Burladingen

Ralf Rötzel wird im Juli neuer Diakon

von Erika Rapthel-Kieser

Diakone tragen ihre Stola schräg. "Das passt, ich bin ein schräger Typ. Aber ich steh mit beiden Beinen im Leben", lacht der 47-jährige Weilheimer Ralf Rötzel. Ab 1. Juli wird er in Burladingen als hauptamtlicher Diakon das Gemeindeteam der Seelsorgeeinheit Burladingen-Jungingen ergänzen.

Burladingen/Hechingen-Weilheim. Damit ist der Vater von zwei Söhnen und ausgebildete Industriemechaniker endlich in seinem "Traumberuf" gelandet. Hauptamtlich. Denn seit 2011 war der Weilheimer als ehrenamtlicher Diakon in der Hechinger St. Luzius-Gemeinde und all seinen Stadtteilen tätig. In Freiburg fragte er schließlich nach, ob es im Dekanat auch eine hauptamtliche Stelle für ihn gebe und da wurde ihm Burladingen vorgeschlagen. Rötzel nahm an.

Die Hechinger Gemeinde hat ihn nach dem Gottesdienst am vergangenen Sonntag in der Weilheimer Marienkirche schon verabschiedet und lässt ihn nur ungern ziehen (wir berichteten). Das Gesicht der katholischen Kirche sei er in dieser Gegend gewesen, "einer von uns", und er passe in die heutige Zeit, bestätigte ihm Pfarrer Michael Knaus in der Abschiedsrede. Tatsächlich, Rötzel ist auch ein wenig Vereinsmeier. Obst- und Gartenbauverein, Kleintierzüchter und bekennender Fasnetsnarr – was ihm in Burladingen sicher die ersten Punkte bringen wird.

Die ehrenamtliche Kirchen-Karriere des Ralf Rötzel begann früh. "Ich war schon Ministrant", erzählt er. Auch als Erwachsener nahm er aktiv am Gemeindeleben teil, ließ sich in den Pfarrgemeinderat wählen, wurde schließlich dessen Vorsitzender. "Ich wollte zum Studieren nicht weggehen, sonst hätte ich mir auch vorstellen können, Pastoralreferent zu werden", erzählt Rötzel. Irgendwann auf einem Ausflug brachte ihn einer der Pfarrgemeinderäte auf die Idee: "Du könntest doch auch Diakon werden", meinte der. Jahrelang besuchte Ralf Rötzel also am Wochenende Seminare, absolvierte den Pastoral- und schließlich den Theologiekurs. Die Familie, so sagt Rötzel, habe ihn sehr unterstützt, es mitgetragen, dass der Vater und Ehemann am Wochenende so oft abwesend war. Schließlich wurde Ralf Rötzel 2011 zum Diakon geweiht, durfte fortan Wortgottesdienste abhalten, Beerdigungen leiten, die Kommunion spenden, das Sakrament der Taufe spenden und bei Eheschließungen assistieren.

Noch gut erinnert er sich an eine seiner ersten Aufgaben. Ein Taufgespräch mit einer Mutter, dessen Ehemann zwei Wochen nach der Geburt des Kindes gestorben war. Darauf, so meint Rötzel, könne einen kein Kurs und keine Theorie vorbereiten. Da hieße es nur Zuhören, da sein, mitfühlen. Zuwendung und das Interesse am Gegenüber seien leider rar geworden, kommentiert Rötzel den gesellschaftlichen Wertewandel. Aber gerade dass, die Begegnung mit anderen Menschen und die Herausforderungen, vor die ihn das stellt, seien es, was für ihn das Amt des Diakons ausmache. Es verschafft ihm Genugtuung, wenn Menschen sich im Gespräch öffnen und seelischen Ballast abladen.

"Wenn es eine heile Welt geben würde, dann wäre ich arbeitslos", sagt Rötzel. Und da Kirche nicht mehr den Stellenwert bei den Menschen habe wie zu früheren Zeiten, da die Menschen nicht mehr so häufig in die Kirche gehen, müsse die Kirche eben zu den Menschen gehen. "Warum nicht am Stammtisch mal ein tiefschürfendes Gespräch über Werte und Glauben führen oder nach einer Fasnetsveranstaltung bei ernsten Themen noch verhocken?" fragt Rötzel. Keine Frage, Rötzel ist authentisch. Einer, der der Kirche ein Gesicht geben kann.

Diakon Ralf Rötzel wird ab Montag, 1. Juli, das Team der Seelsorgeeinheit Burladingen-Jungingen verstärken und sein Büro im Pfarrhaus von St. Fidelis beziehen. Am Wochenende 5. und 6. Juli ist er auf einer Fortbildung und danach wird es wohl irgendwann einen Gottesdienst geben, bei dem er offiziell in der Gemeinde begrüßt wird. Mit Rötzel kümmern sich damit Pfarrer Konrad Bueb, Vikar Dr. Cornelius Chukwu, die Gemeindereferentin Carolin Hahn, geborene Hartmann, und Pastoralreferentin Adelheid Bumiller um die Belange der Gemeinden. Erwartet wird, dass Vikar Cornelius Chukwu nicht dauerhaft in Burladingen bleibt, sondern irgendwann versetzt wird. Ein Zeitpunkt steht allerdings noch nicht fest.