Burladingen

AfD-Thema stößt auf großes Interesse

von Erika Rapthel-Kieser

Burladingen-Gauselfingen - Das Café im Wir-Projekt in Gauselfingen platzte aus allen Nähten. 30 Zuhörer waren auf Einladung der Alboffensive gekommen um einem Vortrag zum Entstehen der AfD und zum Rechtspopulismus zu hören.

Dass Burladingens Bürgermeister Harry Ebert unverhohlen mit der AfD sympathisiert, mag das Interesse an dem Vortrag befeuert haben. Mit so viel Andrang hatten jedenfalls weder Alboffensive noch Wir-Projekt gerechnet. Es musste nachgestuhlt werden. Im Publikum gab es einige bekennende Linkswähler, aber auch viele moderat positionierte Burladinger, darunter Pfarrersgattin, Arzt im Ruhestand und Vereinsaktivisten. Ein Besuch dieses Abends war eben auch ein politisches Statement.

Kleiner Gag: Auf dem Tisch mit Infomaterial wurden auch "Leckere Landeier" angeboten. Ein Seitenhieb auf Bürgermeister Harry Ebert. Lucius Teidelbaum, Autor und Aktivist der Alboffensive, ging an diesem Abend aber nur am Rand auf Ebert ein. Er fasste das Thema breiter.

Wegen seiner Buchveröffentlichungen und Recherchen auch in der gewaltbereiten rechte Szene auf der Schwäbischen Alb tritt er nie unter richtigen Namen auf, will auch nicht fotografiert werden.

In jüngster Zeit hat er sich intensiv mit der AfD beschäftigt. Er schilderte die "inhaltlichen Häutungen" der AfD, die, von Bernd Lucke gegründet, lange als "Professorenpartei" galt. Initialzündung für den Zusammenschluss von Euro- und Europakritikern sei Thilo Sarrazins 2010 veröffentlichtes Buch "Deutschland schafft sich ab" gewesen. Für den Referenten eine "sozialdarwinistische und deutsch-nationale" Betrachtung, die durch Boulevardblätter und Talkshows salonfähig gemacht worden sei. Bei den Europa- und Landtagswahlen 2014 habe das der AfD Stimmen gebracht.

Teidelbaum erklärte, dass sich die AfD nicht nur als Partei versteht, sie sei stattdessen ein kurioses Sammelbecken, in dem es den Verband der lesbischen und schwulen AfD-Parteimitglieder gebe, ein dunkelhäutiges Landesvorstandsmitglied mit afrikanischem Migrationshintergrund, Lebensschützer und Verschwörungstheoretiker. Grundsätzlich sei die AfD eine Schnittmenge der Unzufriedenen und sich sozial benachteiligt Fühlenden.

Auf den Vortrag folgte eine längere Diskussion. Fragen wurden gestellt, welche Argumente bei der Diskussion mit AfD-Wählern griffig sind, ob sich ein Wortwechsel mit einem Reichsbürger überhaupt lohnt und wie es weitergeht im Landtag von Baden-Württemberg.

Teidelbaum riet vor allem dazu, Fakten gut zu kennen um in Diskussionen gewappnet zu sein. Manchmal sei auch Humor ein gutes Mittel gegen Rechtsaußen. Beispiele von Plakaten und Posts in sozialen Netzwerken, die sich satirisch mit der AfD auseinandersetzen, brachten auch die Besucher des Wir-Cafés zum Lachen.

Ein Besucher betonte, dass in Burladingen die AfD nicht über 20 Prozent gekommen sei. Sie forderte zum "Aufstand von uns Normalen" auf. Es sei an der Zeit, Stellung zu beziehen. Und eine der Frauen stellte klar: "Es gibt mehr Menschen, die in der ehrenamtlichen Flüchtlingsarbeit aktiv sind, als AfD-Wähler, das macht Mut."