Calw

Übung liefert wichtige Erkenntnisse

von Steffi Stocker

Dichte Nebelschwaden zogen am Montagabend über das Haus Nagoldtal und den daneben liegenden Einkaufsmarkt. Sie simulierten die Rauchentwicklung nach einer Explosion, in deren Folge im Seniorenheim mehrere "Vermisste" gerettet wurden.

Calw-Hirsau. "Es wurde davon ausgegangen, dass es in der Hütte hinter dem Gebäude, in der Gasflaschen lagern, zur Explosion gekommen war und ein Teil des Hauses verschüttet ist", berichtete Stadtbrandmeister Dirk Patzelt von der Ausgangslage des Szenarios, bei der weiter Explosionsgefahr bestehe. Insgesamt 14 Personen wurden den eintreffenden Feuerwehrleuten als vermisst angegeben und schon bald waren erste Hilfeschreie am Fenster zu hören. "Neben elf Mitgliedern aus der Alterswehr beteiligten sich auch drei Bewohner als Vermisste", zollte Patzelt den Mitwirkenden Anerkennung.

Durchdringender Nebel macht Sicht schwierig

Indes war die Übungsannahme weder den Feuerwehrleuten der Abteilungen Hirsau und Calw, noch den Mitarbeitern im Haus Nagoldtal im Vorfeld bekannt. Umso mehr lobte der Stadtbrandmeister, als einer der Pfleger den am Fenster um Hilfe schreienden Statisten aus dem Zimmer holte und zum sicheren Sammelplatz brachte, bevor die Feuerwehrleute ihn über eine Leiter holten. Durchdringender Nebel reduzierte zunehmend die Sicht, sodass die Feuerwehrleute unter Atemschutz auf die Suche nach den Vermissten gingen. Betroffen war ein Bereich mit 13 Bewohnern, wie Hausbetreiberin Alexandra Patzelt berichtete. Selbst als aufgeregte Verantwortliche in die Übung involviert, die ihre Mitarbeiter und Bewohner sucht, war sie erste Ansprechpartnerin für Einsatzleiter Michael Neubauer.

"Ein Schwerpunkt war zudem das Büro des Heimleiters, das komplett verraucht war, aber auch die EDV-Infrastruktur beinhaltete", resümierte der Stadtbrandmeister, dass keine Möglichkeit bestand, Bewohnerlisten und die Anzahl von Dienst habenden Mitarbeiter zu erhalten. Unterdessen wurden auch in dem Büro zwei Verletzte gerettet, die aufgrund starker Rauchgasvergiftung reanimiert werden mussten, so die Übungsannahme.

Die Feuerwehrleute nahmen zudem die Erkenntnis mit, dass sie ihre Funkkanäle trennen müssen. Insgesamt 45 Brandschutzkräfte waren mit sechs Fahrzeugen an der vermeintlichen Einsatzstelle. "Erschreckend war, dass von den Passanten nur eine Frau reagierte und helfen wollte, wohl aber über die sozialen Netzwerke Informationen und Bilder eines angeblichen Brandes verteilt wurden", zeigte sich die Hausbetreiberin schockiert. Dagegen hätten sich Mitarbeiter, die frei hatten, telefonisch gemeldet, ob sie zur Hilfe kommen sollen. "Es war eine schwierige Lage und wir werden hausintern die Übung im Kontext mit der Feuerwehr aufarbeiten, um für den Notfall gerüstet zu sein", sagte Alexandra Patzelt.

Vier Beobachter aus den Reihen der Feuerwehr lassen die Erkenntnisse in die Ausbildung einfließen.