Dunningen

Feuchtgebiete machen Biber glücklich

von Peter Schönfelder

Dem Nager gefällt es an der Eschach, eifrig ist er bei seinen Bauarbeiten. Aber das findet nicht jeder toll. Ob der Biber an der Eschach in Lackendorf allerdings ein Problem oder eine Bereicherung darstellt, da gehen die Meinungen noch ziemlich auseinander.

Dunningen-Lackendorf. Der Ortschaftsrat Lackendorf ließ sich in seiner Sitzung am Montag, wohl auch als Reaktion auf die Berichterstattung unserer Zeitung, von der Biberbeauftragten des Regierungspräsidiums Freiburg, Bettina Sättele, und von Joachim Gommel von der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamts über die aktuelle Situation rund um das fleißige Nagetier informieren.

Castor fiber, der europäische Biber, ist da und er wird wohl bleiben, das machte Sättele unmissverständlich klar. Denn er findet an der Eschach in Lackendorf geradezu ideale Lebensbedingungen. Warum sollte er also umziehen? Zudem ist der Biber europaweit streng geschätzt. Schießen oder fangen ist also streng verboten. Die Frage ist, wie geht man mit dem Nager um?

Bettina Sättele skizzierte zunächst die Lebensweise des Nagers, sein Familienleben, seine Vorlieben, aber auch, was er nicht mag. Trockenheit zum Beispiel, denn das Tier lebt halbaquatisch, braucht also Wasser. Die Wildbiologin warb für eine positive Sichtweise. Der Biber sei nun Bestandteil des Gewässers und sei von selbst, meist aus der Schweiz und Bayern, in Baden-Württemberg eingewandert. Der pelzige Geselle besiedle nicht wahllos ganze Flussläufe, sondern zeige ausgeprägtes Revierverhalten. Die betroffenen Landwirte reagieren in der Regel allerdings nicht begeistert beim tierischen Zuzug. Die mächtigen Bauwerke des Bibers sorgen für Überschwemm-ungen.

Deshalb müsse man den Biber im Auge behalten. Um den Fluss fließend zu halten, hätten sich als kurzfristige Maßnahmen Bypässe an den mächtigen Dämmen oder Dammabsenkungen bewährt, informierte Sättele. Allerdings, langfristig gesehen, komme man um ein regelrechtes Bibermanagement nicht herum. Auf lange Sicht sollte man Feuchtgebiete als Lebensraum im Biberrevier entwickeln. Gefordert ist in ihren Augen eine Landschaftsplanung, die die Lebensbedingungen des Bibers verbessere, beispielsweise durch die Wiederherstellung der natürlichen Eschachaue. Deshalb sollten die Bereiche rund um Biberdamm und Biberburg landschaftspflegerisch überplant werden.

Denn, da man ihn nicht loswerde, müsse er dort gehalten werden, wo er bereits heimisch ist. Wenn das Revier stimme, habe er keine Veranlassung, die Eschach an anderer Stelle zu besiedeln.

Lackendorf hat insofern Glück, als dass die betroffenen Flächen größtenteils im Besitz des Nabu sind, der beileibe nichts gegen Feuchtgebiete hat. Sättele wies darauf hin, dass solche Maßnahmen auch das Ökokonto der Gemeinde auffüllen könnten, was als Ausgleich für Flächenverbrauch an anderer Stelle gegengerechnet werden könne.

Aber, so machte Joachim Gommel vom Landratsamt klar, die Eigentümer müssten mitspielen. Zu überlegen sei, ob die Gemeinde solche Flächen erwerben wolle. Zudem müsse sich die Gemeinde bereits jetzt Gedanken machen, wo der Biber sonst noch auftauchen könnte, und diese Bereiche in die Überlegungen einbeziehen.

Bürgermeister Peter Schumacher behagte allerdings nicht, dass die vorgeschlagenen Maßnahmen nur Einzelaktionen sind. Dies sei für ihn "Scheuklappendenken". Die Gemeinde werde sich funktionierenden Maßnahmen sicher nicht entgegenstemmen, allerdings regte Schumacher ein kreisweites Bibermanagement an. Oder wenigstens gemeindeübergreifend für die gesamte Eschach, wie Ortsvorsteher Hermann Hirt forderte.

Der Vorsitzende der Nabu-Ortsgruppe, Roland Fischinger, versicherte, die Naturschützer stünden "Gewehr bei Fuß". "Wir können uns auch dort einbringen", bestätigte er. Ansonsten appellierte Fischinger, den Biber nicht immer nur von der Problemseite zu sehen. Er selbst habe rund um den Biberdamm bereits seltene Vögel und viele geschützte Bereiche für Jungfische entdeckt. Dies sei mit Sicherheit der Arbeit des Bibers zu verdanken.

Der Biber wird die Dunninger also noch weiter beschäftigen.