Calw

Rot wie die Liebe, rot wie das Blut, rot wie die Leidenschaft

von Roland Stöß

Calw. Die Volkshochschule (VHS) lud zu einer literarisch-musikalischen Revue ein. Karin Fu unterhielt mit Geschichten, Gedichten und Liedern. Die Programmteile waren wie durch einen roten Faden thematisch miteinander verbunden: Die Farbe Rot und die Rose.

Die kleine Bühne im Foyer der VHS war in rötliches Licht gehüllt. Die Künstlerin selbst trug "neben roten Brillenbügeln und einem roten Schal nichts Rotes, denn ihre roten Lackschuhe sähen zwar schön aus, wären aber nur unbequem" klärte sie humorvoll auf. Fu, eigentlich Karin Friedle-Unger, aus der Kleinkunstszene Heilbronns, zeigte ihr vielseitiges Talent. Sie überzeugte mit Geschichten, Gedichten und Liedern. Ihr Programm: Die rote Rose, diese Blume der Blumen. Mit Leichtigkeit und Tiefgang erkor sie die Farbe rot zur Farbe der Farben. Dabei griff sie in die Klaviertasten, um sich selbst zu begleiten. Alle Botschaften kamen in deutlichster Klarheit beim Publikum an. Und es wurde deutlich, dass Literatur und Lieder von der Farbe rot und der Rose geradezu beherrscht werden. Kein Dichter, der sie nicht bedichtete, kein Sänger, der sie nicht besang. "Rot ist die Farbe der Leidenschaft. Rot ist das Blut. Rot ist die Farbe der Revolution", so Fu. Und die rote Rose gilt als Symbol für ewige Liebe.

Tiefer Sinn

Fu bot ihrem Calwer Auditorium stetige Abwechslung zwischen Lesung und Musik. Sie bestach mit einem Feuerwerk von Liedern und Gedichten. Der Hörer vernahm, wie sich Maria Stuart vor ihrem Enthauptungstod Ihres Kleides entledigte, um das Symbol einer Märtyrerin, das scharlachrote Unterkleid, zu zeigen. Texte des Satirikers Robert Gernhardt oder des später ausgewiesenen DDR-Liedermachers Wolf Biermann waren nur einige Beispiele, die tiefen und messerscharfen Sinn einerseits sowie die Vielseitigkeit der Darstellerin andererseits verdeutlichten. Das Programm war kontrastreich. Ein Kinderlied von den roten Kleidern und das knallrote Gummiboot kamen ebenso vor wie das modern abgewandelte Schauermärchen vom Rotkäppchen.

Der Kriminaltango, Brechts Grabschrift für Rosa Luxemburg und die vollständig gesungene russische Nationalhymne bewies die Affinität Fus zur Geschichte des Ostens. Nach eigenen Worten war die Künstlerin aus dem Hohenlohischen einst dem Rebellischen zugetan und lernte, gegen elterlichen und der Lehrer Rat, Russisch. Sie sang noch Lynn Andersons "Rosegarden", um nach Hildegard Knefs "Für mich soll’s rote Rosen regnen" ihren Lohn zu erhalten: einen langen Schlussapplaus.

Ursula Fuchs von der VHS betreute diesen Abend. Eigentlich Buchhändlerin, organisiert diese mittlerweile die Reihe "Das nackte Theater" in der VHS. Im Eintrittspreis enthalten ist für die Gäste immer eine leckere Suppe. Diesmal passte sogar die Farbe. Es gab Tomatensuppe.