Calw

Rainhard Fendrich bei ausverkauftem Klostersommer

von Alfred Verstl

Calw-Hirsau - Ob Haindling, von Goisern oder Ambros – Bayern- und Austropop geht im Klostersommer. Auch der Wiener Rainhard Fendrich sorgte für ein ausverkauftes Haus.

Füllig ist er geworden. War es Selbstironie, dass Fendrich gleich zu Beginn das Spottlied "Es lebe der Sport" sang? Immerhin sieht er besser aus als sein inzwischen spindeldürrer Landsmann Wolfgang Ambros.

Sei’s drum. 17 Studioalben liegen von Fendrich inzwischen vor. Da lässt sich, wie der Sänger, Texter, Komponist, Moderator und Schauspieler sagt, trefflich in alten Schubladen kramen. Das hat der 62-Jährige ausgiebig getan. Genau das wollte das Publikum, die meisten davon in seinem Alter, auch hören.

Spöttisch sind seine bekanntesten Lieder

Spöttisch-satirisch sind seine bekanntesten Songs. So wie "Macho, Macho", mit dem der Österreicher 1989 den Durchbruch in Deutschland schaffte. Oder "Tango Korrupti", ein Text mit unvergleichlichem Sprachwitz. Da muss nichts sterben, damit es sich reimt, da sitzt jede Silbe.

Fendrich kann handfest politisch werden. Wer ihn vor allem als Moderator der Kuppelshow "Herzblatt" in Erinnerung hat, mag das überraschen. Dabei wendet er sich im Titellied seiner neuen CD "Schwarzoderweiss" (2016) gegen Rassismus. Politisch war er auch früher. "Frühling in Berlin" beschäftigt sich auf voller Poesie mit dem grauen DDR-Sozialismus der Vorwendezeit.

Journalisten können zuweilen bösartig sein. "Können Sie das eigentlich selbst noch hören, was Sie seit 30 Jahren singen?", wird Fendrich zuweilen gefragt. Wenn man hört, wie inbrünstig und akzentuiert er mit ausdrucksstarker und kraftvoller Stimme sein wohl schönstes Liebeslied "Weus’d a Herz hast wia a Bergwerk" singt, braucht solche Fragen nicht zu stellen. Zumal Band und Sound exzellent sind. Es kribbelt noch immer, wenn er auf der Bühne steht, sagt Fendrich. Deshalb will er weiter machen. Der Stimmung beim Calwer Auftritt nach zu ­schließen hätte kaum jemand was dagegen, wenn er wiederkommt.