Bräunlingen

Brandschutz im Betrieb hat Priorität

von Schwarzwälder Bote

Wenn der Brandmelder auslöst, dann hoffen die Mitarbeiter vieler Unternehmen darauf, dass die Feuerwehr schnellstmöglich vor Ort ist. Nicht so bei der Firma Freilacke.

Bräunlingen-Döggingen (guy). Dort sitzt die Feuerwehr quasi mit am Tisch. 27 Mitarbeiter engagieren sich in der firmeneigenen Werkfeuerwehr, üben regelmäßig, schulen die Kollegen im Umgang mit potenziellen Gefahrensituationen.

"Wir bekommen für die Mitglieder der Werkfeuerwehr die gleiche Ausbildung wie in der Feuerwehr", erklärt Alfons Hensler, Kommandant der Freilacke-Wehr. Er ergänzt: "Wir unterliegen dem Feuerwehrgesetz, es gelten daher dieselben Auflagen wie für eine Gemeinde mit einer Wehr". Außer, dass sich um die Erfüllung eben das Unternehmen kümmern muss.

1954 gegründet

Die Truppe hat in Döggingen schon Tradition. Hensler hat alte Unterlagen der ersten Werkfeuerwehr bei Freilacke, von 1954. Damals war das allerdings eine Betriebsfeuerwehr, nicht orientiert am Wehrgesetz, wie es heute der Fall ist. "Man hat früher ja anders gearbeitet. Es gab offenes Feuer und einen anderen Umgang mit den Materialien. Brandschutz hatte keinen großen Stellenwert", erklärt Arnold Wehinger, Zugführer der Werkfeuerwehr. Dennoch sei man sich wohl bewusst gewesen, dass es besser sei, jemanden im Haus zu haben.

Mit dem Traktor zum Einsatz: Zur Feuerwehrabteilung in Döggingen bestehen gute Kontakte. Wehinger war selbst 20 Jahre dort Kommandant, Hensler ist dort aktiv, insgesamt sind es 22 der 27 Werkfeuerwehrleute. Früher sei das so nicht gegangen. Sollte auf dem Firmengelände etwas passieren, dann kommt auch die Wehr der Gemeinde. Umgekehrt ist das bisher nicht der Fall: "Das müsste die Gemeinde erst mit der Geschäftsleitung abklären, ob wir auch außerhalb des Betriebsgeländes unterstützen", sagt Hensler. Bisher sei das auch ganz praktisch nicht möglich gewesen: "Bis vor einigen Wochen haben wir unser Material mit Traktor und Hänger transportiert", erklärt Wehinger.

Erst vor Kurzem wurde aufgestockt und die Werktruppe hat ein neues Einsatzfahrezug erhalten, ein gebrauchtes LF 16/12, das zuvor bei einer Freiwilligen Feuerwehr in Hessen seinen Dienst getan hat. Aufgrund der neuen Gebäude und des großen Firmengeländes eine wichtige Anschaffung. Was für einen Einsatz notwendig ist, kann nun in einem Schwung transportiert werden.

2011 ein schwerer Brand

Wenn bei Freilacke der Alarm runtergeht, dann sei man immer froh über einen Fehlalarm: "Bei der Fahrt zur Firma hat man da immer ein mulmiges Gefühl", sagt Hensler. Das wird im Dezember 2011 auch bestätigt. Kurz vor 18 Uhr wird die Feuerwehr benachrichtigt, Hensler macht sich auf den Weg zum Betrieb. "Man hat direkt das rote Licht gesehen. Eines der unteren Gebäude bei der Verwaltung stand in Vollbrand", so Hensler. Ein Lagergebäude, angebaut an das Labor. Der Wehr gelingt es schließlich, den Brand zu löschen und ein Übergreifen auf andere Gebäude zu verhindern. "Das bestärkte sicher die Erkenntnis, dass eine Wehr zwar Geld kostet, im Notfall allerdings da ist", so Wehinger.

Die Vorteile liegen auf der Hand. Die Mitarbeiter kennen die Wege, die einzelnen Brand-Abschnitte mit den Toren, die zufallen. Zudem trainiert die Werkfeuerwehr abgestimmt auf potenzielle Gefahren auf dem Betriebsgelände.

"Das geht dann eher in Richtung Gefahrgut und das wir vorbeugend wirken können, bis dann die Gemeindewehr oder der Gefahrgutzug vor Ort sind", sagt Hensler. Dazu gibt es eine entsprechende Vollschutz-Ausrüstung aus einem Material, das keine Flüssigkeit durchkommen lässt, sei es Säure oder sonst ein aggressiver Stoff. Auf dem Gelände gibt es zahlreiche Zisternen und Silos. Also probt die Werkswehr auch, wie dort gerettet werden können. Auch beim Hochregallager ist das wichtig: Die Gebäude bestimmen die Ausrichtung der Wehr mit.

Zu den Aufgaben gebieten zählt auch die Fortbildung der Freilacke-Mitarbeiter. Dazu gibt es regelmäßig Kurse, in denen gezeigt wird, wie Brände schnell und effizient gelöscht werden können. Dort wird dann auch das Verhalten im Notfall geübt: "Über dem Lager- und Produktionsbereich befinden sich Tanks mit etwa 30 Tonnen Kohlenstoffdioxid (CO2). Wenn die Anlage greift, bleiben den Mitarbeitern 30 Sekunden Zeit, um den Arbeitsplatz zu verlassen. Das erklären wir und schulen die Leute", sagt Wehinger. Es gehe darum, ruhig und nicht überhetzt zu flüchten: "Das schulen wir." CO2 habe den Vorteil, dass es sich schnell verflüchtige.

Im Schwarzwald-Baar-Kreis gibt es sechs Werkfeuerwehren. Diese befinden sich in folgenden Betrieben: Continental VDO in VS-Villingen, Freilacke in Bräunlingen-Döggingen, die Holzindustrie Fürstenberg in Hüfingen, beim Leuchtenhersteller Waldmann in VS-Schwenningen und bei den Wieland-Werken in VS-Villingen. Bei Federal-Mogul in Blumberg gab es bisher auch eine Werkfeuerwehr. Wie es nach der Übernahme durch den US-Autozulieferer Tenneco weitergeht, ist unklar.