Bräunlingen

Termine

von Schwarzwälder-Bote

Metzgerei Rosenstihl, auf der Klingel steht "FeWo". Zwei Stockwerke hinauf. Hier haben Carmen Haberland und ihr Mann eine Ferienwohnung bezogen. Für die Zeit des Wahlkampfes dient sie als Refugium. Hier verbringt Haberland ihren Jahresurlaub. "Abenteuerurlaub in Bräunlingen." Ihr Mann unterstützt sie.

Die Bürgermeisterwahl in Bräunlingen findet am 22. Oktober statt. Vier Kandidaten werden für die Nachfolge von Jürgen Guse antreten: Micha Bächle, Heiko Zorn, Carmen Haberland und Andreas Schreiber stehen als Kandidaten fest. Am Mittwoch, 18. Oktober, findet um 19 Uhr in der Stadthalle eine Podiumsdiskussion statt. Einlass ist bereits um 18.15 Uhr.

Bräunlingen (jak). Was hält er eigentlich davon, dass seine Frau Bürgermeisterin werden will? "Sehr viel: Wir haben uns das eine gewisse Wegstrecke überlegt, und ich schaue mir das schon eine ganze Zeit lang an und überlege mir, in welchem Ortsteil wir wohl lieber wohnen würden. Da bin ich aber noch nicht zum abschließenden Ergebnis gekommen", sagt Norbert Eckert. Für den Polizeikommissar wäre ein Umzug nach Bräunlingen kein Problem. Eine Fahrt von 30 bis 40 Minuten würde er gerne auf sich nehmen. Schließlich ist sein Revier ja auch nicht aus der Welt.

Bei der Polizei haben sich die beiden auch kennengelernt – am Arbeitsplatz also. Liebe auf den ersten Blick? "Den anderen um uns herum war es schon sehr viel früher klar als uns selbst", erinnert sich Carmen Haberland. Anfangs hat es einfach nur "sehr gut funktioniert" mit den beiden. "Es gibt so Leute, da kann man sich die Bälle so einfach zuschmeißen. Aber es hat sehr lange gedauert, bis es auf eine andere Ebene gerutscht ist." Das war so vor etwa zehn Jahren, ganz genau können die Beiden es gar nicht sagen: "Es war so fließend, und geheiratet haben wir erst im vergangenen Jahr", erklärt Haberland, die ihren Namen auch behalten hat. "Ich hatte ihn schon mal nicht mehr und das hat schon ein bisschen etwas mit Identität zu tun." Für den Ehemann überhaupt kein Problem: "Ich habe meinen ja auch behalten", sagt Norbert Eckert. Und Doppelnamen sind ja so eine Geschmackssache.

Beim Namen waren sie sich einig: Doch wenn's um Sport am morgen geht, da findet das Ehepaar keinen gemeinsamen Nenner. Sie steht jeden Morgen um kurz nach sechs Uhr auf, zieht die Laufklamotten an und dreht ihre Runde – bei jedem Wetter. Er verzieht beim Wort "Morgenläufer" das Gesicht: "Das ist nicht meine Uhrzeit." Nach ein, zwei Versuchen gaben sie das gemeinsame Laufen auf. Doch Morgenmensch und Nachteule lassen sich nach der Meinung der beiden gut vereinen. Gegensätze ziehen sich ja auch an: Während er es liebt, sein Segelboot auf dem Bodensee so richtig in den Wind zu legen, fährt sie lieber hinaus, um gemütlich auf dem "Wasser zu campen". Gemeinsam haben sie ihr Engagement. Sie bei der evangelischen Kirche, er in der katholischen Kirche. Und mit dem Rad unterwegs sein, laufen, raus in der Natur und der Garten.

2012 haben sich die beiden ein kleines Häuschen mit 60 Quadratmetern gekauft. In Baumwollzeiten wurden die Häuschen für die Spinnerei gebaut. "Damit die Leute ein Stück hatten, um Obst und Gemüse anzubauen", erklärt er. Ein Häuschen, geviertelt, jeder hat ein Eck mit einem Garten vorne dran. "Er hat genau die Größe, wo man gut arbeiten und es bewerkstelligen kann", schwärmt Carmen Haberland. Schaufel und Schere und sie ist zwei Stunden beschäftigt. "Für mich ist der Garten ein unheimlicher Ausgleich. Da vergesse ich alles."

Das Häuschen und der Garten sind das "große, gemeinsame Objekt". Verkaufen ist nicht geplant. Aber der Umzug im Falle einer Wahl schon. Was mit dem Häuschen geschieht, wird man dann sehen. Vielleicht möchte eines der drei Kinder, die er aus erster Ehe hat, ja einziehen. Auch sie ist Wiederholungstäterin, aber ohne Kinder.

Während der diesjährige Urlaub geprägt ist von Wahlkampfterminen, setzt das Ehepaar Haberland-Eckert sonst auf eine "gute Mischung zwischen Kultur und einmal die Füße baumeln lassen". Die Ziele: ganz verschieden. Prag war das letzte Ziel, und zwar außerhalb der Hauptreisezeit, wo die beiden Prag entdecken konnten ohne große Menschenmassen. "Man kommt überall hin, man kann überall durch und man kann sogar Zick-Zack-Laufen auf der Karlsbrücke", blickt Haberland zurück.

Der letzte große Urlaub führt die beiden nach Estland. Eine Rundreise mit dem Mietwagen. Eine Reihenfolge, wie man fährt und flexibel sagen kann, wo man länger bleiben will. Ihr Traum: ein Urlaub in Skandinavien. "Das würde mich schon reizen, aber das ist eben etwas teurer."

Mit im Gepäck hat die Kandidatin auch immer Bücher. Carmen Haberland hat mit Freundinnen einen Bücherpool. "Eine kauft ein Buch oder bekommt eines geschenkt, und das macht dann die Runde", erklärt sie. Er wirft hingegen dann einen Blick in den Schrank. "Da ist dann schon immer wieder eines dabei, das er sich dann krallt", verrät die Kandidatin. Er bevorzugt Krimis, sie schaut gerade bei Romanen auch mal genauer hin und richtet sich nach der Empfehlung des Buchhändlers ihres Vertrauens, der einen kleinen Laden in Singen hat. Geschichtlich angehaucht darf es sein, gern auch was "schräges", mal eine Biografie. "Aber das ist halt nichts, wo man mal abends 50 Seiten vor dem Einschlafen liest", sagt die Juristin.

Aktuell liegt auf dem Nachtisch beispielsweise eine halbgelesene Biografie von Willy Brandt. Was nicht so nach ihrem Geschmack ist, sind Fantasy, Science-Fiction und allzu blutige Krimis.