Calw

Zündeln kann ziemlich teuer werden

von Michael Bösel

Calw - Kürzlich hat der Gemeinderat Calw eine Änderung der Kostenersatz-Satzung für die Feuerwehr beschlossen. Wir erklären, warum das jeden angehen kann – und in welchen Fällen man zahlen muss, wenn die Feuerwehr ausrückt.

Die Pfanne steht auf dem heißen Herd, ein schönes Stück Butter zerläuft darin und bald soll das Gemüse darin geschwenkt werden. Doch dann klingelt das Telefon und der Freund aus Kindheitstagen erzählt, was in den vergangenen Jahren alles los war. Eine Weile nicht auf die Uhr geschaut und schon geht der Feuermelder los, denn in der Küche raucht es inzwischen gewaltig. Die Feuerwehr kommt mit einem riesigen Aufgebot an Einsatzkräften und Fahrzeugen. Auf den Kosten bleibt man jetzt sitzen. Ein Szenario, vor dem es viele Leute graust. Aber wie ist das eigentlich genau mit den Kosten für den Einsatz der Feuerwehr?

Kürzlich beschloss der Gemeinderat eine Änderung der Kostenersatz-Satzung und des Gebührenverzeichnisses für Angehörige der Freiwilligen Feuerwehr Calw. Darin wird festgelegt, was wer für welchen Einsatz bezahlen muss. Das kann auch Privatpersonen treffen, wenn sie zum Beispiel durch grobe Fahrlässigkeit oder aus Absicht einen Einsatz auslösen.

Die sogenannten Pflichtaufgaben der Feuerwehr zur Gefahrenabwehr sind grundsätzlich kostenlos und das landesweit. Dazu gehören das Retten von Menschen sowie Tieren aus lebensbedrohlichen Lagen, öffentliche Notstände durch Naturereignisse (zum Beispiel Blitzschlag, Hagel, Sturm, Erdbeben oder Ähnliches) und Brände.

In der Alarm- und Ausrückeordnung wird festgelegt, bei welchen Fällen wer ausrückt und mit welchen Fahrzeugen. Diese Ordnung ist auch bei der Leitstelle hinterlegt. Anhand dieser entscheidet der Disponent dann, welche Einsatzstufe gefragt ist, und handelt entsprechend.

Wer zum Beispiel mutwillig, also mit Vorsatz, einen Mülleimer in der Kernstadt anzündet, löst damit einen Einsatz für einen Kleinbrand aus. "Bei dem rückt ein Löschfahrzeug mit einer Staffel, bestehend aus sechs Feuerwehrkräften, aus", erklärt Dirk Patzelt, Stadtbrandmeister von Calw. Das Ausrücken des Löschfahrzeugs kostet 120 Euro, die sechs Einsatzkräfte je 11,10 Euro pro angefangener halben Stunde. Geht man von einem Einsatz von 45 Minuten aus, kostet das insgesamt rund 250 Euro – ­nur für einen brennenden Mülleimer. Wer einen Mülleimer in einem der Teilorte anzündet, kann sogar mit dem doppelten Betrag rechnen, denn dann müssen auch noch Abteilungen anderer Orte alarmiert werden, um die vorgegebene Zeit einzuhalten, bis wann die Feuerwehrkräfte am Einsatzort sein müssen.

Mittel- oder Großbrand fordert deutlich mehr

Ein Mittel- oder Großbrand fordert deutlich mehr Einsatzkräfte und dementsprechend auch Geld vom Verursacher. "Unter diese Kategorie fällt zum Beispiel, wer einen Kinderwagen in einem Gang oder Keller eines Mehrfamilienhauses anzündet. Dann kommen zwei Einsatzfahrzeuge, die Drehleiter sowie ein Kommandowagen. In den Fahrzeugen sitzen insgesamt 19 Feuerwehrkräfte und ein Stadtbrandmeister", sagt Patzelt. Die beiden Einsatzfahrzeuge kosten dann je 120 Euro, die Drehleiter 264 Euro und der Kommandowagen 16 Euro. Bei den Einsatzkräften werden pro halbe Stunde wieder 11,10 Euro pro Person fällig, für den Stadtbrandmeister rund 37 Euro. Geht man erneut von einem 45-minütigen Einsatz aus, belaufen sich die Gesamtkosten auf etwa 1000 Euro.

Solche Kosten kommen nicht nur bei vorsätzlicher Brandstiftung auf, sondern auch, wer grob fahrlässig einen Brand verursacht. "Wann es sich um Fahrlässigkeit handelt, ist allerdings immer eine Einzelfall-Entscheidung", erklärt der Stadtbrandmeister.

Kosten können beispielsweise auch bei einem Verkehrsunfall entstehen. "Während eine Personenrettung immer kostenlos ist, da sie zu den Pflichtaufgaben der Feuerwehr gehört, sieht es bei austretendem Öl oder Benzin anders aus", erläutert Patzelt. Da wird der Fahrzeughalter zur Kasse gebeten, aus dessen Auto die Flüssigkeit austritt. Egal, ob er für den Unfall verantwortlich war oder nicht. Allerdings gibt es Chancen, sich das Geld zum Beispiel von der Versicherung der anderen Partei zu holen, wenn man nicht der Unfallverursacher ist.