Calw

Klostersommer: Stumpfes mit fulminanter Show

von Roland Stöß

Calw-Hirsau - Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute kommt von nah? Mit "Füenf" und "Herrn Stumpfes Zieh & Zupf Kapelle" zogen gleich zwei Bands aus der schwäbischen Region eine fulminante Musikshow beim Hirsauer Klostersommer ab – gespickt mit Parodien, Satire, Witzen sowie jeder Menge frechem Tief- und Unsinn.

Das volle Haus im Hirsauer Kreuzgang erkannte rasch: Alle können richtig gut Musik machen. Das muss einen auch nicht wundern. Sind doch alle ordentlich ausgebildete Könner ihres Fachs. Sie haben ihr Handwerk von der Pike auf gelernt. So beherrschen sie ihre Instrumente, womit auch die Stimme gemeint ist, perfekt.

Fünf ganz in weiß gekleidete Herren stürmten die Bühne und machten zunächst einmal einen auf Satire: "Es geht auch ohne Musik." Die Boygroup "Füenf" zog sofort die Publikumskarte. Unter Anleitung der Gesangsprofis ertönte aus Hunderten von Kehlen der Gassenhauer "Sternenhimmel". Bei Wolle Kriwaneks "UFO" zeigte das Volk Lokalpatriotismus und Textsicherheit. Die fünf Jungs – sie nennen sich Pelvis, Memphis, Little Joe, Justice und Dottore Passo, überzeugten mit ihrem einzigen sowie einzigartigen Instrument, das sie dabei hatten: ihren Stimmen.

Und wenn dann doch eine Trompete oder ein Kontrabass herauszuhören war, erzeugte dies die A cappella-Band selbst; eben auch mit ihren Stimmen. Zu jedem Thema, das sie besangen, waren die Jungs darstellerisch, gestenreich und tänzerisch auf der Höhe. Es war eine Comedymischung aus bekannten Ohrwürmern und Eigenkompositionen. Da durfte kein Auge trocken bleiben. Natürlich gab es auch noch den größten Hit: "Mir im Süden" hat inzwischen Kultstatus erreicht.

Beim Schlümpfe-Lied stürmten dann die Stumpfes die Bühne. "He – ›Schlümpfe‹, nicht Stumpfe." Doch es war zu spät. Sie waren da. Angetreten mit dem Ziel, "erfolgreich gegen die Hektik anzukämpfen" und unter dem Motto "Heut nemma – und morga net glei" stellten sie sich zuerst einmal gemeinsam mit den Fünfen zum Gruppenfoto. Mit einem gröhlenden Riesenpublikum im Rücken. Die Show, die dann folgte, war witzig, einfallsreich und sucht sicherlich ihresgleichen in der Szene.

Vier "skrupellose Hausmusiker" können in der Tat alles, was der Bandname verrät: Instrumente ziehen, zupfen, blasen, trommeln. Die Instrumente wurden durchgereicht. Jeder spielte alle Klanggeräte, die greifbar waren – und das waren recht viele. Die Stumpfes belegten hemmungslos bekannte Hits mit neuen Texten in herrlichstem Ur-Schwäbisch. So wurde aus dem Song "Highway to hell" "I bin äm Schreiner sei G’sell". Stumpfes Credo ist eben "ja, ja, ja bleede Witz – ko i emmer heera. Bleede Witz – han i oifach gera. Scheene, bleede Witz sen oifach guat".

Künstler nehmen Publikum mit

Aus dem "Smooth operator" wurde ein Schulamtsvertreter. Marcel Selle Hafner schüttelte den Kopf über manch einen Zuhörer, der hier sogar "schwuler Vertreter" herausgehört haben wollte. Überhaupt vergaßen Flex Flechsler, Manne Arold sowie Benny Banano nie, das Publikum mit zu nehmen. Zur Melodie von "You’ve got a friend" stellten sie die Frage an das Auditorium, wer denn schon einmal fremdgegangen sei, der möge sich melden. Da sich keiner meldete folgte die Ergänzungsfrage "wer denn vorhat, mal fremd zu gehen".

Zum Schluss trafen sich die beiden Bands noch einmal auf der Bühne. Das "Bemberle duat weh" ("The lions sleeps tonight") durfte ja nicht fehlen. Das Konzert war soeben fertig gespielt und gesungen. Just zu dem Zeitpunkt, als der erste Ruf nach einer Zugabe hörbar hätte werden können, begann es zu blitzen, zu donnern und zu schütten. Schade deshalb, denn sowohl die Zuschauer als auch die Musiker waren so fantastisch gut drauf, dass der Zugabeteil das fette Tüpfelchen auf dem "i" bedeutet hätte. Sicherlich hätte das Konzert dann noch lange gedauert. Dennoch überwiegt das positive Fazit: Mehr als zwei Stunden gute Musik mit viel Humor und schrägen Typen. Da kann man nicht meckern.