Bisingen

Statt Sparstrumpf in Zukunft investieren

von Julia Brenner

Bisingen - Kurz vor der Bundestagswahl hat der SPD-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Thomas Oppermann, den Sozialdemokraten im Zollernalbkreis einen Besuch abgestattet. Rund 200 Zuhörer waren dazu über Mittag in die Bisinger Hohenzollernhalle gekommen.

Mit einem Nichthuldigergeist in der Tasche und unter lautem Applaus verabschiedete sich am Dienstag Thomas Oppermann aus der Hohenzollernhalle. Seine Genossen schwor der Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion darauf ein, auf den letzten Metern des Wahlkampfs noch einmal richtig Gas zu geben. "Wir können noch enorm aufholen", sagte Oppermann, die Wahl sei noch lange nicht verloren. Die SPD habe durch die Kanzlerkandidatur von Martin Schulz immerhin bereits 23 000 neue Mitglieder gewonnen.

Zuvor hatte sich der 63-jährige Jurist ein Schnitzel mit Kartoffelsalat schmecken lassen – gemeinsam mit rund 200 weiteren Gästen, die extra über die Mittagspause in die Bisinger Halle gekommen waren.

Begrüßt wurde Oppermann vom Bundestagskandidaten des Wahlkreises Tübingen-Hechingen, Martin Rosemann, der den Politiker zusammen mit der Kandidatin des Wahlkreises Zollernalb-Sigmaringen, Stella Kirgiane-Efremidou, eingeladen hatte. Rosemann, betonte Oppermann, müsse unbedingt wieder in den Bundestag einziehen, "ohne ihn haben wir ein Problem in der SPD", so der Fraktionsvorsitzende. Rosemann sei federführend mit der Rentenrefom betraut.

Überschüsse nicht bunkern, sondern in Infrastruktur stecken

Der Tenor von Oppermanns kurzer und prägnanter Rede war klar: Deutschland muss in seine Zukunft investieren. Überschüsse dürften nicht "im Sparstrumpf" gebunkert werden, sondern müssten in Bildung und Infrastruktur fließen, mahnte er. Das demografische Problem dürfe man nicht weiterhin auf die junge Generation abwälzen. Deutschland sei zwar wirtschaftlich stark, dürfe sich aber nicht abhängen lassen. Gerade der Breitbandausbau sei wichtiges Zukunftsthema. Und eben auch, dass der Wohlstand bei allen ankomme und nicht nur bei Topverdienern. "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit", sei das Stichwort, so Oppermann. Dass Frauen im Schnitt nach wie vor 21 Prozent weniger verdienen würden als Männer, sei nicht akzeptabel. Gerade soziale Berufe wie Erzieher müssten deshalb dringend aufgewertet werden.

Ein weiteres wichtiges Thema sei der europäische Zusammenhalt. Man habe die Chance, mit dem französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron anzupacken, damit Europa zusammenbleibe. Man dürfe sich – auch von US-Präsident Donald Trump – nicht vom gemeinsamen Weg abbringen lassen.

Eine strikte Absage erteilte Oppermann dem Nationalismus. Man dürfe nicht Stimmung machen auf dem Rücken von Minderheiten. Deutschland müsse ein weltoffenes, tolerantes und demokratisches Land bleiben. Ein Thema, dem auch die Kandidatin Stella Kirgiane-Efremidou beim Schlusswort noch einmal Nachdruck verlieh.

Die Zuschauer hatten im Anschluss Zeit, Oppermann Fragen zu stellen. Dabei wurde unter anderem der ihrer Meinung nach zu vorsichtige Umgang mit Bundeskanzlerin Angela Merkel kritisiert. "Es hat keinen Sinn, Merkel persönlich anzugreifen", antwortete Oppermann, immerhin habe die SPD acht Jahre auf sie "aufgepasst". Er würdigte die Verdienste der Kanzlerin – einen Plan für die Zukunft habe sie aber nicht.

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