Calw

Vanessa Mai begeistert beim Klostersommer

von Bianca Rousek

Calw-Hirsau - Schon als Vanessa Mai beim Klostersommer zum ersten Ton ansetzt, sind ihre Fans bereit für eine Mega-Party. Denn die 26-Jährige steht für eine neue Generation des Schlagers: Jung, modern, rockig und bodenständig.

Die Aufregung des Publikums beim Klostersommer ist beinahe zu greifen. Gleich wird Vanessa Mai auf der Bühne stehen. Neben Helene Fischer das Gesicht des neuen deutschen Schlagers. Das Kloster gleicht einem Bienenstock. Fotografen drängen sich direkt vor der Bühne, um gleich das beste Bild zu erhaschen, die Besucher suchen schnell ihre Plätze. Und dann steht sie da. In derben weißen Stiefeln, einer weißen, weiten Netzhose und einem Glitzerbustier, mit offenen Haaren und einem breiten Lächeln im Gesicht.

Durch die Zuhörerreihen

Ohne etwas zu sagen, beginnt sie mit dem ersten Lied "Der schönste Moment". Das Publikum klatscht sofort mit, den Bass spürt man bis in den eigenen Körper. "Wir bleiben hier im schönsten Moment. Heut’ gibt es nichts mehr, das uns trennt", singt Mai. Nur kurze Zeit später wird deutlich, dass die 26-Jährige das auch wirklich meint. Sie hüpft von der Bühne und läuft durch die Gänge, bis ganz nach oben zur letzten Reihe. Sie wechselt hier ein paar Worte mit einem Besucher, lässt sich an anderer Stelle von einer Frau mit einer Creme gegen Insektenstiche versorgen. Dabei plaudert sie munter ins Mikrofon, zum Beispiel von einem Auftritt in Baden-Baden, als sie versehentlich "das schöne Schwabenland" gelobt hat. "Mann, das hat Pfiffe gegeben", lacht Mai.

Die 26-Jährige will keine Distanz aufbauen zu ihren Fans. Schon von Beginn an dürfen Kinder bis vorne an die Bühne kommen. Einige überreichen ihr selbst gebastelte Plakate, was mit einem Küsschen von der Sängerin höchstpersönlich belohnt wird. Sie scheut sich aber auch nicht, Klischees durch den Kakao zu ziehen. "Wer von euch wurde hierher mitgeschleppt?", fragt sie ins Publikum. Einige Hände gehen nach oben. "Tja, herzlich willkommen bei Vanessa Mai."

Es ist schon ein beeindruckendes Bild. Die Kulisse des Klosters, auf der Bühne ein riesiges "M", das in allen Farben leuchtet, die fünfköpfige Band und dazwischen Mai, die singt und tanzt, als gäbe es kein Morgen. Das scheint auch die Künstlerin selbst zu berühren. Als sie eines der Lieder aus ihrem neuen Album präsentiert – "Stärker" – kann sie die Tränen nicht mehr zurückhalten. "Ich bin so überwältigt. Danke, dass ihr das Lied so angenommen habt."

Schlichter Titel

Die 26-Jährige hat sich ganz und gar dem Schlager verschrieben. Und dazu steht sie. Ihr neues Album trägt schlicht den Titel "Schlager" und das Wort steht in allen Schattierungen auf dem "M". Und obwohl es eine völlig neue Art des Schlagers ist, die Mai auf die Bühne bringt, interpretiert sie auch ältere Lieder, wie zum Beispiel "Verdammt, ich lieb’ dich" von Matthias Reim oder "Ohne dich" von der Münchner Freiheit. Zu diesem Zeitpunkt ist das Konzert beim Klostersommer längst zu einer riesigen Party geworden. Alle stehen, klatschen, tanzen. "Ihr seid mit das geilste Publikum, das ich je erlebt habe", ruft Mai, leicht außer Atem vom Tanzen. Und dann geht es schon wieder weiter mit Liedern, die so rockig und modern klingen, dass man gar nicht mehr weiß, ob Mai nun eher eine Schlagerprinzessin oder doch eine waschechte Rockerbraut ist.

Beim Abschied von ihrem Publikum ist sie dann aber wieder einfach eine junge Frau, die wahnsinnig dankbar dafür ist, mit ihrer Musik auf der Bühne stehen zu dürfen. "Oh Gott ich sag’ schon wieder viel zu oft Danke", lächelt sie beinahe verschämt und hält sich die Hand vors Gesicht. "Lasst uns uns bitte wiedersehen." Wirft man einen Blick zu den begeisterten Fans – vom kleinen Kind bis zur 80-jährigen Dame – wird sie das nicht zweimal sagen müssen.