Burladingen

Gesang, Gebete und Luftballons gegen AfD

von Erika Rapthel-Kieser

Burladingen - Die Burladinger zeigten auf ihre Weise, dass sie die Rechtsausleger der AfD in ihrer Stadt nicht wollen. Sie hatten Flyer in Hausfenster geklebt oder ins Auto gelegt, trafen sich beim ökumenischen Gottesdienst zum Friedensgebet und versammelten sich vor dem Rathaus.

Mit Gesang und Gebeten begannen zahlreiche Burladinger morgens um 10 Uhr jenen Tag, von dem sie sich mit Bangen fragten, was er ihnen bringen würde: Ein Treffen von Parteimitgliedern des rechten AfD-Rands in der Stadthalle Burladingens am Samstag hatte schon Tage zuvor für viel Unruhe in der Stadt gesorgt.

Geschäftsleute und Gemeinderäte saßen da in den Bänken der Versöhnungskirche, Vereinsvertreter, Burladinger Schüler, die in Gammertingen zur Schule gehen und Lehrer des Burladinger Progymnasiums sowie Mitglieder der Parteien. In ihrer Predigt in der Versöhnungskirche wurde die Bitzer Pfarrerin Bärbel Danner deutlich: Christen wollen nicht wegschauen, wenn die Unterzeichner des Stuttgarter Aufrufes sich in der Stadthalle treffen. "Diese Menschen stehen für ein System, das unendliches Leid gebracht hat, und wenn sie nun hierherkommen, dürfen wir nicht schweigen", sagte die Pfarrerin.

Die Geschehnisse rund um die Stadthalle gibt's in unserem Liveblog zum Nachlesen

Christen würden dann tun, was ihr Glaube ihnen gebietet. "Wir nehmen die Welt ins Gebet, weil hier Dinge passieren, die uns Angst machen. Angst davor, dass es zu Unruhen kommt, Angst davor, dass sich die Geschichte wiederholt". Zu dieser Geschichte fehle jenen, die jetzt auf Ausgrenzung und Rassismus setzen, die wieder völkische und nationalistische Töne anschlügen, die kritische Distanz.

Das Dritte Reich sei von einer Menge biederer Bürger getragen worden, die sich selber als gute und ehrliche Menschen sahen, beschrieb Danner. Die Gleichgültigkeit, die Lethargie aber sei eine der sieben Todsünden. Wenn es jetzt wieder systematische Gewalt gegen Fremde und Andersdenkende gäbe, "dann geht es uns alle etwas an, was heute hier in Burladingen passiert. Wenn sich Parteien organisieren, die Hass predigen, dann müssen wir "Nein" sagen".

Der katholische Pfarrer Konrad Bueb, der die Gebete sprach, betonte: "Wir wünschen uns alle einen friedlichen Protest, keine Ausschreitungen, keine Gewalt. Wir wollen beten für die verschiedenen Gruppen dieser Stadt, dass sie sich leiten lassen vom Geist des Friedens. Wir wollen beten – auch für die Menschen auf der anderen Seite."

Die kleine Gemeinde, die da gebetet und gesungen hatte, zog dann mit Transparenten und Plakaten vor das Rathaus. Dort hatten das Bündnis "Burladingen ist bunt" und das Demokratiezentrum einen Infostand aufgebaut. Und es gab Glückskekse mit Anhängern. "Frieden macht glücklich", "Respekt macht glücklich", "Familie macht glücklich" oder "Weltoffenheit macht glücklich", stand da drauf.

"Wir sind bunt aber nicht blöd", kommentierte Bündnis-Aktivistin Tipsy Peucker die kreative Aktion. Von der Treppe des Rathauses aus ließen die Teilnehmer dann ihre bunten Luftballons in den Himmel steigen. Und einige zogen weiter vor die Stadthalle und zeigten bei einer lebendigen Gegendemonstration – die ganz friedlich verlief – ebenfalls Präsenz.  

Trotz Protesten bleibt es ruhig - hier unser Video: