Dormettingen

Ortsferne Umgehung wird bevorzugt

von Lorenz Hertle

Weitgehend sachlich haben die Dormettinger bei einer relativ kurzen Einwohnerversammlung über die geplante Umgehungsstraße über die vorgelegten Pläne diskutiert. Favorit ist die "große Lösung" weit um den Ort herum.

Dormettingen. Vor nahezu 200 Besuchern führte Bürgermeister Anton Müller aus, dass im September 1996 ein erster Vorentwurf für eine Ortsumgehung vorgelegt worden sei. Es folgte 2009 eine Verkehrsuntersuchung. Der Ausschuss für Umwelt und Technik des Kreistags habe 2010 die Aufnahme ins damalige Förderprogramm nach dem Entflechtungsgesetz beschlossen.

2016 hatte der Gemeinderat laut Müller den Auftrag für eine Machbarkeitsstudie an das auf Verkehrsplanungen spezialisierte Ingenieurbüro Praxl und Partner in Filderstadt vergeben. Zur Vorstellung der Studie wurde auf Beschluss des Gemeinderats eigens eine Einwohnerversammlung einberufen.

"Die Planungshoheit liegt bei der Kreisverwaltung", betonte Müller, weil es sich um eine Kreisstraße handele. Derzeit laufen nach seinen Angaben Verhandlungen zur Finanzierung des Projekts. Ohne Zuschuss des Landes könne, so Müller, solch ein Projekt nur schwer realisiert werden.

Drei Varianten haben die Ingenieure von Praxl und Partner untersucht. Die beiden ortsnahen Strecken bringen laut Prokurist Christian Pfabe keine Zeitersparnis und könnten die weitere Entwicklung Dormettingens blockieren. Die Trasse der Variante 1 sei zu nah am "Wüste-Werk 7" und liege zum Teil auf Auffüllungen mit Betonteilen.

Auch die Variante 3 bringt laut Pfabe für den überregionalen Verkehr wenig, während die teuerste und längste Variante 2 nach den Berechnungen den besten Entlastungseffekt hätte. Damit, so Pfabe, könnte auch die Kreisstraße in Richtung Isingen gut angebunden werden. Die Kosten liegen laut Müller "im mittleren bis oberen einstelligen Millionenbereich".

Bürger Peter Beck zweifelte den Nutzen der Umgehung an. Ob es nicht Tempo 30 in der Ortsdurchfahrt und Blitzer auch täten? Müller bestritt, dass ein "Autobahnzubringer" geplant sei. Tatsache sei, dass der Schwerverkehr zunehmen werde.

Die Frage nach dem Zeitplan beantwortete der Bürgermeister so: "Wenn’s optimal läuft, dauert es zwei bis vier Jahre bis zum Zuschussantrag; die Bauzeit würde zwei Jahre betragen."

Eine Begrenzung auf 30 Stundenkilometer in der Ortsdurchfahrt, die wiederholt angesprochen wurde, habe das Landratsamt bisher immer wieder strikt abgelehnt. Bei einem Bau der 2,6 Kilometer langen Variante 2 könnten laut Müller Teile der bisherigen Straße zurückgebaut werden.

Aus der Bürgerschaft kamen auch Stimmen, dass es nicht reiche, nur für Dormettingen eine Umgehung zu planen; man müsse die Verkehrssituation im ganzen Gebiet ab der B 27 bis zur Autobahn berücksichtigen. Müller räumte ein: "Isingen betrachtet die Planung mit Argusaugen."

Der Bürgermeister thematisierte die Chancen einer Umgehung: Der Bereich Mühle könnte nach seiner Meinung entwickelt werden, und im Norden könnten ein neues Gewerbegebiet und ein "Top-Wohnquartier" ausgewiesen werden. Anton Müller mahnte die Bürger, in Sachen Umgehung "nicht mit verschiedenen Zungen" zu sprechen: "Sonst wäre das Projekt tot", sagte er unter Beifall aus den Sitzreihen.

Er sah auch die Zwickmühle zwischen dem Straßenneubau und einer Sanierung der bestehenden Ortsdurchfahrt. Die Situation jetzt: "Die Durchgangsstraße trennt den Ort in zwei Teile."

Nach einem positiven Beschluss des Dormettinger Gemeinderats rechnet der Bürgermeister mit einer Beratung im Kreistags-Ausschuss noch in diesem Jahr. Er habe Signale aus dem Landratsamt bekommen, dass dieses "die Variante 2 positiv begleiten" wolle.