Burladingen

Ärztehaus: Schweizer sorgt für Diskussionen

von Erika Rapthel-Kieser

Burladingen - Dass der Mediziner und Gemeinderat Armin Schweitzer jetzt offen auf die Seite des Rathauschefs stellt und selber nach Klein-Anlegern für ein "Ärztehaus light" suchen will, hat nicht nur bei seiner eigenen Fraktion, den Freien Wählern, für Irritationen gesorgt.

Bei den Kommunalpolitikern und so manchem Bürger in Burladingen hat sein Aufruf, interessierte Ärztehaus-Anleger sollen sich bei ihm melden, zumindest Kopfschütteln hervor gerufen. Offiziell Stellung nehmen will weder die Fraktion der Freien Wähler noch die der CDU.

Hinter vorgehaltener Hand aber heißt es unisono: "Soweit waren wir vor Jahren ja schon mal, und keiner wollte eine Praxis kaufen." Tatsächlich ist Schweitzers Vorschlag eine aufgewärmte Idee, die die Räte und vermutlich auch große Teile der Verwaltung nach ihrer jahrelangen und erfolglosen Investorensuche längst hinter sich zu haben meinten. Was der 66-jährige Freie-Wähler-Rat Armin Schweitzer da initiieren will, halten die meisten, die sich seit rund fünf Jahren mit dem Thema Ärztehaus befassen, deshalb für wenig erfolgversprechend.

Schweitzer war bei der Kommunalwahl vor drei Jahren reich an Erfahrung im medizinischen Bereich, dafür aber ein Neuling in seiner Fraktion. Gepflogenheiten der Kommunalpolitik waren ihm fremd und er hatte sich, das gibt er offen zu, nur aufstellen lassen, weil das Thema Ärztehaus und die medizinische Versorgung der Burladinger Bevölkerung ihm ein großes und wichtiges Anliegen sind. Da es aber Vorverträge gab, und da er und seine Lebensgefährtin, die Onkologin, Hämatologin und Palliativmedizinerin Ulrike Abt, mit ihrer Gemeinschaftspraxis schon frühzeitig Interesse angemeldet hatten, ein neues Ärztehaus zu beziehen, galt Schweitzer als befangen. Die Gemeindeordnung und auch die Geschäftsordnung des Burladinger Gemeinderats hielten ihn sowohl aus dem zuständigen Ausschuss fern, sie sorgten bei Beratungen im Gemeinderat dafür, dass er weder mitstimmen noch mitdiskutieren durfte. Mehr als einmal verließ der Mediziner unwillig den Saal oder setzte sich – wie bei Befangenheit üblich – deutlich vom Tisch nach hinten ab.

Schweitzer tat seine Meinung dafür in Leserbriefen kund. Für eingefleischte Kommunalpolitiker waren seine regelmäßige Stellungnahmen zumindest ein ungewöhnliches Verhalten. Wer einer Fraktion angehört und als Gemeinderat öffentlich Stellung nimmt – so ist es nicht nur in Burladingen üblich –, stimmt das mit seiner Fraktion ab. Schweitzer nahm sich die Freiheit, das nicht zu tun. Auch von seinen jüngsten Äußerungen, mit denen er sich auf die Seite des Seite des Bürgermeisters stellt, während der Rest des Gemeinderates den offenen Bruch mit dem Stadtchef vollzieht, wurden die Mitglieder beider Fraktionen beim Zeitungslesen mit dem Morgenkaffee überrascht.

Fraktionen können Mitglieder nur selten und nur bei schwerwiegendem Fehlverhalten ausschließen. Bei den Freien Wählern wird das auch niemand tun wollen. Die Burladinger Fraktion der Freien Wähler sei frei genug, einen Ausscherer zu vertragen, finden die meisten. Möglich aber auch, dass Schweitzer sich in seiner Fraktion nicht mehr zu Hause fühlt, weil der Rest der Mitglieder – aber auch die CDU – geschlossen seine Meinung nicht teilt. Der aktive Pensionär könnte dann leicht die Freien Wähler verlassen und als fraktionsloser Gemeinderat dem Gremium weiter angehören.