Dunningen

Mit Herzblut für gelebtes Brauchtum

von Lothar Herzog

Bei ihrem Festakt zum 25-jährigen Bestehen der Freien Narrenvereinigung Mittlerer Schwarzwald (FNMS) gaben sich ein Oberbürgermeister, fünf Bürgermeister und zwei Ortsvorsteher die Ehre.

Dunningen-Lackendorf. Die neun Mitgliedszünfte trafen sich am Samstag in der Eschachtalhalle in Lackendorf, um das Jubiläum zu feiern, das exakt auf diesen Tag fiel.

Oberzunftmeister Hape Marte präsentierte sich einmal mehr in blendender Redelaune und gab den Zuhörern mit zahlreichen Anekdoten mehr als einmal Anlass zum Schmunzeln. So ein Fest außerhalb der Fasnet zu feiern, sei für Narren durchaus ungewöhnlich. Aber wenn das Gründungsdatum so günstig auf einen Samstag falle, könne man einfach nicht anders.

Bernhard Broghammer von der Narrenzunft Aichhalden habe als ehemaliger Oberzunftmeister des Narrenrings Waldbau sein ganzes Fachwissen eingebracht, dankte Marte dem heutigen Ehrenmitglied der Aichhalder Narren. Neben Broghammer konnte der FNMS-Chef weitere ehemalige Zunftmeister der Mitgliedszünfte, Gemeindeoberhäupter und Ortsvorsteher unter den Gästen entdecken.

Die FNMS habe sich ausdrücklich die Förderung des närrischen Nachwuchses vorgenommen. Die Idee des ersten Kindernarrensprungs 2001 in Locherhof stamme vom ehemaligen Aichhalder Narrenchef Harald Höni. Bis heute sei dieser Kinderumzug ein fester Bestandteil im jährlichen Narrenfahrplan des Rings. Der ursprünglich festgelegte Grundsatzbeschluss von höchstens acht Mitgliedern habe 2007 geändert werden müssen, um mit der Katzenzunft Hardt die neunte und definitiv letzte Zunft aufzunehmen, erläuterte der Ring-Chef.

Sein Stellvertreter Udo Reinke sprach von einem lockeren und lässigen Fest, das man an diesem Abend feiern wolle. Er bezeichnete Marte nicht als "Schwätzer", sondern als Garanten für tolle Reden und überreichte ihm eine Ehrentafel mit allen Masken der Mitgliedszünfte zum Dank für 25 Jahre Oberzunftmeister.

Wie Dunningens Bürgermeister Peter Schumacher feststellte, könne ein Verein oder eine Vereinigung ein solches Jubiläum nur feiern, wenn sich Menschen für Brauchtum und Tradition der Fasnet engagierten und mit Herzblut dabei seien. Es dürfe ruhig auch mal reiben und knirschen wie bei den Hexenwagen.

Lackendorfs Ortsvorsteher Hermann Hirt dankte der heimischen Baronengilde für all die Veranstaltungen über die Fasnet. Die Narrenzünfte leisteten viel, wozu die Politik nicht imstande sei.

Berthold Schneider, Präsident der Europäischen Narrenvereinigung ENV, hob das kameradschaftliche Miteinander als ein Symbol der Fasnet im mittleren Schwarzwald hervor.

Die Zünfte bereicherten seit Jahren die fünfte Jahreszeit und sorgten mit Begeisterung dafür, dass ein Stück Kultur erhalten und an die jüngere Generation weitervererbt werde. Marte sei ein hilfsbereiter Narr, der einem mit Kompetenz zur Seite stehe. Er habe jedoch die Angewohnheit, bei jeder Gelegenheit gegen die Badener zu frotzeln. Deshalb erhalte er für seine 25-jährige Amtszeit einen Ehrenteller mit "gelber" Schriftgravur, keilte Schneider schmunzelnd zurück.

Franz Kern als Chef des Narrenfreundschaftsrings Waldgau erinnerte an den Mut, die die Gründerväter vor 25 Jahren hatten. Ziel sei es gewesen, die Freundschaft untereinander intensiver zu pflegen, was zweifelsohne gelungen sei. Hape Marte müsse er zugutehalten, immer gut drauf zu sein, "manchmal aber auch mit einer saufrechen Gosch", urteilte Kern und beschenkte Marte mit einem Maulkorb.

Vizepräsident Berndt Buck vom Narrenring Oberer Neckar forderte eine saubere Fasnet. Sie habe nichts mit Saufen zu tun, sondern mit Tradition. Da könnten die Jungen von den Alten etwas abkupfern. Ein Narrenring habe den großen Vorteil, dass man da besser aufeinander aufpassen könne, sagte Buck.

Musikalisch umrahmt wurden die Grußworte von Drehorgelspieler Rudolf Klomfar.

Die Freie Narrenvereinigung Mittlerer Schwarzwald (FNMS) wurde am 11. Mai 1994 im Gasthaus Zur neuen Brücke Sulzbach mit den Narrenzünften Sulzbach, Aichhalden, Sulgen, Tennenbronn, Mariazell und Schiltach gegründet. 1999 kam Locherhof, 2003 Lackendorf und 2007 Hardt hinzu.