Calw

22-jähriger Mann wird erneut vermisst

von Bianca Rousek

Calw-Hirsau - Ein 22-Jähriger aus dem Zentrum für Psychiatrie (ZfP) Klinikum Nordschwarzwald wird seit Mittwoch, 12. Juni, vermisst. Er kam nicht von einem Tagesausflug zurück. Eine ähnliche Meldung gab es vor zwei Wochen schon einmal. Und tatsächlich: Es handelt sich um denselben Patienten. Wie kann das passieren?

Ein 22-Jähriger, circa 1,85 Meter groß, dunkelhaarig, hager, wird vermisst. Eine Meldung, die das Polizeipräsidium Karlsruhe am Donnerstag, 13. Juni, herausgab. Aufmerksamen Lesern dürfte diese Nachricht bekannt vorgekommen sein. Denn bereits vor rund zwei Wochen wurde in Calw ein junger Mann mit genau denselben Merkmalen als vermisst gemeldet, tauchte zwei Tage später jedoch wieder von selbst im ZfP auf. Und tat­sächlich: Auf Nachfrage des Schwarzwälder Boten bestätigt das ZfP, dass es sich dabei um ein und denselben Patienten handle. Er sei nicht von einem Tagesausflug zurück­gekommen.

Eine Nachricht, die unter anderem in den sozialen Netzwerken Unverständnis hervorrief. "Schon wieder... also ganz ehrlich...da fällt einem doch nix mehr ein", schrieb ein User auf unserer Facebookseite Schwarzwälder Bote Calw beispielsweise. Andere stellten nur trocken fest: "Schon wieder". ­

Wie kann es dazu kommen, dass ein Patient innerhalb so kurzer Zeit zwei Mal verschwindet? Der Einrichtung seien in gewisser Weise die Hände gebunden, erläutern Jürgen Banschbach, stellvertretender Betriebsdirektor, und Gunther Essinger, medizinischer Direktor des Krankenhauses. Um die persönlichen Rechte der Patienten zu gewährleisten, sei es nur in ganz bestimmten Fällen erlaubt, ihnen die Freiheit zu entziehen, sich frei zu bewegen. Beispielsweise wenn sie als akut fremd- oder eigengefährdend eingestuft werden oder nicht absprachefähig sind. "Wir können niemanden einfach einsperren", betont Banschbach.

Kurzfristige Krise

Jeden Tag aufs Neue werde geprüft, wie die Situation der Patienten ist, ob sie absprachefähig sind und ob ihre Freiheit demzufolge noch eingeschränkt werden dürfe, erläutert Essinger. Erst wenn der betreffende Arzt sein O.K. gibt, werde schrittweise damit angefangen, den Patienten Ausgang zu ermöglichen. Zunächst mit Begleitung in direkter Nähe zum Klinikum, später auch im größeren Umkreis, ohne Begleitung.

Im Falle des 22-Jährigen habe zuletzt kein Grund zu Zweifeln daran bestanden, dass er sich an Absprachen halten und wieder zur verabredeten Zeit ins Klinikum zurückkehren würde – trotz seines vormaligen Verschwindens nach einem kurzen Ausgang. "Wir haben es auch bei ihm immer wieder neu geprüft", sagt Essinger. "Und die Absprachen haben auch nach dem ersten Vorfall wieder gut funktioniert." Deshalb war er am Mittwoch, 12. Juni, auch ohne Begleitung zu einem Termin nach Pforzheim aufgebrochen. Zurückgekehrt ist er jedoch bis Redaktionsschluss nicht. "Grundsätzlich hatten wir mit ihm keine Probleme mit der Absprachefähigkeit", meint Essinger. Er tippt eher auf eine kurzfristige Krise, ähnlich wie beim vorigen Mal.

Es sei wichtig, dass die Patienten in die Gesellschaft reintegriert werden, betont Banschbach. Und dafür müssen sie am "echten Leben" teilhaben – also hinausgehen. "Das geschieht aber nicht einfach so, sondern vorbereitet." Und doch: "Man muss sehen, dass das Menschen mit einer Krankheit sind. 100-prozentige Sicherheit hat man nie", bemerkt der stellvertretende Betriebsdirektor.

Essinger bekräftigt jedoch, dass von dem 22-Jährigen keinerlei Gefahr für die Allgemeinheit ausgehe. Oftmals würden die Patienten der Forensischen Psychiatrie, also Straftäter, mit den Patienten der weiteren Kliniken über einen Kamm geschert. "Dabei sind das zwei komplett unterschiedliche Bereiche." Auch mit einem Ausbruch habe das Verschwinden des jungen Mannes nichts zu tun. Er sei lediglich von einem Ausgang nicht zurückgekommen – das komme nicht so selten vor. "Ein Ausbruch ist das aber nicht." Im Gegensatz zu dem Vorfall im April, bei dem vier psychisch kranke Straftäter zwei Pfleger überwältigt haben und geflohen sind.

+++ Update vom 14. Juni 2019: Der vermisste Mann ist wohlbehalten wieder aufgetaucht. +++