Dobel

Mitarbeiter international akquirieren

von Winnie Gegenheimer

"Wie geht es weiter nach einem Jahr?" "Wie ist es mit der Skalierbarkeit, sprich dem Wachstum von Unternehmen und Geschäftsidee?" "Wie viele Mitarbeiter arbeiten überhaupt im Start-up?"

Dobel. Karl-Heinz Ruff, Organisator des Sportfreunde-Forums, war selbst überrascht, wie viele interessierte Fragen nach Ende des mehr als einstündigen Vortrags voll geballter Information zum Thema "Erfahrungen eines jungen Start-up-Unternehmers" kamen – und die im Berufsleben lange Jahre erfahrenen Zuhörern. Der Referent selbst nämlich, der so taff wie fachkundig über das erste Jahr seiner "Neohelden GmbH" referiert hatte, ist gerade mal 23 Jahre jung. Maik Hummel ist gebürtiger Dobler und eng verbunden mit den Sportfreunden, deren Integrationsbeauftragter er ist und für die er, wenn denn Zeit bleibt, auch in der ersten Mannschaft Fußball spielt.

Eigene Ideen

Seine Affinität zur Programmierung und sein unternehmerisches Potenzial hat er schon früh gezeigt. Als 16-jähriger Schüler entwickelte er ein Programm zur Echtzeiterfassung bei Bundesjugendspielen, für das er mit einem Schulkameraden im Landeswettbewerb "Jugend forscht" einen Sonderpreis erhielt und meldete im selben Jahr sein eigenes Kleingewerbe als Webdesigner an. 2015, als 19-jähriger Dualer Student der Wirtschaftsinformatik, entwickelte er mit einem Kollegen eine elektronische Lernplattform und kam damit bis in den "Jugend forscht"-Bundesentscheid. Als frisch gebackener Bachelor of Sience sammelte Hummel mit 21 Jahren dann Berufserfahrung im IT Consulting in der Bankenbranche, bis es ihn – gemeinsam wieder mit zwei Mitstreitern, Kiryo Abraham und Philipp Csernalabics – zur Entwicklung eigener Ideen zog.

Über das spannende wie herausfordernde erste Jahr des Start-ups "Neohelden GmbH" referierte er jetzt im Sportheim in Dobel. Er erzählt, dass sie ein typisches Start-up, also junges Unternehmen mit zündender Geschäftsidee und hohem Wachstumspotential seien, mit drei Gründern, die sich auch die Geschäftsführung teilen – Hummel selbst ist der CTO, also für die technische Entwicklung verantwortlich. Und dass sie ihre Mitarbeiter international akquirieren und nicht lokal gebunden sind – ein Teammitglied beispielsweise war über Monate ein dort lebender Ukrainer, der nur per Video- oder Telefonkonferenz "anwesend" war. Sitz der "Neohelden GmbH" ist Karlsruhe, ihre Geschäftsidee ein digitaler Assistent, die Spracheingabe am Computer für unterschiedlichste Anwendungen bei Großunternehmen. Eine komplexe Alexa für Siemens, Daimler und Co. sozusagen.

Hummel erklärte nicht nur technische Details der Plattform, die Kunden künftig auch in Lizenz erwerben und selbst für ihre Bedürfnisse weiterentwickeln oder entwickeln lassen können, sondern er sprach ebenso über die Herausforderungen der Finanzierung in der Gründungsphase des Start-ups, über Fördermittel und Eigenfinanzierung. So half ihnen unter anderem das EXIST-Gründerstipendium, welches sie in Kooperation mit der Pforzheimer Hochschule erhalten konnten – und hier kommt, die Welt ist klein, wieder Dobel ins Spiel: zustande kam dies über Hochschulprofessor Mike Barth, Zweiter Vorsitzender der Dobler Sportfreunde.

Stets weiterentwickeln

Hummel sprach von Enttäuschungen, wenn die "Neohelden" in ein Förderprogramm nicht sofort aufgenommen wurden, von der Schwierigkeit, hoch qualifizierte Mitarbeiter – Teammitglieder – zu gewinnen und zu halten. Derzeit beschäftigen die "Neohelden" elf Mitarbeiter –­ im Übrigen auch eine junge Doblerin.

Hummel erzählte von den Chancen, die sie erhielten, wie dem Erst-Firmensitz in der Höpfnerburg in Karlsruhe und nun in der Technologiefabrik, wo sie bereits über eigene Bürofläche, aber noch immer zu günstigen Preisen, verfügen. Er gab preis, was sie aus früheren Versuchen jeweils gelernt und daher zum Bessermachen bei Gründung in ein Manifest aufgenommen hatten. Und vom Anspruch, sich stets weiterzuentwickeln, Kontakte zu knüpfen, wahrgenommen zu werden. Im September soll es eine eigene große Veranstaltung der "Neohelden" in Karlsruhe geben.

Da konnte Alfred Gerlach, der von Dennach zum Vortrag heraufgekommen war, nur anerkennend feststellen: "Kompliment, ich hab selten einen jungen Mann gesehen, der so viel Dampf unter dem Hintern hat!"