Dunningen

Demokratie ist jede Anstrengung wert

von Peter Schönfelder

Viele sehen die Demokratie in der Krise, beobachten ein Abrücken der Wähler von den etablierten Parteien, manche fürchten das weitere Anwachsen radikaler Gruppierungen. Um die Demokratie muss mit aller Kraft gerungen werden, fordert Erwin Teufel.

Dunningen. "Demokratie – Politik – Zukunft" unter diesem anspruchsvollen Motto stehen die Thementage in diesem Jahr in Dunningen. Der ehemalige Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg, Erwin Teufel, hatte die Aufgabe übernommen, das Werden der parlamentarischen Demokratie auf deutschem Boden historisch einzuordnen. Und wusste mit diesem Auftaktvortrag zu überzeugen. Im Jahr der Europa- und Kommunalwahlen wollen die Thementage die Schlagwörter Demokratie und Politik überparteilich in den gesellschaftlichen Fokus rücken, so Bürgermeister Peter Schumacher in seiner Begrüßung am Freitagabend.

Bereits im Herbst des vergangenen Jahres habe sich ein breites Aktionsbündnis aus Parteien, Wählervereinigungen, Kirchengemeinden und Vereinen zusammengefunden, um die Thementage vorzubereiten. Die Initiative zur Thematik war von Dunningens Ehrenbürger Julius Wilbs ausgegangen.

Die Parteienlandschaft und der Umgangston der politischen Akteuren hätten sich in kurzer Zeit deutlich verändert, so Schumacher, und manche vorgebliche politische Aussage verschanze sich in der Anonymität des Internets.

Europa verändere sich rasant, so der Bürgermeister weiter. Nationalismus, Abschottung und Protektionismus nähmen zu. Der europäische Gedanke sei nicht ohne Fehl und Tadel, so Schumacher. "Aber lassen sie uns dies nicht alles aufs Spiel setzen", appellierte Schumacher. Die Thementage wollten mit einigen Veranstaltungen das ganze Jahr über an die Geschichte der bundesdeutschen und europäischen Demokratie anknüpfen, kündigte er an.

Mit der Auftaktveranstaltung wurde eine Ausstellung der Landeszentrale für politische Bildung unter dem Titel "Der Erste Weltkrieg: Abschiede und Grenzerfahrungen, Alltag und Propaganda" der Landeszentrale für politische Bildung eröffnet. Die Ausstellung liege ihm, so gab Julius Wilbs in einer kurzen Einführung freimütig zu, besonders am Herzen. Sie zeige eindrucksvoll nicht nur den Schrecken der Schlachtfelder, sondern auch das Leid zu Hause. Sich zu beruhigen, dass dies schon lange her sei, verleite zu einer sträflichen Sorglosigkeit gegenüber der Demokratie. Jeder müsse sich engagieren, denn: "Wir dürfen den Radikalen nicht das Feld überlassen." Die Vorfahren hätten für eine bessere Welt gekämpft, jetzt gelte es diese zu verteidigen. Die Ausstellung ist ab Montag in der Aula der Eschachschule zu sehen.

Dann war der Hauptredner des Abends an der Reihe. Erwin Teufel, der in Zimmern aufgewachsen ist, gelang es, seinen Vortrag zu einem leidenschaftlichen Plädoyer für die deutsche Demokratie werden zu lassen und verwob auch einiges aus seiner persönlichen Biografie mit den Wendepunkten der deutschen Geschichte nach dem militärischen Zusammenbruch 1918.

Teufel zeigte den Einfluss derjenigen auf, die weiterhin, geprägt von der Dolchstoßlegende, gegen die junge Demokratie der Weimarer Republik kämpften, bis es schließlich zur erneuten Kriegkatastrophe kam. Teufel beschrieb die Not nach 1945, betonte die Hilfe der Siegermächte, die Deutschland wirtschaftlich auf die Beine halfen und den Beginn der Versöhnung mit den Nachbarn, allen voran mit dem einstigen Erzfeind Frankreich, mit dem zusammen Deutschland den Kern eines vereinigten Europas bildete. Die Währungsreform, soziale Marktwirtschaft, das Grundgesetz und ein Bildungssystem, das seinesgleichen suche, bildeten schließlich die Grundpfeiler eines befriedeten und wirtschaftlich starken Deutschlands.

Mit großer Leidenschaft rief er in die gut besuchte Festhalle: "Die Demokratie ist jede Anstrengung wert. Nicht nur für uns selbst, sondern besonders für unsere Nachkommen."

Der Popchor unter der Leitung von Helmut Cromm umrahmte den Abend, der Vereinsring bewirtete.