Burladingen

Ärztehaus: Rechte Szene beschimpft BeneVit-Chef

von Erika Rapthel-Kieser

Burladingen - Die rechte Szene reagiert prompt: Am Morgen, nachdem er bekanntgegeben hatte, das Ärztehaus wegen der der rechtspopulistischen Äußerungen von Bürgermeister Harry Ebert nicht in Burladingen bauen zu wollen, ist das E-Mail-Postfach von BeneVit-Chef Kaspar Pfister mit Hassmails regelrecht übergequollen.

Offensichtlich handelt es sich dabei um eine konzertierte Aktion von Pegida- und AfD-Anhängern, die sich über das Internet-Portal "PI" ("Politically Incorrect") austauschen und den "wackeren Harry Ebert" verteidigen. Unter einem Beitrag auf der einschlägig bekannten Seite ist die Mailadresse von BeneVit angegeben; seitdem häufen sich die unflätigen Mails an Pfister.

Ob hinter jeder dieser Mails wirklich eine reale Person steckt oder ob einige wenige sich vieler unterschiedlicher E-Mail-Adressen bedienen, um ihre Meinung potenziert wiederzugeben – also "trollen" wie es die Netzgemeinde nennt –, das könnte tatsächlich am ehesten die Polizei herausfinden. BeneVit Chef Kaspar Pfister will sich mit dem Ermittlern und seinem Rechtsanwalt beraten, bevor er sich entscheidet, ob er eine Anzeige machen wolle, sagte er gegenüber unserer Zeitung. Den Tatbestand der Beleidigung dürfte so manche Aussage, die da im Netz gemacht wird, wohl erfüllen.

Ein sachlich fundierter Austausch von Meinungen ist es kaum mehr, orthografisch und inhaltlich korrekt das Wenigste. Da schreibt zum Beispiel eine Birgit B. unter der Betreffzeile "Kadavergehorsam": "Linksgrüne VASALLEN RATTEN gehören in die Kanalisation, Deckel drauf und gaaanz fest zugeschraubt!!!!!!!!" Oder ein Wolfgang G. beschimpft Pfister mit den Worten: "Ihr afd hass ist zum kotzen. Was soll das die investition zu stoppen? Mit Ihrem laden will ich nix mehr zu tun haben. Wie viele ›Asylanten‹ denn noch?" Ein Thomas G. beschimpft den gebürtigen Burladinger mit "Schieben Sie sich doch die ›unfassbar hohe Investition‹ von 5 Mio. sonst wohin. Am besten noch verlassen Sie unser Land, denn für Verräter ist kein Platz hier. Die Kosten, welche die Gemeinden für die neue ›Bereicherung‹ Deutschlands aufbringen müssen, übersteigt Ihre popeligen Investitionen bei weitem." Und ein Andreas K. meldet sich mit folgender Aussage: "Eigentlich sind Sie die Schande für unser schönes Land Deutschland das Sie mit Füßen treten. Gehen Sie in den nicht verdienten Ruhestand nur so können Sie Schaden am Deutschen Volk und unser Land verhindern." Vielleicht ist es der gleiche A.K., der unter einer anderen Mailadresse an Pfister schrieb: "Hallo, wollte nur mal Anfragen ob sie eine Islamistenfreundliche Gesinnung haben?"

Ein Dirk H. schrieb: "Dass ein Unternehmen allerdings politische Gruende fuer Entscheidungen anfuehrt, und ganz offen sagt, ja, wir muessen alle nichtlinken Parteien boykottieren und mit den linken Hunden heulen, ist unerhoert. Sie machen keine Geschaefte in Gemeinden mit AfD-nahen Buergermeistern? Fein. Ich als Deutscher mache dann keine Geschaefte mit Ihnen. Ich kannte Ihr Unternehmen gar nicht. Aber jetzt kenn ich’s und natuerlich merk ich’s mir. Dieses sich ueberschlagen im Bemuehen, den Linken jeden Gefallen zu tun. Interessant." Und unter der Betreffzeile "Pegida siegt" schreibt eine Martina B.: "Sehr geehrte Damen und Herren, da Ihnen die kritischen Äußerungen des gewählten Bürgermeisters von Burladingen, Harry Ebert, nicht in Ihre Political Correctness passen, was hält sie davon ab, woanders zu investieren, wo die Kommunalpolitiker auf Ihrer Linie mitschwimmen? Steuern werden doch eh kaum anfallen, Gewerbesteuern sind doch in dem von Ihnen zu investierenden Bereich (Ärztehaus) nicht zu erwarten. Ich gratulieren dem Bürgermeister von Burladingen zu seiner standhaften Meinung. Die Merkel-Regierung mit ihrer verfehlten Flüchtlingspolitik wird eh über alle Berge sein, wenn die Sozialkassen geplündert und die autochtone deutsche Bevölkerung in der Minderheit sein wird. Bauen Sie weiter auf Merkel & Co. - Sie werden schon sehen, was Sie davon haben, wenn Deutschland den Bach runtergeht. Es grüßt aus dem Kalifat NRW M. B."

"Sie verursachen", lässt sich ein Bernhard R. vernehmen, "mit Ihrem Verhalten wie ein Zustand, den wir zuletzt ab 1933 und in der DDR hatten. Es gibt, das haben auch Sie bewiesen, keine Meinungsfreiheit mehr."

Und Kaspar Pfister? Der stellt klar, dass er einen Rücktritt von Ebert nie gefordert habe, aber dass es ihm um vernünftige Rahmenbedingungen gehe. "Die Reaktion auf die Artikel zeigt aber sehr deutlich, welche politische Dimension vielleicht doch dahinter steckt und das sehe ich auch als eine Bestätigung, dass meine Entscheidung richtig war. Ich finde das für Burladingen – auch als Bürger dieser Stadt – zutiefst bedauerlich."