Calw

Nicht mehr allein an Heiligabend

von Bianca Rousek

Weihnachten ist für viele das schönste Fest des Jahres. Für andere, jene denen es nicht so gut geht, ist der 24. Dezember verbunden mit Einsamkeit oder Trauer. An diese Menschen richtet sich "Weihnachten mit Herz" – ein Fest, zu dem jeder kommen kann. Dafür werden noch Helfer gesucht.

Calw. Lieder, ein geschmückter Christbaum und Geschenke sind für die meisten Menschen an Weihnachten eine Selbstverständlichkeit. Doch was, wenn man kein Geld hat, um Geschenke zu kaufen? Wenn man keinen Schmuck besitzt, den man an den Baum hängen könnte? Oder wenn man niemanden hat, mit dem man Weihnachtslieder singen kann? "Viele Menschen fragen sich vor Weihnachten: ›Wie soll ich diesen Tag überstehen?‹", sagt Dieter Raschko, Pfarrer der evangelischen Stadtkirchengemeinde. Für diese Menschen gibt es in Calw seit fünf Jahren "Weihnachten mit Herz". "Ein Fest für alle, denen es das ganze Jahr schon vor Weihnachten graust", so Raschko. Bei dem Fest in der Calwer Aula gibt es gutes Essen, es wird gemeinsam gesungen, die Besucher kommen miteinander ins Gespräch, sie bekommen Geschenke, die Weihnachtsgeschichte wird verlesen. Alles eben, was zu einem richtigen Weihnachtsfest gehört. Für Kinder gibt es eine Bastelecke, die größeren können sich am Tischkicker im Foyer austoben. Manchmal gibt es auch ein Krippenspiel, bei dem die Besucher mit eingebunden werden – teils sogar in mehreren Sprachen. Ein Erlebnis aus den vergangenen Jahren sei Raschko dabei besonders in Erinnerung geblieben: "Wir hatten beim Krippenspiel kein Jesuskind. Eine syrische Familie hat uns dann spontan ihr Baby in den Arm gegeben."

Es sei mittlerweile schon Tradition, dass einige Flüchtlinge, vor allem minderjährige, die sonst alleine sind, zu diesem besonderen Weihnachtsfest kommen. Aber auch Senioren, die alleine sind, wohlhabende Menschen, die einfach mal ein anderes Fest erleben möchten und Familien mit Kindern sind da. "Ein bunt gemischtes Publikum", so Raschko. Etwa 200 Menschen seien es im vergangenen Jahr gewesen, aus insgesamt elf Nationen und allen sozialen Schichten.

Angefangen hat das Projekt "Weihnachten mit Herz" wesentlich kleiner. Mit rund 70 Gästen im Haus der Kirche. "Das wurde aber viel zu eng mit der Zeit", erinnert sich Raschko. Deshalb haben sie sich schließlich entschieden, in die Aula zu wechseln. "Obwohl die normalerweise an Weihnachten nicht vermietet wird." Raschko setzt sich schon lange dafür ein, dass niemand alleine Weihnachten feiern muss. "Das mache ich seit ich Pfarrer bin, früher auch in anderen Städten", erzählt er. Für ihn ist es mittlerweile ganz selbstverständlich, dass er und seine Familie in der Aula Weihnachten feiern. "Meine Kinder haben nie was anderes erlebt. Und ich kann mir ein ›normales‹ Weihnachten nicht vorstellen", sagt der Pfarrer. Auch Krüger hat die vergangenen Heiligabende immer bei "Weihnachten mit Herz" verbracht. Und es nicht bereut. Sie hat sogar immer ihre Familie mitgebracht. "Es ist jedes Jahr ein ganz tolles Erlebnis", schwärmt sie. "Wenn die Leute sich freuen, gibt das so viel zurück."

Wichtig sei Krüger und Raschko vor allem, dass die Veranstaltung einen gewissen Stil hat, betonen sie.

Feier endet mit Segen und gemeinsamem Lied

Also: Keine Selbstbedienung, sondern Helfer, die das Essen servieren, Dekoration, freundlicher Empfang. Eigens für die Begrüßung werden Helfer engagiert, die für einen guten ersten Eindruck sorgen sollen. Zudem gibt es einen Hol- und Bringdienst, damit keiner allein nach Hause laufen muss. Für all diese Aufgaben sowie für die Garderobe, das Bedienen und das Aufräumen werden noch rund 50 Helfer gesucht. "Wir brauchen auch Leute, die sich einfach zu den Besuchern setzen und mit ihnen reden. Leute, die gut zuhören können", sagt Raschko. Und: "Uns ist wichtig, dass auch die Helfer mitfeiern können." Einlass zum Weihnachtsfest ist am Montag, 24. Dezember, um 18 Uhr. Das Essen stammt von der Erlacher Höhe. Es gibt es eine Suppe, weihnachtlichen Salat, Rinderbraten mit Spätzle, Dessert und Weihnachtsgebäck. "Ein richtig gutes Weihnachtsessen", betont Raschko. Alle Speisen sind halal, "wegen unserer muslimischen Gäste", erklärt Krüger. Natürlich gibt es auch ein vegetarisches Menü. Nach dem Programm endet das Fest um 22 Uhr mit dem Weihnachtssegen und dem Lied "Oh du Fröhliche". Dann reihen sich traditionell alle ein in die "Verabschiedungsschlange" – jeder wird per Handschlag verabschiedet. Anmelden muss man sich vorher nicht. "Jeder kann einfach kommen und ein schönes Weihnachtsfest feiern."

Weitere Informationen: Wer helfen möchte oder einen Abholdienst braucht, kann sich bei Raschko unter der Nummer 07051/121 95 melden.