Blumberg

Ein Sprachtest für den Exilschwaben

von Schwarzwälder Bote

Seit 26 Jahren reiht sich das Hochlöbliche Pfetzergericht zu Zollhaus in eine Tradition von sogenannten Rügebräuchen (so der Volkskundler Werner Mezger) in die alemannischen Fasnacht ein.

Blumberg-Zollhaus (hon). Fasnet persifliert die reale Welt, und die kommt ohne Gerichtsbarkeit nicht aus. Während die Narrengerichte mit Fernseh-Ambitionen grundsätzlich deutschlandweit bekannte Delinquenten vor den Kadi ziehen, wollen die Pfetzer lokalen Promis den Narrenspiegel vorhalten.

Das war auch dieses Jahr nicht anders. Eine Gerichtsverhandlung hat Regeln, die auch am Fasnetsdienstag eingehalten gehören.

Als Vorsitzende Alexandra Waimer, Ankläger Werner Waimer und Fürsprecher Thomas Volz den Gerichtssaal betraten, erhoben sich die Besucher, die gerade noch von den schmissigen Klängen des Fanfarenzugs unter Leitung von Tim Lengsfeld unterhalten wurden, von den Sitzen.

Wie sich im Laufe des Prozesses aber herausstellte, war das genug Disziplin für diesen Vormittag. Denn immer wieder beflügelten freche Zwischenrufe die Verhandlung. Als besonders lautstarke Exemplare taten sich der Blumberger Narrenpräsident Dieter Selig und Bürgermeister Markus Keller hervor, zwei Ex-Angeklagte.

Keller hatte erst am Sonntag seine Strafe angetreten: Er musste als Obernarr den Umzug anführen. Über ihre in den Gerichtssaal geschleuderten "Böswilligkeiten" wollen wir an dieser Stelle den Mantel des Schweigens decken.

Von Gerichtsdiener Silvio Waimer vorgeführt, wurde der beschuldigte Lohnschreiber einer Tageszeitung mit Sitz in Konstanz auf gefährliche Waffen und eine schafkantige Zahnprothese durchsucht und musste sich schwere Schandtaten vorhalten lassen. Saumäßig miserable badische Sprachkenntnisse und somit mangelnde Integrationsbereitschaft und Verunglimpfung hoch gestellter närrischer Persönlichkeiten.

Und mit der schwäbischen Herkunft des Angeklagten hatte er auch seine Mühe: "Es ist ja keine Sünde Schwabe zu sein, aber eine Schand!", so Werner Waimer und bei seinem Namen Lutz denke er sowieso an einen "gscheiten Wurstsalat".

Bei "Wipikadidingsbums" habe er sich dank schnellen Internets über den Delinquenten schlau gemacht. Sprache sei der Schlüssel zur Integration. Das gilt für Asylbewerber genauso wie für Exilschwaben. Folglich musste sich der so nach Zollhaus in die Narrenhochburg zitierte Schwabe einem Sprachtest unterziehen.

Fürsprecher Thomas Volz hatte es folglich schwer. Die vom Ankläger geforderte Strafe lehnte er ab: "Laut der Pfetzergerichtsordnung muss im Urteil klar festgelegt sein, wer bestraft werden soll." Der vors Gericht gebrachte Lohnschreiber bekannte sich schuldig, gestand den Zollhausern zu, sehr unter der Verkehrsbelastung zu leiden und kündigte an, einen zweiten Sprachkurs zu besuchen. Und dann zitierte er auswendig aus Ludwig Uhlands Schwabenstreichen. Doch selbst so viel literarisches Wissens konnte das Gericht nicht umstimmen. Das Urteil: Der Angeklagte muss ausführlich über das 60-Jahr-Fest des Fanfarenzugs in diesem Sommer berichten.

Hohe Ehrung bei der Pfetzerzunft danach im Anschluss. Landvogt Raily Mink überreichte am Dienstag Alexandra Waimer den Goldenen Verdienstorden der Narrenvereinigung Hegau-Bodensee.

Schon als Kind war sie bei jedem Umzug dabei, seit 1990 ist im Fanfarenzug, sie übernahm mehrere Ämter im Vorstand, seit 2005 darf sie sich "Fäscht-Krakete" nennen, zudem ist sie Vorsitzende Richterin beim närrischen Pfeterzgericht.

Den Pfetzerorden überreichte Ehrenzunftmeister Werner Waimer Dirk Prager in Vertreter von dessen ganzer Familie, den Mini-Pfeterzorden erhielt Jan Schwarz.