Calw

Wildschweine wüten in Garten in Hirsau

von Bianca Rousek

Calw-Hirsau - Erdhaufen liegen überall herum, dort wo sie ausgehoben wurde, klaffen Löcher im Boden. Der gesamte Garten von Bernd Pühl sieht aus, als hätte man ihn mit dem Pflug bearbeitet. Was da am Werk gewesen ist, war aber kein schweres Gerät, sondern eine Rotte Wildschweine.

Nichtsahnend wirft Bernd Pühl am Morgen einen Blick aus dem Fenster auf seinen Garten. Er lebt mit seiner Frau direkt am Waldrand in Hirsau, nah an der Natur. Gerade deshalb wohnt er so gerne dort, betont er immer wieder. Doch was Pühl an jenem Morgen sieht, schockiert ihn zutiefst. Sein gesamter Rasen ist aufgewühlt, beinahe keine grüne Fläche ist mehr zu sehen. Und auch außerhalb des Grundstücks, auf einem öffentlichen Stück Wiese, sind großflächige Schäden zu sehen. "Ich habe gedacht, mich tritt ein Pferd", echauffiert er sich. "Der Garten sieht aus wie ein Acker."

Der Grund: Eine Rotte Wildschweine hat in der Nacht offenbar nach Nahrung gesucht. Die finden die Tiere häufig unter der Erde, wo Würmer, Käferlarven oder andere Lebewesen sich tummeln, die für das Schwarzwild eine willkommene Eiweißquelle sind. Und um an die ranzukommen, wühlen die Wildschweine auch gerne mal mit ihren kräftigen Wurf, also der Schnauze, einen Garten um. Zum Verdruss der Anwohner. "Momentan haben wir verstärkt Meldungen aus Hirsau, dass Schwarzwild Schäden verursacht", sagt Margit Spahn, Pressesprecherin der Kreisjägervereinigung Calw. Zahlreiche Gärten in dem Calwer Stadtteil liegen, wie der von Pühl, direkt am Waldrand. Ein wahres Schlemmerparadies für die cleveren Tiere.

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Zwar gebe es im Wald genügend, ja geradezu einen Überschuss an Nahrung in Form von Buchäckern oder Eicheln, erklärt Spahn. Aber Eiweiß sei ebenfalls ein wichtiger Bestandteil der Ernährung. Und wo können die Wildschweine leichter herumwühlen als auf ebenen Flächen, wie einem Rasen?

Klimawandel begünstigt Ausbreitung der Population

Bei Pühl hat gleich eine ganze Rotte gewütet, das stellt Spahn auf den ersten Blick fest. "Das ist schon heftig", gibt sie zu. Jedoch ist es für die Kreisjägervereinigung kein unbekanntes Problem. Gerade in den vergangenen Jahren explodiere die Wildschwein-Population geradezu. Milde Winter, warmes Frühjahr, dazu die veränderte Landwirtschaft – "mittlerweile bekommen die Wildschweine oft zweimal im Jahr Frischlinge, anstatt wie früher, einmal", erklärt Spahn. Ist vor Jahren noch ein beträchtlicher Teil der Frischlinge im kalten Winter gestorben, überleben heute fast alle. Das üppige Nahrungsangebot tue sein Übriges. "Die Rottenstärke wächst stark an", fügt sie hinzu.

Natürlich tun die Jäger alles in ihrer Macht stehende, um die Zahl der Wildschweine einzudämmen: Die Zahl der erlegten Tiere im Kreis Calw ist im Jahr 2017 von 1400 auf mehr als 2000 angestiegen. Den Gartenbesitzern bringt das aber wenig. Denn ihre Grundstücke am Waldrand sind ein sogenanntes "befriedetes Gebiet", erklärt die Pressesprecherin. "Eine Bejagung hier ist nicht möglich, das ist viel zu nah am Wohngebiet – ein absolutes Tabu."

Mit kleinen Tricks können die Anwohner aber versuchen, die Schwarzkittel fernzuhalten: So sollte man beispielsweise mögliche Nahrungsquellen, also Kompost oder Fallobst wegräumen oder geschlossen halten. Zudem gebe es spezielle Vergrämungsmittel im Handel, also Duftstoffe, die die Wildschweine fern halten sollen. "Das einzige, was sie wirklich fern hält ist aber ein wilddichter Zaun ringsum", betont Spahn.

Das wollte Pühl eigentlich vermeiden. Er mag seinen kleinen, lockeren Zaun. "Wir haben hier immer wieder Verbisse vom Reh, zum Beispiel die Rosenköpfe", erzählt er. "Da lach’ ich drüber. Aber das?" Er schüttelt den Kopf. "Ich hatte einen gepflegten Rasen. Jetzt nicht mehr." Ob er versucht, die Erde wieder feszutreten oder gleich ganz umgräbt und neu sät, weiß er noch nicht. "Ich bin schon froh, wenn ich das einigermaßen wieder hinbekomme." Schadenersatz steht Anwohnern ist so einem Fall nicht zu.

Spahn ringt mit Worten. "Ich kann total verstehen, dass das sehr ärgerlich ist. Aber wir versuchen dennoch für die Betroffenen da zu sein."