, dass unsere Mannschaft eigentlich besser war, als es die Tabelle aussagte. Wir hatten auch viel Verletzungspech. Dennoch – der Umbruch in unserem Kader musste jetzt auch sein.

Sie sprechen es schon an: Das Gesicht des Teams hat sich im Hinblick auf die kommende Runde gravierend verändert. Was sind nun Ihre Erwartungen?

Natürlich bin ich sehr zuversichtlich, dass sportlich vieles besser als im vergangenen Jahr läuft. Von der Papierform her verspricht unser Kader einiges. Es sind sehr gute Spieler zu uns gestoßen. Ich hoffe in erster Linie, dass sich unser Team in der Vorbereitungszeit schnell findet. Dies wird ein entscheidender Faktor für den Saisonbeginn sein. Es gibt Spieler, die sich sehr schnell in eine neue Mannschaft integrieren – es gibt aber auch Spieler, die etwas länger brauchen. Wir werden es sehen. Auf jeden Fall freue ich mich sehr auf unser neues Team.

Was exakt wollen Sie in Ihrem Spiel verbessern?

Hier sehe ich an erster Stelle mein Defensivverhalten. Ich muss – gerade in den Situationen vor dem eigenen Tor – noch präsenter werden. Insgesamt war dies auch eines unserer Probleme in der vergangenen Saison. Vor Dustin Strahlmeier hätten wir in einigen Spielen in unserem Drittel aggressiver agieren müssen. Aber auch in der Verteidigung bekommen wir nun Verstärkungen, die für diese Eigenschaften stehen.

Sie kennen die Wild Wings ja in- und auswendig. In diesem Sommer hat eine Gruppe an Sponsoren noch einmal einen sechsstelligen Bereich extra für den Spieleretat zur Verfügung gestellt. Mit Ex-Profi Christoph Sandner wurde ein neuer Geschäftsführer vorgestellt. Geplant sind weiter in Sachen Einnahmeerhöhung mehr Sitzplätze. Wie nehmen Sie diese ganzen Schritte wahr?

Ich finde es sehr positiv. Die Wild Wings sind strukturell – in meinen Augen – auf einem guten Weg. Es ist klar ein Konzept erkennbar. Jeder Schritt bringt den Eishockey-Standort hier voran. Die Fortschritte sind – im Vergleich zu unserer Rückkehr in die DEL vor sechs Jahren – wirklich sehr deutlich.

Sie hatten im Spätwinter bereits eine Einladung des Bundestrainers Toni Söderholm für den ersten Teil der WM-Vorbereitung vorliegen, mussten dann aber aufgrund der Handoperation absagen. Wie bitter war dieser Moment für Sie?

Ich hatte mich sehr darüber gefreut, im erweiterten Kader für die WM dabei sein zu dürfen. Ja – es war für mich schon enttäuschend, schnell mit einer Absage antworten zu müssen.  

Info: Zur Person

Mirko Sacher wurde am 1. November 1991 in Freiburg geboren und erlernte das Eishockey beim EHC Freiburg. Von 2011 bis 2015 spielte der Verteidiger erstmals für die Wild Wings, wechselte dann für zwei Jahre zum Zweitligisten Dresden. Seit 2017 trägt der Rechtsschütze wieder das Schwenninger Trikot. In der Saison 2017/18 zählte er zunächst zu den stärksten Wild-Wings-Spielern, als ihn ein Riss des Syndesmosebandes monatelang außer Gefecht setzte. In der vergangenen DEL-Runde absolvierte Mirko Sacher für die Wild Wings 44 Spiele. Der Verteidiger erzielte dabei zwei Tore und verbuchte 13 Assists.