Calw

Blackmore's Night beim Klostersommer in Hirsau

von Bettina Bausch

Calw-Hirsau - Die zahlreichen Besucher des Calwer Klostersommers ließen sich am Sonntagabend von dem ­großen Aufgebot an Security- kräften und der Polizeipräsenz nicht verunsichern. Viele waren von weit her angereist und freuten sich auf einen romantisch-rockigen Abend im stimmungsvollen Ambiente des mittelalterlichen Klosterkreuzgangs.

Die dunklen Wolken verzogen sich nach kurzem Regenschauer wieder und die Zuhörer waren schnell in bester Stimmung Zuhören, Mitklatschen, Mitsingen und sogar Tanzen, eben ausgelassen feiern, war angesagt. Mehr als 1400 Besucher des ausver- kauften Blackmore-Night- Konzerts freuten sich auf eine bunte musikalische Mischung durch das gesamte Schaffen der Blackmore-Band.

Wer vor allem wegen des berühmten Musikers Ritchie Blackmore, dem legendären Gründer und Gitarristen von Deep Purple, gekommen war, konnte zunächst nur staunen. Denn der unvergessliche Abend gehörte eindeutig seiner strahlenden Ehefrau und Muse Candice Night. Die ver- sierte Allrounderin verstand es gleich zu Beginn, in ihrer fröhlichen, offenen Art mit humorvoll eingestreuten Ansprachen im Plauderton das Publikum für sich zu gewinnen. Schnell lief die begnadete Dichterin und stimmgewaltige Sängerin zu großer Form auf. Sie versprühte ihren Charme und sang mit ihrer großartigen samtig-warmen Stimme mal ruhig-besinnlich und dann auch wieder mitreißend-dynamisch.

Wie in früheren Zeiten

Bei soviel Sympathie und Begeisterung für seine attraktive, energiegeladene Frau konnte Blackmore nur im zweiten Glied bleiben. Und doch ließ der begnadete Ausnahmegitarrist immer wieder sein Können aufblitzen und erinnerte damit an frühere Zeiten, als er für viele "der Gitarrengott" mit ausgeprägtem Hard-Rock-Profil war.

Musikalisch hat sich der erfahrene Vollblutmusiker zusammen mit seiner geradezu charismatischen Partnerin ein völlig neues, musikalisches Ambiente geschaffen, das beim Publikum hervorragend ankam. Es ist eine erfolgreiche Mischung aus Renaissance-, Rock- und Folkmusik, die den beiden ambitionierten Künstlern einen Fan-Kreis in fast allen Ländern dieser Welt geschaffen hat. Die begeisterten Fans waren auch in Hirsau nicht zu übersehen, zumal die als Knappen oder Ritterfräulein mittelalterlich gewandeten Besucher zumeist die vorderen Reihen besetzt hatte und überaus lebendig agierten. Wie zu vernehmen war, reisen einige sogar "ihrer Band" hinterher, um möglichst jedes Live-Konzert mitzuerleben. Die Zuhörer wurden dann auch in Hirsau schnell in den Bann von Candice, Ritchie & Co. gezogen.

"Hey, Hey, Hey", erklang es mitreißend von der Bühne. Und es folgten unverwechselbar gefühlvolle Songs und Balladen, die ihre Wurzeln in der Renaissance haben. Der Funke sprang über, und die von ihm ergriffenen Zuhörer ließen sich mitnehmen auf eine faszinierende Zeitreise.

Auch für das Auge wurde jede Menge geboten. Die Akteure des Abends waren nach Art des Spätmittelalters gekleidet, im Hintergrund wurden stimmungsvolle Farbmuster eingespielt. Eine immer wieder wechselnde Bühnenbeleuchtung verstärkte noch die intensive Wirkung der pulsierenden Musik. Historische Instrumente wie Drehleier, Tambourin, Mandoline oder Schalmei setzten weiter Impulse.

Brandneue CD

Neue Begeisterung kam auf, als die Zuhörer Titel auf die Bühne rufen konnten und diese dann von den Musikern spontan aufgenommen und mit großer Authentizität gespielt wurden. Immer wieder verzauberte Candice mit ihrem betörenden Gesang und ihren anmutigen Bewegungen die Besucher aufs Neue. Titel wie "Under the Violet Moon", "Toast to Tomorrow" oder "Dancer and the Moon" kannten viele. Außerdem überraschte die klanggewaltige Formation mit stimmungsvoller virtuoser Musik, die auch auf ihrer brandneuen CD (Erscheinungstermin 11. August) zu hören sein wird.

Den Abend über wurde immer lebendiger mitgeklatscht und mitgesungen. Allzu schnell war für die begeisterten Besucher das zweieinhalbstündige Konzert vorbei. Für die älteren Besucher gab es als Zugabe noch mehrere gecoverte Evergreens wie "Soldier Of Fortune" von Deep Purple, die Erinnerungen an ihre längst vergangene Jugendzeit aufkommen ließ.