Burladingen

Ein Kollege der ersten Stunde

von Erika Rapthel-Kieser

"In Deutschland kennt er sich besser aus als so mancher, der hier geboren ist", sagt der Stettener Unternehmer Florian Bauermeister. Tatsächlich, sein Flocker Ibrahim Wue Jabbi, 52 und aus Gambia, kommt ganz schön rum. Er sorgt bundesweit dafür, dass die Menschen es warm haben.

Burladingen-Stetten. Dabei war die bittere Kälte im Winter eines der schwersten Dinge, an die sich der Nordafrikaner Jabbi einst anpassen musste. Die ersten Winter, so berichtet er im Gespräch mit dem Schwarzwälder Boten, seien ziemlich hart gewesen. Beruflich ist sein Werdegang in Deutschland aber eine Erfolgsgeschichte. Von der Industrie- und Handelskammer hat er für seine 25 Jahre in der gleichen Firma sogar vor Kurzem eine Ehrenurkunde bekommen.

Darüber hat sich auch sein Chef, der Stettener Unternehmer Florian Bauermeister, riesig gefreut. Der handelt und verarbeitet Naturbaustoffe, vor allem umweltfreundliche Dämmstoffe aus Zellulosematerial für Eigenheime, Hotels, Museen und auch für große Bauprojekte.

Geschickt, schnell und auch noch flexibel

Die Arbeiter, die das Dämmmaterial mit einer Spezialmaschine hinter die Wände blasen, nennt man Flocker. Und ihre Aufträge kommen aus dem ganzen Bundesgebiet. Deshalb ist Jabbi mit seinen Kollegen auch in der ganzen Republik unterwegs.

Jabbi kam 1992 nach Deutschland, heiratete 1995 eine Deutsche. Und sehr gut erinnert er sich noch daran, wie er seinen jetzigen Chef kennenlernte. Jabbis Frau hatte Bauermeister beauftragt, in ihrem Haus für die richtige Dämmung zu sorgen. Der kam, begann die Arbeiten und stellte anderntags fest, dass der Hausherr nach Feierabend schon mal ein bisschen weiter gearbeitet hatte. "Es war mein zweiter Auftrag, nachdem ich die Firma gegründet und mich selbstständig gemacht hatte", erinnert sich Florian Bauermeister. "Ich habe gleich gesehen, dass der Ibrahim Ahnung hat und ihm einen Job angeboten", sagt der Stettener Unternehmer. Jabbi ist mittlerweile einer der Mitarbeiter mit der längsten Betriebszugehörigkeit, sozusagen ein Kollege der ersten Stunde und Bauermeister schätzt an ihm, dass er so "geschickt und schnell und so flexibel sei". Jabbi wisse sich zu helfen, habe sich viel selber beigebracht, lobt Bauermeister seinen Mitarbeiter.

Und wie reagierte man im Dorf? "In Stetten wollen wir keine Schwarzen", hat eine ältere Frau damals zu Bauermeister gesagt. "Da habe ich gleich den zweiten eingestellt, auch aus Gambia. Aber diese Frau geht viel in die Kirche zum Beten. Und jetzt hat sie da einen Pfarrer aus Nigeria. Das ist dann auch okay. So ändern sich die Zeiten", sagt Bauermeister schmunzelnd. Mittlerweile hat er vier ehemalige Flüchtlinge in seiner Firma beschäftigt. Dass einer seiner Kunden mal komisch reagiert hätte, daran kann sich der Firmenchef nicht erinnern. Und so schickt er seine Mitarbeiter in der ganzen Bundesrepublik herum. Sogar bis Rügen ist Jabbi aus beruflichen Gründen schon gekommen und einmal, so plaudert der Flocker aus dem Nähkästchen, hat er bei einem auswärtigen Auftrag mit der Renn-Legende Jan Ulrich im gleichen Hotel übernachtet.

Was Jabbi an seinem Chef schätzt? "Er stellt Leute nicht nur ein, um seine freien Arbeitsplätze zu besetzten, sondern auch gezielt, um ihnen zu helfen."