Donaueschingen

Zehn Jahre nach demRauchverbot

von Sabine Naiemi

Vor zehn Jahren trat im August das Nichtraucherschutzgesetz in Kraft und erhitzte die Gemüter.

Donaueschingen. Kneipensterben wurde vorausgesagt, die Raucher fühlten sich gegängelt und teilweise an die Wand gedrückt, die Nichtraucher endlich in ihrem Recht. Die Stimmung tötende Grüppchenbildung zwischen Nichtrauchern und denen, die je nach Temperaturen frierend vor der Tür stehen, ist wohl unbestritten. Wie sieht die Situation in der Donaustadt heute aus – zehn Jahre danach?

Die Antwort ist: Man hat sich überraschend gut arrangiert. Es zeigt sich, dass die Gastwirte der Innenstadt das Ganze relativ gelassen sehen. In vielen der Gaststätten gibt es einen extra eingerichteten Raucherbereich, sogar in der Sternenbäck-Filiale am Bahnhof. Auf die Frage nach der Situation und seine Ansicht darüber lacht Klaus Müller, Inhaber der Hofkonditorei Café Hengstler in der Karlstraße. "Das hätten sie mich mal acht Wochen nach Inkrafttreten des Gesetzes fragen müssen." Der Übergang seinerzeit wäre schwierig gewesen.

"Damals war das nicht so lustig, wie es immer nach solch einschneidenden Veränderungen ist", sagt Müller. Logischerweise hätten sich die Leute seinerzeit Lokale gesucht, in denen sie rauchen konnten. Heute findet Müller, übrigens selbst Raucher, die Auswirkungen in ihrer Gesamtbeurteilung positiv. Er sei froh über die Änderung, so der Cafe-Inhaber. "Nach langer Zeit muss ich sagen – absolut positiv." Es rieche besser im Gastraum, Speisen und Kuchen kämen besser – weil unbeeinträchtigt – zur Geltung. Obwohl selbst Raucher, empfinde er Zigarettenrauch beim Essen als störend, ebenso, dass sich der Rauchgeruch im Mobiliar und an den Wänden niederschlägt. Damals habe er durchrenoviert und müsse nun nicht mehr rund alle vier Jahre alles neu streichen. Nichtsdestotrotz finde er, dass die Entscheidung darüber, ob Raucher- oder Nichtraucherlokal, dem Wirt überlassen bleiben sollte. "Wenn das jeder selbst entscheidet, ist das einfach gerechter." Aber er finde auch, dass mancherorts in Lokalen die Trennung zwischen Nichtraucher- und Raucherbereich besser sein dürfte. Den Wunsch, dass in einer Bar geraucht wird, könne er übrigens gut nachvollziehen, sagt der Betreiber des Traditionshauses.

"Für uns war das Gesetz insofern kein Thema, als dass das Bräustüble sowieso ein Nichtraucherlokal war", sagt Sven Kuttruff. Die einzige Änderung, die vorgenommen wurde, sei gewesen, dass ein Raucherbereich eingerichtet wurde. Insofern habe die Gaststätte eher noch von dem Gesetz profitiert.

Seit 22 Jahren in der Gastronomie tätig, sieht Christian Köster vom "Twist" rückblickend einen tiefen Einschnitt. Nach der Umsetzung des Gesetzes in der Tanzschule, wo er früher eine Gastronomie betrieb, seien Gäste abgewandert. Und seit im "Twist" der Raucherbereich eingerichtet wurde, könne die Bar deutlich mehr Gäste verzeichnen. "Jede Party endet spät nachts immer irgendwie da hinten", sagt der 38-jährige Gastwirt. Für das vor Kurzem eröffnete "Twist Hoch2" in der Karl­straße überlege man gerade, wie ein Raucherbereich eingerichtet werden könne.

Geselligkeit leidet

"Raucher sind einfach geselliger", sagt Anja Knöpfle aus Wolterdingen im Vorbeigehen. Dem pflichtet Gastwirt Matthias Binder vom "Irish Pub Blarney" in gewisser Weise bei. Am Eingang steht deutlich der Hinweis auf ein Raucherlokal und somit Eintritt erst ab 18 Jahren. "Das Irish Pub war von jeher ein Raucherlokal und ist es weiterhin", sagt Binder, der das Lokal 2010 übernommen hat. Die meisten Leute, die ausgehen, um ein Bier zu trinken, seien auch gleichzeitig Raucher, ist seine Erfahrung. Kurioserweise habe er aber nach 15 Jahren als Raucher vor einem Jahr mit dem Rauchen aufgehört. "Und das in einer Raucherkneipe. Das war schon hart."

Norbert Baumgärtner aus Trossingen sitzt als rauchender Gast im "Irish Pub". Er meint: "Es sollte jedem Gastwirt überlassen sein, ob er sein Lokal als Raucherlokal oder nicht führt." Ein Rauchverbot an öffentlichen Plätzen oder dort, wo Kinder involviert sind, sei davon unbeeinflusst. Oder in einem Speiselokal, wo zum Beispiel so lange wie gegessen wird, Rauchverbot herrscht, aber danach geraucht werden darf. "Jeder sollte das selbst regeln können", sagt Baumgärtner.

Zum 1. August 2007 wurde in Baden-Württemberg das Landesnichtraucherschutzgesetz (LNRSchG) eingeführt. Damit ist in Schulen, Behörden, Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen das Rauchen verboten. Darunter fallen auch Gaststätten und seitdem ist das Rauchen hier nur noch in vollständig abgetrennten Nebenräumen erlaubt. Nach einer Klage vor dem Bundesverfassungsgericht wurde das Gesetz 2009 wegen fehlender Ausnahmeregelungen für sehr kleine Gaststätten und Diskotheken noch einmal auf Landesebene geändert. Demnach darf nun auch in Gaststätten geraucht werden, die kleiner als 75 Quadratmeter sind, nur kalte Speisen anbieten sowie Personen unter 18 Jahren den Zutritt verwehren. Während in Bayern beispielsweise ein absolutes Rauchverbot besteht, wird das Rauchverbot in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz eher locker gehandhabt.