Dobel

Nach Leichen-Fund: Ganzer Ort in Aufruhr

von Winnie Gegenheimer

Dobel - Dobel ist ruhig und unauffällig am Tag eins nach dem Leichenfund an der L 340. "Die Leute sind aber schon verunsichert, dass so was hier passiert", sagt Janet Joel vom Zeitschriftenladen. "Ein Kunde aus Rotensol will ebenfalls Schüsse gehört haben."

Elke Friedrich vom Friseursalon bestätigt das Gefühl der Menschen: "Es wird spekuliert über das Geschehene, jeder will ein bisschen mehr wissen als der andere." Ihr selbst sei vor allem der ständig über dem Ort kreisende Hubschrauber aufgefallen, außerdem habe sie im Teletext noch Montagabend von einem "Unfall" auf der L 340 gelesen. Ihr Sohn sei als Feuerwehrkamerad beim Einsatz dabei gewesen, "aber da war Stillschweigen vereinbart. Er ist erst morgens gegen 6 Uhr nach Hause gekommen."

Schnell war klar: "Da stimmt was nicht"

Exakt um 22.03 Uhr am Montagabend sei der Alarm zur "Ausleuchtung einer Unfallstelle" bei der Dobler Feuerwehr eingegangen, berichtet Kommandant Werner Stängle. Mit allen drei Fahrzeugen und 25 Mann sei die Wehr zur Stelle wenige hundert Meter unterhalb der Recyclinghofeinfahrt an der L 340 ausgerückt. Ein Krankenwagen und drei Ersthelfer vor Ort, mehr nicht.

Dass der Mann unweit des Straßenrandes tot war, sei schnell klar gewesen. Die Notärztin habe keine Verletzungen gefunden, die auf einen Verkehrsunfall hingedeutet hätten. Die eintreffende Polizei aus Bad Wildbad hätte den Unfalldienst aus Pforzheim, dann die Kripo aus Karlsruhe angefordert. "Als es dann hieß, die Gerichtsmedizin aus Heidelberg wird angefordert, war uns klar: irgendwas stimmt hier ganz und gar nicht", so Stängle.

Auch Bürgermeister im Einsatz

Zwischenzeitlich war auch Bürgermeister Christoph Schaack vor Ort eingetroffen, der als Feuerwehrkamerad mit alarmiert, aber nicht gleich zum Einsatz mit ausgerückt war: "Bis ich da unten eintraf, ging ich von der genannten 'kleinen technischen Hilfeleistung' aus", sagt er. "Dann erst hörte ich von dem Toten und dass es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um ein Tötungsdelikt handelt. Ich war ja schon in Krisengebieten, kenne Schussverletzungen. Aber hier in Dobel ..."

Schaack klingelte noch vor Mitternacht Bauhofleiter Werner Schaible aus dem Schlaf, Absperrgitter zur Straßensperrung anzuliefern. "Meine Arbeit bringt es mit sich, dass ich solche kurzfristigen Einsätze mache", sagt Schaible, "aber das war schon was anderes als ein Erdrutsch. Es ist verstörend, dass solche Sachen jetzt hier bei uns passieren. Sonst sieht man das nur im Fernsehen oder liest darüber in der Zeitung."

Am Dienstagmorgen ist der Bauhof nochmals ausgerückt, auch die Waldwege im Umkreis zu sperren und Umleitungen auszuschildern. Die Feuerwehr war in wechselnden Schichten bis in den Dienstagvormittag zur Ausleuchtung des Tat- beziehungsweise Ablageortes zugange. "Obwohl die Leiche bereits gegen 3 Uhr nachts abtransportiert werden konnte", berichtet Feuerwehrkommandant Werner Stängle.

Toter ist inzwischen identifiziert

Dienstagnachmittags wie auch am Mittwochnachmittag seien Polizeieinheiten rund um den Ablageort der Leiche im Einsatz gewesen, das Waldgebiet nach Spuren zu durchkämmen. "Ein Mord - das ist mir in Jahrzehnten Feuerwehrarbeit in Dobel noch nie passiert", beschreibt Stängle die Dimension des Ereignisses ohne viele weitere Worte.

Eins wird die Dobler ein wenig erleichtern: Gegen 15.30 Uhr am Mittwochnachmittag veröffentlichte das Polizeipräsidium Karlsruhe in einer Pressemitteilung, dass der Tote identifiziert sei. Es handelt sich um einen 47jährigen Iraker, wohnhaft in Baden-Baden. Er starb nachweislich an Schussverletzungen.

Der rechtsgelenkte Audi A6 des Verbrechensopfers konnte am Mittwochmittag in Maximiliansau/Rheinland-Pfalz sichergestellt werden. Die Polizei sucht Zeugen, die den auffälligen Rechtslenker im Bereich Bad Herrenalb - Dobel oder auf der Strecke nach Maximiliansau gesehen haben. Eine Zeugin hat zwischen 21.30 und 22 Uhr Schüsse im Waldgebiet zwischen Dobel und Bad Herrenalb gehört. Die Polizei prüft, ob dies mit dem Verbrechen in Einklang zu bringen ist.

Wer weitere auffällige Beobachtungen gemacht hat, kann sich beim Kriminaldauerdienst in Karlsruhe unter der Telefonnummer 0721/6665555 melden.