Burladingen

Ärztehaus: Gemeinderat stellt Harry Ebert Ultimatum

von Erika Rapthel-Kieser

Burladingen - Die Fraktionen des Burladinger Gemeinderates und Ärztehaus-Investors Kaspar Pfister wollen nicht länger auf ein Ja oder Nein von Harry Ebert warten. In einer Pressemitteilung stellt der Gemeinderat dem Bürgermeister ein Ultimatum.

Ebert soll sich bis Freitag kommender Woche zur Bitte seiner Räte äußern, sich aus den weiteren Planungen für das Projekt zurückzuziehen und das Feld künftig dem Ersten Beigeordneten Berthold Wiesner zu überlassen. Darum hatten ihn beide Fraktionen schon in der Gemeinderatssitzung im Februar gebeten. Harry Ebert hat sich dazu bislang nicht geäußert, lässt alle in der Warteschleife hängen und ist auf Tauchstation.

Damit hängt das Ärztehaus-Projekt am seidenen Faden. Denn der BeneVit-Chef Kaspar Pfister hatte bereits im Januar den für März anberaumten Spatenstich wegen der flüchtlingsfeindlichen Äußerungen Eberts und seiner Nähe zur AfD verschoben, um sein Engagement zu überdenken. Für den mit seinen Seniorenwohneinrichtungen bundesweit beispielhaft agierenden Pfister und seiner weltoffenen Firmenphilosophie scheint es wohl undenkbar, dem Rathauschef bei der Koordination planerischer Details und nicht zuletzt bei öffentlichkeitswirksamen Fototerminen wie (Spatenstich, Richtfest und Ähnliches) zu begegnen. Oder mit ihm verhandeln zu müssen.

Die Stellungnahme der Fraktionen, die gestern der lokalen Presse zuging, bestätigt, was in Burladingen längst alle Spatzen von den Dächern pfeifen: Pfister musste sich von Kunden und anderen Kooperationspartnern schon einiges anhören, wenn es um sein geplantes Engagement in Burladingen geht. In der Verlautbarung heißt es: "BeneVit befürchtet, dass die Realisierung eines gemeinsamen Projekts in Verbindung mit einem AfD-nahen Bürgermeister und seinen ausländerfeindlichen Parolen einen Imageschaden im In- und Ausland bewirken könnte – erste Reaktionen haben die berechtigten Befürchtungen bestätigt." Und an anderer Stelle: "Andere Gemeinden haben schon Interesse beim Investor signalisiert, lange wird Herr Pfister sich nicht mehr gedulden."

Hinter den Kulissen

Um das Projekt zu retten, haben die ehemaligen Fraktionssprecher Dörte Conradi (CDU) und Alexander Schülzle (FW) hinter den Kulissen mit Pfister verhandelt und ihm das Zugeständnis abgerungen, mit seiner Entscheidung noch eine letzte Woche zu warten.

An den Gesprächen mit Pfister beteiligt waren auch Eberts ehemalige ehrenamtliche Bürgermeisterstellvertreter, der christdemokratische Gemeinderat Klaus Ritt und die Burladinger Geschäftsfrau Rosi Steinberg (FW). Beide versuchten unlängst einen Gesprächstermin beim Bürgermeister wegen des Ärztehauses zu bekommen – und blitzten ab.

In der Pressemitteilung werden die Gemeinderäte Conradi und Schülzle dazu zitiert: "Auch wenn Herr Ebert vor wenigen Tagen einen Gesprächswunsch der ehemaligen Stellvertretenden Bürgermeister Klaus Ritt und Rosi Steinberg zum weiteren Vorgehen beim Thema Ärztezentrum mit dem Hinweis, er hätte keinen Gesprächsbedarf, ausgeschlagen hat und auch die gestrige nicht-öffentliche Sitzung nicht zu einem Signal genutzt hat, sind wir weiterhin zuversichtlich, dass Herr Ebert dieses für Burladingen zentral wichtige Projekt – auch im Hinblick auf die zukünftige ärztliche Versorgung und weitere pflegerische Angebote – nicht durch sein persönliches Verhalten zum Scheitern bringen möchte."

Jetzt sei Ebert am Zuge, heißt es weiter. Reagiert der Rathauschef bis kommenden Freitag nicht, ist das Ärztehaus wohl gestorben.

Kommentar: Die Krönung?

Von Erika Rapthel-Kieser

Es ist gut, dass die Burladinger Gemeinderatsfraktionen seit Wochen hinter den Kulissen zusammen mit Investor Kaspar Pfister versuchen zu retten, was zu retten ist. Das Ärztehaus, an dem gemeinsam jahrelang geplant wurde und für dessen Realisierung bereits hohe Investitionen getätigt wurden, ist einfach zu wichtig für die Zukunft Burladingens.

Scheitert dieses Projekt, dann scheitert Harry Ebert. Denn vor allen anderen war er es, der sich einst die Hacken abgerannt, vorausgedacht, konferiert, geplant und sich über die Maßen bemüht hat, etwas zu realisieren, was für die viertgrößte Stadt im Zollernalbkreis von enormer Bedeutung ist – und, was seine drei Amtszeiten als Bürgermeister hätte krönen können. Jetzt droht es ausgerechnet an ihm zu scheitern. Wenn der Bürgermeister doch noch zur Einsicht käme – das wäre gut für ihn und gut für Burladingen.