Burladingen

Kreativer Schaffer: "Hat es immer hingekriegt"

von Erika Rapthel-Kieser

Im Autohaus Kanz in Melchingen wird in diesen Wochen das Hundertjährige gefeiert. Jürgen Kanz, Vater der prominenten Autohändler, wird am 21. Januar 60 Jahre alt. Sein Sohn Sven wird wenige Tage danach, am 28. Januar, 40.

Burladingen-Melchingen. Die beiden Wassermänner haben sich entschlossen, gemeinsam eine Party zu feiern. Sektempfang im Autosalon, und danach geht es rüber in das Gasthaus Lauchertquelle. Eine Feier im Familien- und Freundeskreis und – irgendwann muss man mal privat sein – ohne das Fernsehen.

"Angefragt haben die schon", erzählt der Noch-39-Jährige Sven Kanz und plaudert dann munter drauf los, als der Schwarzwälder Bote fragt, wie er seinen Vater beschreiben würde. "Er ist jemand, der sich gern selber knechtet, ein schwäbischer Schaffer, der sich nichts gönnt und alles abspart."

Voller Bewunderung und Respekt erzählen die beiden Söhne auch von den Tüftlerambitionen ihres Vaters, des ausgebildeten Heizungsbauers. "Er hat es immer hingekriegt", beschreibt Michael Kanz des Vaters kreatives Talent beim Schrauben und Werkeln.

Deswegen fühlen sich die Luxusautohändler auch wohl, wenn sie wissen, dass rund um ihren Autosalon und dem neuen runden Showroom der Vater als Hausmeister nach dem Rechten sieht und dafür sorgt, dass alles picobello bleibt. Dann legt er für seine längst erwachsenen Söhne auch öfter mal heimlich etwas Süßes in den Büro-Kühlschrank, als kleine Überraschung. Und dass die Söhne dann wegen der Kalorienbomben mit ihm ein bisschen schimpfen, auch das gehört zum Vater-Sohn Ritual.

Vorbildlich trank er nur Spezi statt Bier

Alle drei Kanz-Männer verbindet die Liebe zum Fußball, alle drei spielten selber aktiv, und Michael und Sven begleiteten den Vater oft zum Training oder wenn er für seine AH am Sonntag auf dem Rasen stand. "Das war für uns das Größte", erinnert sich Sven Kanz und auch, dass sein Vater, wenn seine Kinder dabei waren, nie Bier, sondern immer nur ein Spezi trank. "Er ist dann auch immer als erster nach Hause gegangen", berichtet Michael Kanz, wie ernst sein Vater die Vorbild-Funktion nahm.

Der Fußball verbindet die drei noch heute. Sie sind Fans von Bayern München. Dass da gelegentlich ein Bundesligaspieler bei Spätzle und Linsen mit den Kanzens in Ringingen am elterlichen Mittagstisch sitzt, dass die Ludolfs kommen oder Promis wie Rapper Key One zum engen Freundeskreis zählen, an den Glamour-Faktor seiner prominenten Söhne hat sich Jürgen Kanz mittlerweile gewöhnt.

"Autoverrückt waren die beiden ja schon immer", sagt der Senior mal einem Fernsehsender im Interview, "aber dass das solche Dimensionen annimmt, wer hätte das gedacht?" Stolz ist er auf seine Söhne, der Jürgen Kanz. "Die 18 Sendungen, die über uns ausgestrahlt wurden, hat Papa alle aufgenommen", erzählt Michael Kanz. Mittlerweile sind es auch die Enkel, die eine große Rolle für den rüstigen Senior spielen, denn Sven selber hat inzwischen einen Jungen und ein Mädchen "Und weil mein Vater noch so fit ist, kann er mit den Kindern alles machen und noch super mithalten", sagt Sven Kanz.

Vor zehn Jahren haben die erfolgreichen Söhne ihrem Vater zum 50. Geburtstag eine Tour nach München geschenkt. Mit Übernachtung im schicken Kempinski-Hotel, Tickets für die VIP-Lounge von Bayern München, etwas Luxus, mit dem sie ihn, der sich sonst nichts gönnt, verwöhnen wollten.

Was sie sich zum 60. ausgedacht haben, darüber schweigen sie noch. Manches muss einfach auch privat bleiben.