Dunningen

Sache der Perspektive oder geht Plan ins Auge?

von Peter Schönfelder

Dunningen. Alles eine Sache der Perspektive, oder geht die Planung der Gemeinde Dunningen zur Erweiterung des Baugebiets Stockäcker/Bösinger Weg doch noch ins Auge?

Böse Überraschung für die Bewohner der Kniebisstraße in Lackendorf: Der von Planer André Leopold vom Rottweiler Ingenieur- und Planungsbüro vorgestellte städtebauliche Entwurf zur Erweiterung des Baugebiets Stockäcker/Bösinger Weg trifft auf heftigen Widerstand, denn die geplante Bebauung verstellt einigen von ihnen den freien Blick über die Landschaft.

Das Baugebiet soll in Verlängerung der Kniebisstraße erweitert werden, allerdings nach ihrer Auffassung in die falsche Richtung. Statt sich ausschließlich auf der rechten Seite in Richtung Ortsmitte und Lindensraße zu entwickeln, soll es auch zur ­anderen Seite gehen, um sich dort an die Bebauung anzulehnen.

Der Ortsteil Lackendorf verfügt über keinen einzigen Bauplatz mehr. Der letzte ist vor wenigen Wochen veräußert worden. Mit der Erweiterung soll der Bedarf der nächsten fünf Jahre gedeckt werden, erläuterte André Leopold. Und die Interessenten stehen bereits Schlange.

Erbost machten die Anlieger in der Sitzung des Gemeinderats am Montagabend allerdings klar, dass sie ihre Grundstücke bewusst wegen der freien Sicht gekauft hätten. In ihren Augen stellten die Planungen einen Verstoß gegen den geltenden Flächennutzungsplan dar, in dem die schöne Wiese vor ihren Fenstern nicht als Bauland vorgesehen sei. Überhaupt habe die Gemeinde mit ihnen vorher in keinster Weise geredet, so dass sie ihre Bedenken erst in dieser Gemeinderatssitzung vorbringen könnten. Es sei ihnen jedoch versichert worden, dass sich hinter ihren Häusern für die nächsten 30 Jahre bebauungstechnisch nichts ändern werde.

Das sahen Planer und Gemeinde naturgemäß anders. André Leopold: "So ein Flächennutzungsplan ändert sich ständig. Gerade sind wir wieder in einem Änderungsverfahren."

Bürgermeister Peter Schumacher sah die Sache eher langfristig. Die Gemeinde und damit der Gemeinderat müsse sich überlegen, wie es im Baugebiet perspektivisch weitergehe und in welche Richtung sich die weitere Entwicklung in Lackendorf vollziehe. Schumacher: "Wir sollten das Potenzial dieses Gebiets nützen." Und Leopold ergänzte, seine Planungen richteten sich auch darauf, weiteres Bauland kostengünstig zu erschließen. Und dies sei aus seiner Sicht am besten mit seiner Erweiterungs-Planung zu bewerkstelligen.

Auch Inge Erath und Wolfgang Gerst sprangen Schumacher und Leopold zur Seite. Seit eineinhalb sei von der Erweiterung des Baugebiets die Rede. "Wir können’s nicht anders machen. Andernfalls gibt es keine neuen Bauplätze", so Erath. Wolfgang Gerst betonte, dass die Anwohner aus einer früheren Flächennutzungsplanversion "kein Recht ableiten könnten". Die vorliegende Planung sei besser, als sich auf irgendwelches Flickwerk einzulassen.

Helmut Faller fand dagegen, die Gemeinde sollte den Bedenken der Anlieger entgegenkommen. Simone Spengler glättete schließlich die Wogen: "Noch ist nichts zementiert, wir sollten uns noch Zeit nehmen." Sie schlug vor, die Sache an den Ortschaftsrat zurückzuverweisen, der die Planung mit den Anwohnern noch einmal nacharbeiten soll.

Diesem Vorschlag schlossen sich Verwaltung und Gemeinderat an. Nun liegt der Ball wieder im Feld des Ortschaftsrats, der der vorgestellten Planung bereits zugestimmt hat.