Dietingen

Erfolg eine Frage des Milchpreises

von Verena Schickle

Kreis Rottweil - Heute, 1. Juni, ist der internationale Tag der Milch. Gefeiert wird er in mehr als 30 Ländern. Eine gute Gelegenheit, auch einen Blick auf die Situation der Milchbauern im Kreis Rottweil zu werfen.

"Wir haben jeden Tag Milchtag", sagt Gerhard Schneider lachend. Und der beginnt zeitig: Um sieben Uhr morgens melkt der Dietinger Landwirt seine Kühe zum ersten Mal. Sydney, Elfe, Silbermond und Kolleginnen treten dann an, um zu liefern – im Durchschnitt 27 Liter pro Tag und Kuh.

75 Tiere stehen im Stall der Familie und alle tragen einen Namen. "Wir haben die E-Linie und die S-Linie", erklärt Schneider. Je nach dem Vornamen der Mutter, fügt seine Frau Eva hinzu. 1987 haben sie den Familienbetrieb übernommen. Inzwischen ist Sohn Emanuel eingestiegen. Trotz Sieben-Tage-Wochen und langen Arbeitstagen: Der studierte Landwirt Schneider würde seinen Beruf sofort wieder wählen. "Die Arbeit macht tatsächlich Spaß", sagt er. "Obwohl wir auch gefrustet waren vor zwei, drei Jahren", ergänzt seine Frau.

2009 waren die Milchpreise im Keller, Landwirte verteilten ihr Erzeugnis aus Protest auf den Feldern und Bäuerinnen campierten vorm Kanzleramt in Berlin. Vom Milchpreis hängt der Erfolg ab.

"Die vergangenen zwei Jahre waren sicher sehr ordentlich", sagt der 53-jährige Schneider, weil der Milchpreis relativ stabil gewesen sei. Derzeit bekommen Landwirte 30 Cent pro Liter. Schneiders Betriebskosten fressen rund 28 Cent auf.

Laut einer Auswertung zu den Milchviehbetrieben in Baden-Württemberg erreicht der Durchschnitt der Betriebe allerdings auch mit 35 Cent pro Litern noch keine Vollkostendeckung, berichtet unterdessen Hans Klaiber, der Leiter des Landwirtschaftsamts im Kreis Rottweil.

Jedes Jahr eine Milliarde Kilogramm Milch

Die Landwirte aus dem Kreis liefern ihre Milch an Omira, die Oberland-Milchverwertung Ravensburg GmbH. Die Molkerei hat einen Produktionsstandort in Rottweil, auf der Saline. Nach eigenen Angaben verarbeitet die Omira-Gruppe jedes Jahr eine Milliarde Kilogramm Milch. Das Erzeugnis von Schneiders Tieren und denen seiner Kollegen landet so schließlich als Frisch-, H- und laktosefreie Milch oder Sahne in den Supermarktregalen.

Noch dürfen Bauern nicht so viel Milch an Molkereien liefern, wie sie möchten. Bis Ende 2015 gibt es die sogenannte Milchqoute in Europa, die 1984 eingeführt wurde. Familie Schneiders Quote etwa liegt bei 500 000 Kilogramm pro Jahr. Wer darüber liegt, muss eine Strafzahlung, die Superabgabe, leisten.

Diese Sorge zumindest sind die Schneiders los – ihre Milchmenge im vergangenen Wirtschaftsjahr, das immer vom 1. April bis zum 31. März dauert, hat gepasst. Allerdings fürchtet das Ehepaar eine Talfahrt, was den Preis betrifft.

Auch Hans Klaiber berichtet, dass Omira gerade mitgeteilt habe, dass der Milchpreis um ein bis zwei Cent sinken werde. "Weil die Discounter derzeit Verhandlungen mit Molkereien führen", erklärt Klaiber. Die Discounter wüssten, dass am Weltmarkt derzeit viel Milch zu haben sei. "Steigt das Angebot mehr als die Nachfrage, gibt es Verhandlungsmöglichkeiten."

Doch nicht nur Discounter machen die Preise: Auch Milchwerke senken sie manchmal, sagt Gerhard Schneider. "So kriegt man Marktmacht." Was die Landwirte büßen müssen.

Die Schneiders machen natürlich trotzdem weiter – wie viele andere. Gerade die Haupterwerbsbetriebe haben keine Probleme, Nachfolger zu finden, das haben die Schneiders in ihrem Bekanntenkreis beobachtet. Ein Sohn, der übernimmt, sei meistens da, erzählt Eva Schneider. Im Fall ihrer Familie ist das, wie gesagt, Emanuel. Die Schneiders können sich also getrost schon einmal ein paar neue Namen für zukünftige Kühe ausdenken.

Weitere Informationen:

www.tag-der-milch.de

-  Bestand im Kreis

Laut des Statistischen Landesamts gab es 1999 im Kreis Rottweil noch 531 Betriebe mit Milchkühen und einer Größe über fünf Hektar, 2010 waren es noch 221.

- Milchverwertung

Nach Angaben der Initiative Milch haben deutsche Molkereien im vergangenen Jahr 29,76 Millionen Tonnen Milch verarbeitet. Das sei die höchste Menge aller Zeiten. Eine "neue historische Höchstmarke" hat demnach auch die Käseproduktion erreicht: 2,2 Millionen Tonnen wurden 2011 produziert. Nach Informationen des Bundeslandwirtschaftsministeriums (Stand: 2007), wurden damals 45 Prozent der Vollmilch in deutschen Molkereien zu Käse verarbeitet. Konsummilch/Frischprodukte: 32 Prozent, Butter und sogenannte Dauermilcherzeugnisse wie Kondensmilch und Milchpuler: 18 Prozent. Der Rest der Milch wurde exportiert.