Calw

Kaum eine Gemeinde, die nicht ausbaut

von Bianca Rousek

Kreis Calw. Seit 2005 gibt es bundesweit einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für Kinder ab der Vollendung des ersten Lebensjahres. Im Kreis Calw komme man diesem ohne nennenswerte Probleme nach, steht in der Vorlage zur jüngsten Sitzung des Jugendhilfeausschusses des Kreistags. Und das trotz der Tatsache, dass die Kinderzahlen seit einigen Jahren wieder ansteigen.

Vor allem bei den Altersgruppen von drei bis sechs Jahren sowie von sechs bis zehn Jahren haben die Zahlen ordentlich zugelegt. Bei den Drei- bis Sechsjährigen hat sich die Zahl der Kinder seit 2017 sogar von 4074 auf 4340 erhöht. Was mitunter natürlich zu Platzproblemen führen kann, wie Christa Blattner, Fachberatung der Tageseinrichtungen für Kinder im Landkreis Calw der Diakonie, erläuterte. Bei den älteren gab es einen Zuwachs um 44 Kinder. Lediglich die Anzahl der Zehn- bis 14-Jährigen hat abgenommen und zwar um 155 auf 6135 Kinder.

Dementsprechend war vor allem im U3-Bereich der Kindertagesbetreuung ein größeres Angebot notwendig. Dieses wurde nochmals um zehn Prozent auf 1203 Plätze aufgestockt. "Es werden Plätze und Investitionen benötigt", betonte Blattner. "Aber es gibt gerade auch so gut wie keine Gemeinde, die nicht am Überlegen ist. Neubau, Anbau, Umbau von Kindertageseinrichtungen ist gerade in fast allen Gemeinden Thema."

Pädagogen stehen vor immer größeren Herausforderungen

Die Betreuungsquote, also die Kinder zwischen null und drei Jahren, die ihr Recht auf einen Platz in Anspruch nahmen, lag bei 28 Prozent. Im vergangenen Jahr dagegen noch bei 25,6 Prozent. "Nachdem der Rechtsanspruch lediglich die ein- bis dreijährigen Kinder umfasst, ist von einer Gesamtbetreuungsquote von knapp 38 Prozent auszugehen", heißt es dazu in der Sitzungsvorlage.

Nach wie vor die beliebtesten Betreuungsformen für die jüngste Altersgruppe sind die Krippe, die Kindertagespflege (bei Tagesmüttern) sowie altersgemischte Gruppen mit verlängerten Öffnungszeiten (VÖ). Letztere haben jedoch eine sinkende Tendenz. Immer weniger werden auch Regelgruppen mit einem Vor- und Nachmittagsangebot besucht.

Für die Mitarbeiter der Einrichtungen sei die Entwicklung nicht immer einfach, sagte Blattner. Nicht nur die veränderte Arbeit durch die vermehrte Ganztagesbetreuung, sondern auch die immer mehr werdenden Angebote für Kleinkinder, die kulturellen sowie sprachlichen Unterschiede – unter anderem durch die 101 Flüchtlingskinder – stellen eine große Herausforderung dar. Und das gerade in Zeiten, in denen der Fachkräftemangel auch in den Kindertageseinrichtungen Einzug hält.

"Es gibt Plätze, die wir nicht besetzen konnten", beklagte Blattner. Auf Ausschreibungen melden sich nicht viele Bewerber und die Stellen immer nur durch (Anerkennungs-)Praktikanten zu ersetzen, sei auch keine Lösung. Denn denen fehle naturgemäß noch die nötige Erfahrung. "Es wäre schön, wenn sich Hauswirtschaftskräfte finden würden, das müssen ja keine Fachkräfte sein", sagte Blattner. "Das wäre eine Entlastung für die Erzieher." Und dann könne auch das Leitbild der Kindertageseinrichtungen besser erfüllt werden: "Sie sollen ein Ort zum Leben sein."