Calw

Kreis will bei Umsetzung keine Zeit verlieren

von Sebastian Bernklau

Landrat Helmut Riegger und Projektleiter Albrecht Reusch wollen bei der Umsetzung des Klinikkonzepts so schnell wie möglich Nägel mit Köpfen machen. Im Gespräch mit dem Schwarzwälder Boten informierten beide über Details der Umsetzung – und auch über Details über das Angebot am Standort Calw.

Nagold/Calw. Für Helmut Riegger ist die Lage klar. Mit überdeutlicher Mehrheit hat der Kreistag die Umsetzung des Klinikkonzeptes "3plus" beschlossen. Und jetzt geht es so schnell wie möglich an die Umsetzung. "Wir lassen uns nicht von unserem Weg abbringen", macht er im Gespräch im Calwer Landratsamt deutlich. Der Weg ist klar: Bis 2020 soll das Krankenhaus in Nagold für 38 Millionen Euro umgebaut werden. In Calw soll für 36 Millionen Euro ein neues Klinikum entstehen. Als Fertigstellungszeitraum hat man auch da das Jahr 2020 im Blick.

Beginnen wird man mit dem Projekt Nagold – "und das so schnell wie möglich", wie Kreischef Riegger sagt. Allerdings wird die Maßnahme kein Spaziergang, immerhin soll das Krankenhaus im Bestand und unter Vollbetrieb von Grund auf saniert werden. "Das dürften drei härtere Jahre dort am Standort werden", befürchtet Albrecht Reusch.

Man hat sich viel vorgenommen. "Im Grunde wird es ein neues Krankenhaus", so Reusch. Zunächst soll ein neues Gebäude entstehen, in dem im Erdgeschoss die Dialyse ihren Platz finden wird. In den beiden oberen Stockwerken sollen Pflegebetten – darunter auch mehrere Betten in Isolierzimmern – ihren Platz finden. Diesen Platz wird man brauchen.

So schnell wie möglich Nägel mit Köpfen machen

Denn sobald dieser Bau fertig ist, will man den Bestandsbau ("Da ist Vieles im Zustand der 1970er") stockwerksweise sanieren und in dem Zug alle Abteilungen neu strukturieren. Notaufnahme, Ambulanzen, stationäre Aufnahme, OP-Bereich und die Intensivstation werden neu geordnet. Dazu entsteht im vorderen Bereich – dort wo sich heute die Patiententerrasse befindet – ein Anbau für das medizinische Versorgungszentrum. Was die Patientenzimmer angeht, wird am Ende eine komplett durchgängige Zwei-Bett-Zimmer-Struktur stehen. Für diese Maßnahme sind die Architekten bereits beauftragt, auch das Nagolder Planungsbüro Schnepf wird seine Fachkenntnisse in den Umbau einbringen.

Nicht nur was Nagold angeht sondern auch im Fall Calw wollen Riegger und Reusch so schnell wie möglich Nägel mit Köpfen machen. Allerdings ist das bei einem kompletten Neubau auf der grünen Wiese naturgemäß langwieriger, weil mit mehr Planungsarbeit und Formalien verbunden. Trotz allem sei man da derzeit im Zeitplan, berichtet Albrecht Reusch. Bis Spätherbst will man den Raum- und Funktionsplan des neuen Krankenhauses erarbeiten – in enger Absprache mit denen, die das Krankenhaus später nutzen werden, also Ärzten und Pflegepersonal.

Platz finden sollen in dem Gebäudekomplex insgesamt 135 Pflegebetten: 66 für die Innere Medizin, neun für die Allgemeinchirurgie, 23 für Unfallchirurgie und Orthopädie, 25 für den Schwerpunkt Neurologie, zehn für die Frauenheilkunde und eines für Hals-Nasen-Ohren. Mit Blick auf aktuelle Befürchtungen – etwa des Zentrums für Psychiatrie – betonten Riegger und Reusch erneut, dass auch vier Betten für die Intensivmedizin, vier für die Überwachungseinheit und vier Betten für Schlaganfall-Patienten im neuen Calwer Krankenhaus vorgesehen sind.

Für die Umsetzung des Vorhabens begibt man sich derzeit auf die Suche nach dem Architekten – inklusive Wettbewerb und Preisgericht. Ein Vorgang, der sich bis ins Jahr 2018 hineinziehen dürfte. Im Verlauf dieser Suche wird auch die Stadt Calw ihr Bebauungsplanverfahren für den Standort im Stammheimer Feld auf den Weg bringen.

Nach Ansicht von Landrat Helmut Riegger sollte die Stadt Calw auch in einer anderen Sache, die das Projekt betrifft, endlich Nägel mit Köpfen machen: bei der Straßenverbindung von der Haarnadelkurve beim Landratsamt in Richtung Nagoldtal. Diese Straße würde nicht nur das Stammheimer Feld mit der Klinik erschließen, sondern auch die Stadt selbst deutlich vom Verkehr entlasten.

Auch wenn der Bau der Klinik für den Landkreis Priorität hat, der um das Krankenhaus herum geplante Gesundheitscampus ist für Riegger und Reusch ein ganz entscheidendes Puzzleteil für eine gute medizinische Versorgung des Raums Calw – und ein zukunftsträchtiges dazu. "Dieses Modell der sektorenübergreifenden Zusammenarbeit ist etwas völlig Neues, das ist der Standard des Jahres 2025", ist Landrat Helmut Riegger überzeugt. Diese Meinung teilten im übrigen auch die Kassen, die das Vorhaben unterstützen.

Und auch bei den fixen oder möglichen Partnern ist das Interesse groß. Fest stehen da das Zentrum für Psychiatrie und ein nephrologisches Zentrum. Dazu kommt ein "Haus der Gesundheit" unter anderem mit kardiologischem Angebot, mit Pflegestützpunkt und zwei unterschiedlichen Gesundheitszentren.

Wie Albrecht Reusch im Gespräch mit dem Schwarzwälder Boten betont, könnten auch durchaus noch weitere Partner Platz auf dem Campus finden. "Das Interesse etwa bei niedergelassenen und Fachärzten ist jedenfalls vorhanden", so Reusch, der auch eine IT-Vernetzung der Klinik mit dem übrigen Campus ins Auge gefasst hat.

Auch auf die Frage, was denn nun eines Tages mit dem Standort des aktuellen Krankenhauses Calw passiert, äußerte sich Kreischef Helmut Riegger – wenn auch zurückhaltend. Angesichts der Nachfrage und der Zinssituation "bietet sich die Wohnbebauung an", so Riegger. Viel mehr wollte er zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht sagen – abgesehen von der Ankündigung, dass der Kreis, dem in dem Gebiet weit mehr als nur das Krankenhaus gehört, "zum gegebenen Zeitpunkt verkaufen wird".

Laut Medizinkonzept "3plus" sind ab 2020 folgende Bettenzahlen für die beiden Kliniken vorgesehen:

  Calw:

Innere Medizin: 66; Allgemeinchirurgie: 9; Unfallchirurgie/Orthopädie: 23; Neurologie: 25; Frauenheilkunde: 10; Hals- Nasen- und Ohrenheilkunde: 1

  Nagold:

Innere Medizin (Kardiologie): 71; Innere Medizin (Gastroenterologie): 71; Allgemein- und Viszeralchirurgie: 52; Orthopädie und Unfallchirurgie: 34; Urologie: 28