Burladingen

Blatt für Blatt eine Fleißarbeit

von Erika Rapthel-Kieser

"Du könntest doch….". Mit dem Satz hat so manches Ehrenamt begonnen, in das der Lehrer, Gemeinderat, Vereinsvorsitzende und Verbandsgründer Franz Winter berufen wurde. Das Führen der Pfarrchronik von St. Fidelis hat er jetzt in andere Hände gelegt.

B urladingen. "Der Pfarrer Karl Leib war halt auch einer, dem man nichts abschlagen konnte", sagt der 73-Jährige Winter über jenen Gottesmann, mit dem ihn eine jahrzehntelange Freundschaft verband. Und freilich, Winters Frau Elisabeth war im Pfarrgemeinderat aktiv, und wenn Freund und Frau so freundlich fragen und drängeln, wer kann da Nein sagen? Also übernahm Winter zu den zahlreichen Ehrenämtern, die er neben seinem Hauptberuf als Lehrer versah, auch das Führen der Pfarrchronik von St. Fidelis.

Es war schon ein Lehrer gewesen, der sie einst begonnen hatte. Anton Arnold, Oberlehrer und Mitbegründer des Burladinger Albvereins hatte im Jahre 1955 angefangen alles, was sich in der Gemeinde St. Fidelis tat, fein säuberlich aufzuschreiben.

Ob Todesanzeigen oder Geburten, Hochzeiten, Sanierungsmaßnahmen an kirchlichen Gebäuden, wichtige Berichte in der Lokalzeitung – alles wurde aufgeschrieben. Außer Akribie und Fleiß waren Schere und Klebstoff wichtige Hilfen, um die schweren Bände zu füllen. Und nicht nur das. Auch Bedeutendes, was sich im Ort Burladingen tat, sicherte Arnold für die Nachwelt: Bürgermeisterwahlen, die umstrittene Gemeindereform oder das Verschwinden der einen oder anderen Textilfabrik fanden Eingang in die Chronik.

Als Winter die Aufgabe 1991 übernahm, war er nach Arnold, der Lehrerin Schneider, Pfarrer Anton Weber und Gemeindeamtmann Johann Hauser der fünfte Pfarrchronist. Allerdings hatte die Betreuung des Archivs einige Zeit brachgelegen, glich mehr einer Blatt-Sammlung als einer geordneten Übersicht. "Und ich wusste nicht wirklich, auf was ich mich da einlasse", gesteht Winter. Aber als er sich einmal daran gemacht hatte, wühlte er sich durch und hielt sich an jenes System, das Arnold einst begründet hatte. Eine Fleißarbeit, für die er, der Lehrer, auch Lob und Sternchen bekam. "Es gab Rückmeldungen aus der Gemeinde und Anerkennung, das hat gut getan", sagt Winter bescheiden.

Dabei hat er in vielen Ehrenämtern mit großem Engagement in den vergangenen Jahrzehnten viel bewegt und geleistet für Burladingen. Er war für die CDU im Gemeinderat und ihr Stadtverbandsvorsitzender, Begründer der Jungen Union in Burladingen und einstiger Vorsitzender des FC Burladingen oder der Sängerfreunde, und er mischte bei der Kolpingfamilie mit. Es klingt, als habe er nie Nein sagen können. Aber Winter nennt einen Grund für dieses Gefühl, der Gemeinschaft verpflichtet zu sein. Seine Erziehung in einem Internat in Sigmaringen. Hier sei er dem späteren Landrat und Minister Dietmar Schlee begegnete. Der, so sagt Winter, habe bereits als junger Mann eine Ausstrahlung gehabt, habe Menschen motivieren können und sei im Internat bereits der Anführer der Gruppe gewesen.

In Winter hat das nachgewirkt. Ein Leben ohne Ehrenamt sei für ihn gar nicht vorstellbar gewesen. Auch als St.-Fidelis-Chronist schaffte er für Gotteslohn. Oft fotografierte er selbst, und da er für die Tageszeitung oft selbst vor Ort war, konnte er auch seine eigenen Berichte gleich in die Sammlung überführen.

Jeder der großen Bände hat zum Abschluss ein Register, und ein gesonderter Band verzeichnet, wo was in den anderen steht. Spätere Generationen, die sich für Aspekte der Stadtgeschichte interessieren, werden zwar blättern müssen, aber finden lässt sich alles.

Jetzt, mit 73 Jahren, will er kürzer treten und hat die Führung des Archivs übergeben an Pfarrbüromitarbeiterin Monika Straubinger. Zum Schluss legt der Aktivist vom alten Schrot und Korn noch ein kleines Geständnis ab. "Es hat mir Spaß gemacht", sagt er, und schiebt lächelnd und vorsichtig den großen Band zurück in den Schrank.